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Claude Anet: Lydia Sergijewna - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorClaude Anet
titleLydia Sergijewna
publisherC. Weller & Co.
printrunSiebentes bis neuntes Tausend
year1926
translatorGeorg Schwarz
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20070807
projectid22a8d452
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Claude Anet ist das Pseudonym, unter dem Jean Schopfer aus dem schweizer Kanton Waadt seine Werke in französischer Sprache – seiner Muttersprache – erscheinen läßt. Der Autor lebt jetzt ständig in Paris. Die Hauptwerke dieses Autors spielen in Rußland, das ihm auch persönlich zum großen bestimmenden Erlebnis wurde. Dafür aber, wie sehr Claude Anet Rußland und seine Menschen verstanden hat, wie echt und lebendig er sie zu gestalten wußte, spricht am deutlichsten der Umstand, daß die ersten Kritiken über seinen Roman »Ariane« vermuteten, daß Claude Anet das Pseudonym für eine Russin sei. Zu dieser Vermutung mag auch beigetragen haben, daß das Schauspiel Claude Anets »Mlle. Bourrat« zum Repertoir des in Paris heimisch gewordenen russischen Pitoef-Ensembles gehörte. Tatsächlich ist Claude Anet der erste Westeuropäer, dem es gelang, die russische Seele voll zu erfassen, wenn er es auch nicht lassen kann, sie in seinen Romanen oft in französisches Temperament zu transponieren. Anet hat Rußland wirklich erlebt. Als Korrespondent des »Petit Parisien« ging er während des Krieges nach Rußland, es gelang ihm auch in Sowjet-Rußland trotz aller Gefahren und Verfolgungen auszuharren. Gefängnisse und vielfache Lebensgefahren blieben ihm nicht erspart. Mit bewunderungswürdiger Objektivität hat er später in einem vierbändigen Werke (La Révolution Russe) seine Eindrücke über die Umwälzungen in Rußland aufgezeichnet.

Wenn Claude Anet in jenem Werke die Tatsachen als objektiver Beobachter niederlegte, so bietet das vorliegende, die Übertragung seines Romanes »Quand la terre trembla«, die künstlerische Gestaltung des ungeheueren Erlebens, dessen Zeuge der Dichter war: des Zusammenbruches des ganzen russischen Reiches, der unbedingten Umkehrung aller gesellschaftlichen Wertungen und damit des Zerfalles dieser Gesellschaft und ihrer Ideale überhaupt. Viel wissender und klarer hat der Dichter in diesem Buche die russische Seele gezeichnet als in »Ariane«, viel tiefer hat er vor allem die russische Frau und das Leben ihrer Liebe erkannt und gestaltet, diese Frauenseele, schwankend zwischen jäher Trauer und jubelnder Freude, verankert im russischen Boden, unergründlich in den Halbschatten der Gefühle. Und nicht nur als Dichter hat Claude Anet Rußland erlebt – er fand dort auch seine Lebensgefährtin.

Claude Anet ist einer der ersten Westeuropäer, der Rußland verstanden hat.

Grete Urbanitzky.

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