| type | poem |
| author | unknown |
| title | Von den Nibelungen |
| translator | Karl Simrock |
| editor | Eduard Sievers |
| sender | LehmayerGertraud@aol.com |
| created | 20030614 |
Dannen gie dô Sîfrit / zer porten ûf den sant
in sîner tarnkappen, / dô er ein schiffel vant.
dar an sô stuont vil tougen / daz Sigemundes kint:
er fuort ez balde dannen, / alsam ez waete der wint.
Den schefmeister sach niemen : / daz schiffel sêre vlôz
von Sîfrides kreften : / die wâren alsô grôz.
si wânden daz ez fuorte / ein sunderstarker wint:
nein, ez fuorte Sîfrit, / der schoenen Sigelinde kint.
Bî des tages zîte / unt in der einen naht
kom er zeime lande / mit groezlîcher maht,
wol hundert langer raste / unde dannoch paz
die hiezen Nibelunge, / dâ er den grôzen hort besaz.
Der helt fuor aleine / ûf einen wert vil breit:
daz schif gebant vil balde / der ritter vil gemeit.
er gie zeinem berge, / dar ûf ein burc stuont,
unt suochte herberge, / sô noch die wegemüeden tuont.
Dô kom er für die porten : / verslozzen im diu stuont.
ja huoten si ir êren, / sô noch die liute tuont.
anz tor begunde bôzen / der unkunde man.
daz was vil wol behüetet: / dô vant er innerthalben stân
Einen ungefüegen / der der bürge pflac,
bî dem zallen zîten / sîn gewaefen lac.
der sprach: "wer ist der bôzet / sô vaste an daz tor?"
Dô wandelt sîne stimme / der herre Sîfrit dâ vor.
Er sprach: "ich pin ein recke: / entsliuz ûf daz tor.
ich erzürne ir eteslîchen / noch hiute dâ vor,
der gerne sanfte laege / unt hete sîn gemach."
daz muot den portenaere, / dô daz her Sîfrit gesprach.
Nu het der rise küene / sîn gwaefen an getân,
sînen helm ûf sîn houbet / der vil starke man.
den schilt er balde zuchte, / daz tor er ûf dô swief
wi rehte gremelîchen / er an Sîvriden lief,
Wi er getorste wecken / sô manigen küenen man.
dâ wurden slege geswinde / von sîner hant getân.
Dô begunde im schermen / der hêrlîche gast.
Dô schuof der portenaere / daz sîn gespenge zebrast
Von einer îsenstangen : / des gie dem helde nôt.
ein teil begonde fürhten / Sîfrit den tôt,
dô der portenaere / sô krefteclîchen sluoc.
dar umbe was im waege / sîn herre Sîvrit genuoc.
Si striten alsô sêre / daz al diu burc erschal.
Dô hôrte man daz diezen / in Nibelunges sal.
er twanc den portenaere, / daz er in sit gebant.
diu maere wurden künde/ in al der Nibelunge lant.
Dô hôrt daz grimme strîten / verre durch den berc
Albrich der vil küene, / ein wildez getwerc.
er wâfende sich balde : / dô lief er dâ er vant
disen gast vil edelen, / dâ er den risen gebant.
Albrich was vil grimme : / starc was er genuoc.
helm unde ringe / er an dem lîbe truoc,
unt eine geisel swaere / von golde an sîner hant.
Dô lief er harte swinde / dâ er Sîvriden vant.
Siben knöpfe swaere / die hiengen vor dar an,
dâ mit er vor der hende / den schilt dem küenen man
sluoc sô pitterlîchen, / daz im des vil zebrast.
des lîbes kom in sorge / dô der waetlîche gast.
Den scherm er von der hende / gar zebrochen swanc :
Dô stiez er in di scheide / ein wâfen, daz was lanc.
sînen kameraere / wold er niht slahen tôt
er schônde sîner zühte / als im diu tugent daz gebot.
Mit starken sînen handen / lief er Albrîchen an.
Dô vienc er pî dem parte / den altgrîsen man
er zogten ungefuoge / daz er vil lûte schrê.
zuht des jungen heldes / diu tet Albrîche wê.
Lûte rief der küene : / "nu lât mich genesen.
und möht ich iemens eigen / ân einen recken wesen
(dem swuor ich des eide, / ich waere im undertân),
ich diente iu ê ich sturbe," / sô sprach der listige man.
Er bant ouch Albrîchen / alsam den risen ê.
die Sîfrides krefte / tâten im vil wê.
daz twerc begonde vrâgen: / wie sît ir genant?"
Er sprach: "Ich heize Sîfrit / ich wânde ich waere iu wol bekant.
Sô wol mich dirre maere" / sprach Albrich daz getwerc:
"nu hân ich wol erfunden / diu degenlîchen werc,
daz ir von wâren schulden / mügt landes herre wesen.
ich tuon swaz ir gebietet, / daz ir lâzet mich genesen."
Dô sprach der herre Sîfrit : / "ir sult balde gân
unt bringet mir der recken, / die besten die wir hân,
tûsent Nibelunge, / daz mich die hie gesehen."
war umbe er des gerte, / des hôrt in niemen verjehen.
Dem risen unt Albrîche / lôst er diu bant.
Dô lief Albrich balde / dâ er die recken vant.
er wachte sorgende / der Nibelunge man.
er sprach : "wol ûf, ir helde, / ir sult ze Sîvride gân."
Si sprungen von den betten/ unt wâren vil bereit.
tûsent ritter snelle / wurden wol gekleit.
si giengen dâ si funden / Sîvriden stân
dâ wart ein schône grüezen /ein teil mit werken getân.
Vil kerzen was enzündet, / man schancte im lûtertranc.
daz si schiere kâmen, / er saget ins allen danc.
er sprach : "ir sult von hinnen / mit mir über fluot."
des vant er vil bereite / die helde küen unde guot.
Wol drîzec hundert recken / die wâren schiere komen :
ûz den wurden tûsent / der besten dô genomen.
den brâhte man ir helme / unt ander ir gewant,
want er si füeren wolde / in daz Prünhilde lant.
Er sprach : "ir guoten ritter, / daz wil ich iu sagen,
ir sult vil rîchiu kleider / dâ ze hove tragen,
want uns dâ sehen müezen / vil mîneneclîchiu wîp.
dar umbe sult ir zieren/ mit guoter waete den lîp."
An einem morgen fruoe / huoben si sich dan.
waz sneller geferten / Sîfrit dô gewan !
si fuorten ros diu guoten / unt hêrlîch gewant
si kâmen weigerlîche / in daz Prünhilde lant.
Dô stuonden in den zinnen / diu minneclîchen kint.
Dô sprach diu küneginne : / "weiz iemen wer die sint
die ich dort sihe vliezen / sô verre ûf dem sê ?
si füerent segele rîche, / die sint noch wîzer dan der snê."
Dô sprach der künic von Rîne : / "ez sint mîne man.
die het ich an der verte / hie nâhen bî verlân.
die hân ich besendet: / die sint nu, vrouwe, komen."
der hêrlîchen geste / wart vil grôze war genomen.
Dô sach man Sîfride / vor in eim scheffe stân
in hêrlîcher waete, / und ander manigen man.
Dô sprach diu küneginne : / "her künec, ir sult mir sagen,
sol ich die geste enpfâhen / oder sol ich grüezen si verdagen ?"
Er sprach : "ir sult engegen in / für den palas gên,
ob wir si sehen gerne, / daz si daz wol verstên."
Dô tet diu küneginne / als ir der künic geriet.
Sîfride mit dem gruoze / si von den anderen schiet.
Man schuof in herberge / und behielt in ir gewant.
dô was sô vil der geste / komen in daz lant
daz si sich allenthalben / drungen mit den scharn.
dô wolden die vil küenen / heim zen Buregonden varn.
Dô sprach diu küneginne : / "ich wold im wesen holt
der mir geteilen kunde / mîn silber unt mîn golt
mîn unt des küneges gesten, / des ich sô vil hân."
des antwurte Dancwart, / des künic Gîselheres man:
"Vil edeliu küneginne, / lât mach der slüzel pflegen.
ich trûwe ez sô geteilen" / sprach der küene degen,
"swaz ich erwerbe schande, / die lât mîn eines sîn."
daz er milte ware, / daz tet er groezlîchen schîn.
Dô sich Hagenen bruoder / der slüzel underwant,
sô manige rîche gâbe / bôt des heldes hant:
swer einer marke gerte, / dem wart sô vil gegeben
daz die armen alle / muosen vroelîchen leben.
Wol bî hundert pfunden / gap er âne zal.
genuoge in rîcher waete / giengen vor dem sal
die nie dâ vor getruogen / sô hêrlîchiu kleit.
daz gevriesch diu künegîn : / ez was ir waerlîche leit.
Dô sprach diu küneginne : /"her künic, ich hetes rât
daz iuwer kameraere / mir wil der mînen wât
lâzen niht belîben : / er swendet gar mîn golt.
derz noch understüende, / dem wolt ich iemer wesen holt.
Er gît sô rîche gâbe, / ja waenet des der degen,
ich habe gesant nâch tôde : / ich wils noch langer pflegen.
ouch trûwe ichz wol verswenden / daz mir mîn vater lie."
sô milten kameraere / gewan noch küneginne nie.
Dô sprach von Tronie Hagne : / "vrouwe, iu sî geseit,
ez hât der künec von Rîne / golt unde kleit
also vil ze gebene / daz wir des haben rât
daz wir von hinnen füeren / iht der Prünhilde wât."
"Nein, durch mîne liebe" /sprach diu künegîn :
"lâzet mich erfüllen / zweinzec leitschrîn
von golde unt ouch von sîden, / daz geben sol mîn hant,
sô wir komen übere / in daz Guntheres lant."
Mit edelem gesteine / ladet man ir diu schrîn.
ir selber kameraere / dâ mite muosen sîn
sine woldes niht getrûwen / dem Gîselheres man.
Gunther unde Hagene / dar umbe lachen began.
Dô sprach diu küneginne: / "wem lâz ich mîniu lant?
diu sol ê hie bestiften / mîn unt iuwer hant."
Dô sprach der künic edele : / "nu heizet here gân
der iu dar zuo gevalle, / den sul wir voget wesen lân."
Ein ir hôhsten mâge / diu vrouwe bî ir sach
(er was ir muoter bruoder), / zuo dem diu maget sprach:
"nu lât iu sîn bevolhen / die bürge unt ouch diu lant,
unze daz hie rihte / des künic Guntheres hant."
Dô welt si ir gesindes / zweinzic hundert man,
die mit ir varen solden / ze Buregonden dan,
zuo jenen tûsent recken / ûz Nibelunge lant.
si rihten sich zer verte : / man sach si rîten ûf den sant.
Si fuorte mit ir dannen / sehs unt ahzec wîp,
dar zuo wol hundert mägde : / vil schoene was der lîp.
sin sûmten sich niht langer, / si wolden gâhen dan.
die si dâ heime liezen, / hey waz der weinen began!
In tugentlîchen zühten / si rûmte ir eigen lant :
si kust ir vriunt die nâhen, / swaz si der bî ir vant.
mit guotem urloube / si kâmen ûf den sê.
zuo ir vater lande / kom diu vrouwe niemer mê.
Dô hôrt man ûf der verte / maniger hande spil :
aller kurzewîle / hêten si vil.
dô kom in zuo ir reise / ein rehter wazzerwint
si fuoren von dem lande / mit vil grôzen vreuden sint.
Don wolde si den herren / niht minnen ûf der vart :
ez wart ir kurzewîle / unz in sîn hûs gespart
ze Wormez zuo der bürge / zeiner hôchgezît,
dar si vil vreuden rîche / kômen mit ir helden sît.