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Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach: Der Säger - Kapitel 2
Quellenangabe
typenarrative
booktitleMeistererzälungen
authorMarie von Ebner-Eschenbach
year1990
publisherManesse Verlag
addressZürich
isbn3-7175-1104-1
titleDer Säger
pages7-28
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1910
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Hinter der Tür hielten sie noch eine Beratung ab. Ich unterschied deutlich die Worte des einen: ‹Ihm doch sagen›, und des anderen: ‹Ist verboten›. Schon wollte ich sie zurückrufen und sie zur Rede stellen, ließ es aber gut sein. Ich hatte einen Wolfshunger und einen Bärendurst; der Wein und die kalte Küche, die sie mir aufgetragen hatten, schmeckten mir vortrefflich; ich aß und trank, ohne dabei auch nur einen Augenblick mein tiefes Leidwesen um den armen Rudosch weniger schmerzlich zu spüren. – Den Armen, ja den sehr Armen!... Er hatte nichts, nicht einmal einen Familiennamen, nicht einmal die Erinnerung an seine Eltern, wußte nur, daß er zu den Seiltänzern, mit denen er herumzog, solang er dachte, nicht von Geburt an gehöre. Bei einer Vorstellung in unserm Dorfe verunglückte er, und die Truppe wollte ihn beim Abzuge in ihrem Karren mitschleppen, elend, wie er war, mit gebrochenen Gliedern. Meine Großtante nahm sich seiner an, und die fahrenden Künstler überließen ihr gern die Sorge um das unnütz gewordene Mitglied. Rudosch wurde ins Schlößchen gebracht und gesundgepflegt.

Seitdem blieb er da; ich habe das Haus nicht ohne ihn gekannt. Er war das Ideal eines Dieners der Diener und eine sehr beliebte Persönlichkeit. Daß er jemand geliebt hätte, außer vielleicht mich, habe ich nie bemerkt. Die Frauen waren ihm so wenig gefährlich, wie er es ihnen, begreiflicherweise, war; er hatte ja mehr Ähnlichkeit mit einem Gorilla als mit einem Apoll. Unvergeßlich bleiben mir seine kleine, breitschulterige Gestalt, sein bleiches, eingefallenes Gesicht mit den schwarzen Bartstoppeln, die behaarten Hände, die Haare, die glanzlos wie Pech ihm tief in die niedrige Stirn wuchsen. Wenn man ihn ansprach, glotzte er einem erstaunt und fragend ins Gesicht, als ob er kaum glauben könne, daß man sich mit ihm beschäftige oder etwas von ihm wolle. Und jeder wollte doch etwas von ihm, hieß ihn tun, was der Betreffende selbst hätte tun sollen, oder nahm seine Geschicklichkeit in Anspruch; denn er war ein Naturgenie für mechanische Arbeiten. Mein schönstes Spielzeug, eine famose Armbrust, einen schlanken, großen Bogen, feine, buntbefiederte Pfeile verdankte ich seiner Kunstfertigkeit. Nie war eine Arbeit ihm zuviel, er verhielt sich bei jeder gleich emsig, gleich ernst und vertieft. Nur wenn er aufgefordert wurde, einen dürren Ast auf einem hohen Baume in Wipfelnähe abzusägen, ging das Herz ihm auf. Ein Freudenglanz blitzte aus seinen schwermütigen Augen. Er schwang sich behende von Ast zu Ast, baumelte tollkühn an einem Zweige. Und wenn ich starr vor Angst unten stand und zu ihm hinauf rief: ‹Gib acht, um Gottes willen, gib acht!›, führte er in der Höhe ein Seiltänzerkunststückchen nach dem andern auf. Seine eigentliche und auch seine liebste Beschäftigung bestand im Sägen des Brennholzes für den Hausbedarf. Es wurde aus dem Walde zugeführt, und Tag für Tag konnte man Rudosch, im Winter durch lange, im Sommer durch kürzere Zeit, unter dem vorspringenden Dache des Schuppens bei der Arbeit sehen. Er verrichtete sie mit der Unermüdlichkeit und Gleichmäßigkeit einer im besten Stande befindlichen Maschine, immer rastlos, immer schweigend, besonders um die Zeit, in der sein böser Dämon ihn zu ergreifen drohte. Sie kam viermal im Jahre; mein armer Rudosch war ein Quartalsäufer. Das klägliche Ereignis kündigte sich durch sichere Vorboten an: aufs äußerste getriebenen Fleiß, tiefere Traurigkeit. Er sprach nicht, aß kaum, starrte und starrte ins Leere, stand vor mir und sah mich nicht, ging umher wie einer, der einen schweren Fluch nachschleppt – und war plötzlich verschwunden. Jetzt wußte man, er sitzt in irgendeinem Wirtshause, möge ihn suchen gehen, wer Lust hat, und trinkt und trinkt. Nach einigen Tagen kam er wieder, mehr oder weniger verwundet nach einem schweren Fall, den er unterwegs getan. Einmal hatte er ein Loch im Kopf, die mit Blut getränkten Haare klebten drüber wie eine Kruste. Ich schrie auf, als ich es bemerkte: ‹Rudosch, wer hat dir das getan?› Er schüttelte den Kopf, sah zu Boden und sägte und sägte. Ich ging oft fort von ihm, weil ich seine Todestraurigkeit nicht mit ansehen konnte, versteckte mich in einem Winkel und weinte über ihn.

Was irgend geschehen konnte, um ihn zu heilen, geschah, in Güte wie in Strenge, durch meine Großtante, durch den Arzt, den geistlichen Herrn. Umsonst. Man nahm endlich den Quartalrausch des armen Rudosch wie ein Elementarereignis hin.

Du Armer! Du Armer! Man soll dir deine Ruhe gönnen, soll dich nicht zurückwünschen in ein Leben, das dir nichts Gutes zu bieten hatte. -

In den Zimmern war es wohlig warm geworden. Die Diener hatten viele Kerzen angesteckt; hell und freundlich sah meine alte Umgebung mich an. Die Möbel mit den spindeldünnen Füßen und den bunten Überzügen, der Glasschrank mit den Büchern, die mich einstens entzückten, der kleine Werktisch, an dem ich mich so fleißig mit Tischlerarbeit mühte, alle die alten Bekannten heimelten mich an. Auch das Schlafzimmer war gut gehalten, und alles befand sich darin auf dem alten Fleck. Es lag gegen Westen in einer stumpfen Ecke des unregelmäßig gebauten Schlößchens, war lang und schief und hatte durch ein hohes, schmales Fenster, das in einer tiefen Mauernische lag, die Aussicht auf den Zwinger. Einige schöne alte Bäume, unter denen eine Fichte die Königin war, schmückten ihn. Mein Bett stand in der Nähe des Fensters, mit dem Kopfende an der Wand, und mein erster Blick beim Erwachen fiel auf die immergrüne Majestät. Die Spitze ihres Wipfels glänzte wie ein Stern, wenn drüben die Sonne aufging. Langsam glitt das Licht an ihren Zweigen herab und vergoldete allmählich den ganzen Baum. Ein paar kleine Wirtschaftsgebäude, darunter die Werkstatt des armen Rudosch, bildeten seine Umgebung.

Ich trat ans Fenster, wollte einen Blick nach dem Schauplatz seines unermüdlichen Fleißes werfen, doch war in der tiefen Dunkelheit durchaus nichts zu unterscheiden. So ging ich denn zu Bette und schlief sogleich ein. Ich konnte aber nicht lange geschlafen haben, als ich plötzlich geweckt wurde. Wodurch, hätte ich nicht sagen können. Durch das heftige Zuschlagen einer Tür, durch den Fall eines schweren Gegenstandes? Ein knisterndes Geräusch folgte, ein regelmäßiges Hin und Her, das von einer in Bewegung gesetzten Säge zu kommen schien. Merkwürdig, daß sie jetzt Holz sägen in der Nacht, dachte ich, wenn man das denken nennen kann, was einem in der Schlaftrunkenheit durch den Kopf schwebt... Ach was, ach was! – nicht draußen, in meinen Ohren sägt's -, bin Wein zu trinken nicht gewöhnt, habe vielleicht ein Räuschlein... Ein Räuschlein, das mir eine besonders gute Nacht verschaffen wird. Und ich legte mich aufs Ohr und schlief weiter, erquickend und tief, und als ich am Morgen erwachte, war, wie ich sah, Kiwala schon da gewesen. Meine Kleider hingen sauber ausgebürstet am Rechen, der Waschtisch und die Wanne waren mit Wasser versorgt. Bevor ich noch mit meiner Morgentoilette fertig geworden, fand der Schloßwärter sich wieder ein, sah mich scheu mit neugierigen Augen an, fragte, wie ich geschlafen habe, und nahm mein ‹Gut, vortrefflich!› erstaunt und ungläubig auf.

Die Großtante empfing mich freundlich wie immer, aber um einen Grad weniger kühl als sonst. Auch ihre erste Frage war, wie ich geschlafen habe; meine befriedigende Antwort machte ihr sichtlich Vergnügen. Sie hatte einspannen lassen, und nach dem Frühstück fuhren wir in den Wald. Er war zum großen Teil unter ihrer langen Regierung angelegt worden und mit gutem Rechte ihr Stolz. Sie verstand sich auf die Forstwirtschaft trotz eines Professors der Waldbaulehre. Ihre ‹Baumkinder›, wie sie sagte, belohnten die Pflege, die sie erfuhren, und strotzten von Gesundheit und Kraft. Wir hatten den Wagen verlassen und schritten unter alten, graustämmigen Buchen einem prächtigen Nadelholzbestande, der Lieblingsschöpfung der Großtante, zu. Auf diesem Wege fiel mir der Tod des armen Rudosch wieder ein, und ich fragte, ob wir nicht in der Nähe der Stelle wären, an der man seine Leiche gefunden hatte. Die Großtante antwortete kurz, es sei möglich, und lenkte sofort das Gespräch ab. Offenbar wollte sie an die traurige Begebenheit nicht erinnert werden, und ich hütete mich, ihrer nochmals zu erwähnen.

Wir kamen knapp vor dem Mittagessen von unserer Ausfahrt zurück und fanden im Speisezimmer eine junge Dame, in die ich mich sogleich verliebte. Sie hieß Ellen Merton und fungierte seit einem Jahre bei meiner Großtante als Vorleserin. Ein entzückendes Geschöpf, frisch und heiter wie ein Maimorgen, geistreich und verständig. Ich unterhielt mich so gut mit ihr, daß es mich verdroß, als am Nachmittag Besuch erschien, noch dazu mir zu Ehren geladene Gäste aus der Nachbarschaft, denen ich Zeit und Aufmerksamkeit widmen mußte. Zur Entschädigung las Miß Merton am Abend schöne Gedichte von Longfellow reizend vor. Der Tag war zu rasch verflogen; ich wollte protestieren, als die Großtante um zehn Uhr aufstand und mich verabschiedete. Aber von einem Sündigen gegen die Hausordnung wollte sie nichts hören, es blieb dabei; sie reichte mir die Hand, riet mir, so bald und so rasch einzuschlafen wie gestern, und verließ den Salon, begleitet von ihrer allerliebsten Vorleserin.

Nun tröstete ich mich: morgen ist auch noch ein Tag! und wußte nichts Besseres, als die Stunden, die mich von ihm trennten, in angenehmer Bewußtlosigkeit zu verbringen. So begab ich mich denn in bester Laune zur Ruhe und befolgte aufs Haar den Rat der Großtante. Eine gute Weile mochte ich wohl im ersten, tiefsten Schlafe gelegen haben, als ich aus ihm aufgeschreckt wurde wie gestern. Ich fuhr in die Höhe und horchte gespannt und war mir im ersten Augenblick bewußt: nicht das Zuschlagen einer Tür, nicht der Sturz eines schweren Gegenstandes hatten mich geweckt, sondern das kräftige Geschleudertwerden eines solchen auf eine harte, aber bewegliche Masse, die unter dem Anprall knisterte... Einen Augenblick Stille, und dann ein sägendes Geräusch – es kam von außen, das war mir heute sofort ausgemacht; es kam von der Stelle her, wo die Werkstatt meines armen Rudosch sich befand.

Dort hatte einer eine Säge in Bewegung gesetzt. Sie glitt gleichförmig und behend hin und her und hatte eine eigentümlich scharfe, hohe, boshafte Stimme und sagte ganz deutlich: Mit Fleiß! mit Fleiß! – und das lebendige Holz stöhnte unter ihr: 's tut weh! 's tut weh!... Nun kam ein Knack, ein Wurf, die Scheite flogen auf den Holzstoß, er knisterte – dann folgte die Pause... Er spannt ein neues Scheit ein. Er – wer? Wem fällt es ein, Holz zu sägen mitten in der tiefschwarzen Nacht?

Wie lange er's schon treibt? – Wie lange er's noch treiben will? – Mir klopft das Herz vor Ungeduld und noch einem anderen Gefühl, das ich mir nicht eingestehen will... Und der Unermüdliche sägt und sägt, es knackt, die Scheite fliegen, der Holzstoß knistert... alles still. Jetzt, jetzt! Ich atme auf, zähle die Sekunden – jetzt wird Ruhe sein... Noch nicht! Das verdammte Sägen fängt von neuem an. Wieder eine Pause, wieder Hoffnung auf Ruhe, durch zehn, durch zwölf Sekunden – wieder die Enttäuschung. Sie tanzt einem auf den Nerven, diese Abwechslung zwischen erlösender Ruhe und dem aber- und abermals erhobenen Gekreische der eisernen Zähne. Sie singen ihr schrilles Lied: Mit Fleiß! mit Fleiß! – und das lebendige Holz stöhnt: 's tut weh! 's tut weh! Ich machte Licht, stand auf, trat ans Fenster und sah hinaus. Es war, wie wenn ich in ein verschlossenes Rohr hinein gesehen hätte. Der drüben, der Säger, hatte keine Laterne angesteckt, verrichtete seine Arbeit im Dunkel. Was das heißt? – Was das nur heißt?... Ich hatte einen närrischen Einfall, über den ich selbst lachen mußte. Lachen – nun, im ganzen war mir nicht danach. – Rieselnde Schauer durchfröstelten mich. Ein Ende! Ein Ende! Der Wahnwitz muß ein Ende haben...

Ich riß das Fenster auf. Ein eisiger Luftstrom blies mir entgegen, löschte das Licht. Ich beugte mich hinaus – keine Veränderung. Das sägende Geräusch blieb sich gleich, hörte sich bei offenem Fenster nicht anders an als bei verschlossenem. Konnte das sein? Mein Verstand war noch rege genug, um zu denken: Es kann nicht sein... Aber ich höre, höre ja, daß es so ist. Es kann nicht sein, und es ist... Endlich überkam es mich: So sei es denn! Nimm das Unerklärliche hin – was kümmert's dich? Geh schlafen und laß den Spuk sägen, soviel er mag. Ja – was es mich kümmerte? – Daß es mich nicht losließ, sich anklammerte an jeden Lebensnerv, an jede Faser meiner Wesenheit, mich mit übermenschlicher Stärke festhielt und mich zwang: Hör zu! Hör zu! Höre die Säge hin und her schleifen, gleichförmig, rastlos, unermüdlich, so wie nur einer sie gehandhabt hat, höre die Scheite knacken und auf den Holzstoß fliegen... In mir bäumte sich alles auf gegen den gebieterischen Zwang; ein Grimm, ein wildes Wollen zu drohen, zu überwältigen erfaßte mich in meiner Todesangst... Ich raffte mich zusammen und stieß mit aller Kraft meiner Lungen den Schrei hinaus ‹Rudosch!›

Aber – mein Schrei erstarb auf meinen zuckenden Lippen, weckte keinen Ton; die schwarze, gespenstische Nacht verschlang ihn, verschlang jeden Laut außer dem einen, geheimnisvoll grauenhaften. Den trug sie, der schwebte heran auf eisernen gezahnten Flügeln, kälter als kalt, leiser als der Flug der Fledermaus, der strich über die Wurzeln meiner Haare, strich mir über Stirn und Augen, nahm meinem Mund den Atem, meinem Herzen den Schlag. -

Und nun – nun alles still, um mich, in mir, totenstill, und mein Bewußtsein entschwunden...

Aus tiefer Ohnmacht – ob bald, ob spät, könnte ich nicht sagen – erwachend, noch halb betäubt, erhob ich mich vom Boden, auf den ich gesunken war, und schleppte mich in mein Bett.

Der schönste Herbstmorgen begrüßte mein Erwachen. Vor einer Weile schon mußte die Sonne am Horizonte erschienen sein; denn Königin Fichte prangte in Gold und Purpur vom Wipfel bis zum Saume ihres ringsum und weithin auf dem Boden ausgebreiteten Nadelkleides. Mir gegenüber war indessen der Vollmond rot aufgegangen; da stand Kiwala, betrachtete mich mitleidsvoll und sagte etliche Male: ‹Ja, ja!›

Als ich bei meiner Morgentoilette in den Spiegel sah, erschrak ich über meinen Anblick; es war der eines Menschen, der eine schwere Krankheit überstanden hat.

Von der Großtante wurde ich mit einem Blick begrüßt, in dem der Ausdruck von Enttäuschung lag. Sie fragte heute nicht, wie ich geschlafen habe. Nach dem Frühstück schlug sie mir vor, mit ihr einen Besuch bei Verwandten zu machen, die in der Nähe wohnten, meine zwei letzten Ferientage dort zuzubringen und dann direkt nach Wien zu fahren.

‹Und Miß Merton?› fragte ich.

‹Fährt mit uns, und sogar recht gern. Sie hat sich, mußt du wissen, vor kurzem halb und halb mit deinem Vetter Eduard verlobt.›

Es war ein kleiner Schmerz, den ich aber bald überwand. Miß Merton heißt seit neunzehn Jahren Ellen Justin und ist unsere sehr liebe Kusine.

Im Winter ließ meine Großtante mir durch meinen Vormund mitteilen (sie selbst war eine Feindin des Briefschreibens), daß sie das Schlößchen verkauft und sich in Südtirol, in der Nähe von Rovereto, angesiedelt habe. Dort besuchte ich sie noch manches Mal. Sie war immer gleich heiter, lebhaft, angeregt; aber von ihrem ehemaligen Gute, von ihrem geliebten Walde durfte man nicht sprechen. Nur der alte Kiwala, dessen Gesicht immer runder, dessen Leibesfülle immer ansehnlicher wurde, teilte mir einmal flüsternd mit, das Schlößchen habe oft den Besitzer gewechselt, sei aber jetzt in festen Händen.»

«Damit wollen Sie andeuten», sprach die Hausfrau, «der spukhafte Säger sei der Arbeit doch endlich müde geworden?»

«Ich deute nichts an, gnädige Frau, ich berichte Tatsachen.»

«Und Ihre Großtante hat nie mit Ihnen von diesen ‹Tatsachen› gesprochen?»

«Nie.»

«Warum nur?»

«Vielleicht aus demselben Grunde, aus dem es in Westfalen verboten war, vom ‹zweiten Gesicht› zu reden.»

Eine Pause entstand, dann fragte die Hausfrau ernst und eindringlich: «Also wirklich, Herr von Justin, Sie wollen diese Sägerei wirklich gehört haben?»

«Ich habe sie wirklich gehört», erwiderte Justin.

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