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John Habberton: Anderer Leute Kinder - Kapitel 5
Quellenangabe
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typefiction
authorJohn Habberton
titleAnderer Leute Kinder
publisherVerlag von Walther Fiedler
year
firstpub
translatorC. Rusak
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Drittes Kapitel

Nach dem Frühstück sagte Frau Burton:

»Heute ist Tante Alice's Empfangstag, Kinder. Wahrscheinlich werden mich mehrere Damen besuchen, und alle werden gern etwas über euer liebes, kleines Schwesterchen hören; deshalb müßt ihr hier bleiben und ihnen erzählen, was ihr wißt. Auch müßt ihr euch recht nett und sauber halten. Ich weiß, auch ihr würdet nicht gern schmutzige Leute in meinem Besuchzimmer sehen.«

»Mag nich' in Besuchzimmern sitzen,« erklärte Toddi, »will ausgehn un' Hänschen suchen (Hänschen auf der Kanzel, Arisoema triphyllum, eine Sumpfpflanze.)

»Heute nicht!« sagte Frau Burton freundlich aber fest. »Wenn kleine Jungen hübsche, weiße Schürzen anhaben, können sie keine Hänschen suchen. Was würdest du wohl denken, wenn du mich an einem morastigen, sumpfigen Platze Hänschen suchen sähest, und ich hätte dabei eine weiße Schürze vor?«

»Ich würde denken, daß du noch mehr Hänschen nach Hause bringen könntest als ich, weil in deine Schürze noch mehr hineingehen als in meine,« antwortete Toddi.

»Ich will dir mal was sagen, Toddi,« unterbrach Willi diese Unterredung, indem er Toddi in eine Ecke rief und ihm mit wichtiger Miene etwas ins Ohr flüsterte. Die rührende Unschuld, welche dabei sein Antlitz verklärte, und die zarte Scheu, mit welcher er den Blicken seiner Tante auswich, veranlaßten diese, unwillkürlich das Gesicht abzuwenden – hier mußte es sich um ein kindliches Geheimnis außerordentlich zarter Natur handeln! Als sie nach einiger Zeit einen verstohlenen Blick auf ihre beiden Neffen warf, sah sie, daß auch Toddi ein ungewöhnlich ernstes Gesicht machte. Schließlich zogen beide Jungen durch den Garten ab; unterwegs jedoch wandte sich Willi um und versicherte mit melodischer Stimme:

»Wir kommen sehr bald wieder zurück, Tante Alice.«

Frau Burton hatte ihre Toilette beendet und eben einige Akkorde auf ihrem Instrument angeschlagen, als eine Dame nach der andern erschien und ihre Zeit in Anspruch nahm. Plötzlich, während sie gerade bemüht war, einen recht vorteilhaften Eindruck auf eine sehr ehrwürdige Dame aus der alten Schule zu machen, betraten beide Knaben, aus dem Speisesaal kommend, das Besuchzimmer. Frau Burton winkte ihnen energisch zu, wieder fortzugehen, denn Willis Hosen und Toddis Schürze waren entsetzlich schmutzig. Aber die beiden Jungen konnten den Besuch nicht sehen, weil derselbe hinter einem Vorhange versteckt saß; sie marschierten daher sorglos auf ihre Tante zu, und Willi meldete:

»Am zweiten Tage kommt noch niemand in'n Himmel, Tante Alice. Wir haben den Vogel wieder ausgegraben, um nachzusehen, un' der lag noch ebenso da, wie vorher.«

»Un' da waren viele, viele kleine Ameisen bei ihm,« sagte Toddi. »Die wollen woll auch gern in'n Himmel un' kommen zu dem Vogel, weil er Flügel hat un' sie mitnehmen soll?«

»Willi,« rief Frau Burton in entmutigendem Ton, »wie konntest du nur deinen Anzug so schmutzig machen?«

»Ja, siehst du,« antwortete Willi, indem er sich seiner Tante zutraulich näherte, seine Ellbogen auf ihre Kniee stützte und ihr offen ins Gesicht blickte, »ich mochte den lieben, kleinen Vogel nich' wieder begraben, ohne noch mal zu beten, un' da hab' ich nachher vergessen, meine Kniee abzubürsten.«

»Und du Toddi,« rief Frau Burton dann, »du hast doch nicht auf Bauch und Brust knieen können. Wie hast du es angefangen, deine hübsche, weiße Schürze so schmutzig zu machen.«

Toddi sah erst seine Schürze, dann seine Tante an, blickte fragend auf einige Gemälde, dann auf's Klavier, sah endlich zur Decke empor und schien da zu finden, was er suchte, denn er antwortete:

»Meinst du, die Schürze is schmutzig? Ich mein's nich. Will dir sagen, was dran fehlt – das Weiße is abgegangen.«

»Geht in die Küche!« befahl Frau Burton, und beide Kinder verzogen schmollend die hübschen Mäulchen und gingen hinaus. Eine halbe Stunde später traf ihr Onkel, der in der löblichen Absicht, noch einige Freundinnen seiner Frau anzutreffen, frühzeitig nach Hause aufgebrochen war, Toddi auf dem Gerüst eines im Bau begriffenen Hauses auf halbem Wege zwischen seiner Wohnung und der Eisenbahnstation.

»Spring herab!« rief er ihm zu, indem er an das Gerüst eilte, um ihn aufzufangen.

»Ich kann nich',« sagte Toddi.

»Springe sofort herab!« rief Herr Burton energischer als zuvor.

»Sag dir, ich kann nich',« wiederholte Toddi. »Wir spielen Turm zu Babel, un' unsere Sprache is verschieden. Un' wenn ich Willi sage, er soll Steine bringen, dann bringt er Mörtel; un' wenn ich Mörtel haben will, dann bringt er Steine. Un' dann sprechen wir so, wie du un' Tante Alice gestern bei Tisch.«

»Ja,« bestätigte Willi, welcher aus dem Innern des Hauses kommend mit einem Arm voll Steinen auf dem Gerüst erschien, »hör' mal!« Und der junge Mann schnatterte einige Augenblicke in einer noch nie gehörten Mundart, die vielleicht einige Aehnlichkeit mit der Affensprache haben mochte.

Herr Burton stieg zweimal vorsichtig auf das Gerüst und holte seine Neffen herunter; dann küßte er sie und schüttelte sie tüchtig, worauf alle drei, die Jungen bedeckt mit Sägespänen und Schmutz, den Heimweg antraten. Unterwegs hatten sie das Vergnügen, den meisten von Frau Burton heimkehrenden Damen zu begegnen.

Herr Burton fand seine Frau in sehr gesprächiger Stimmung aber jeder Unterhaltung über ihre Neffen derart abgeneigt, als ob dieselben aus voradamitischer Zeit stammten und sie eine Verfechterin der buchstäblichen Zuverlässigkeit des Buchs der Genesis sei. Die Anstrengungen, denen sich diese jungen Leute bei der Nachäffung der Bauleute des unvollendeten Riesenbaues in der Ebene von Sinear unterzogen hatten, hatte ihren Appetit geschärft und ihre Zungen zum Schweigen gebracht; als aber Willi sein möglichstes geleistet hatte, bemerkte er:

»Jetzt ist's Zeit, Tante Alice, daß Toddi seine Strafe kriegt; du weißt doch schon?«

Frau Burton winkte ihrem Gemahl und nickte Willi beistimmend zu.

»Komm her Toddi,« sagte Willi. »Jetzt mußt du deine Geschichte erzählen, die so schrecklich traurig is, un' mußt recht betrübt dabei aussehen.«

»Dann will ich mal die Geschichte von Peter Gray erzählen,« sagte Toddi. »Die is schrecklich traurig.«

»Wer war denn Peter Gray?«

»Das war ein Gentleman, von dem uns der schmutzige, kleine Junge aus der nächsten Straße immer was vorsingt« antwortete Toddi. »Aber singen will ich die Geschichte nich', ich erzähle sie bloß – un' das is ebenso traurig.«

»Nu' erzähl doch!« rief Willi.

»Es war einmal 'n Mann,« erzählte Toddi sehr feierlich und mit gedämpfter Stimme, »un' der hieß Peter Gray. Der liebte eine Dame un' sagte zu ihrem Papa: »Ich will dein kleines Mädchen heiraten.« Un' was meint ihr woll, daß der Papa sagte? Er sagte: »Nein« (dies mit ergreifendem Ausdruck). »Das klingt nich' so bös, wie er es sagte, aber so bös, wie ich es sagen kann. Es is gräßlich zu hören, wenn Jimmy es singt. Da ward Peter Gray ganz traurig un' ging nach dem Westen un' kaufte die Felle, die von wilden Tieren kommen – aber wie ihn das wieder vergnügt machen konnte, davon singt Jimmy nichts. Un' böse Injaner kriegten ihn zu fassen un' zogen ihm das Haar ab, gerade wie Damen manchmal ihr Haar abnehmen. Un' als seine Dame das hörte, da wurde sie so krank, daß sie sich ins Bett legte un' starb. Nu' is die Geschichte aus. Du, Onkel Harry, hast du auch noch Strafe zu kriegen? Dann kannst du uns auch 'ne Geschichte erzählen.«

»Kleine Jungen müssen jetzt eigentlich schon im Bette sein,« sagte Frau Burton sich erhebend und Toddi auf ihren Arm nehmend.

»Ach, Tante,« rief Willi, »ich wollte, ich wär' ein kleiner Junge in China un' stände jetzt gerade auf.«

»Ich auch,« sagte Toddi. »Dann hättest du 'n Schwanz am Kopfe, un' ich könnte dran ziehen.«

Die Kinder wurden zu Bett gebracht, und Frau Burton trat so weit aus ihrer Zurückhaltung heraus, daß sie ihrem Gemahl die Geschichte von dem Begräbnis erzählte, die sie am Vormittage gehört hatte. Sie bat ihn dringend, daß er am nächsten Morgen recht zeitig aufstehe, den Vogel wieder ausgrabe und ganz auf die Seite schaffe.

»Es ist ein schrecklicher Gedanke,« sagte sie, »daß die Kinder ermutigt werden könnten, mit heiligen Gebräuchen kindisches Spiel zu treiben, und ich bin entschlossen, dem nach Kräften vorzubeugen.«

Herr Burton lächelte pessimistisch und schüttelte bedenklich das Haupt.

Die Sonne ging am nächsten Morgen zu der im Juni üblichen, höchst ungemütlich frühen Zeit auf, aber Frau Burton war doch noch früher auf als sie. Ihr Mann hatte am Abend vorher einer Versammlung beigewohnt und war erst um Mitternacht nach Haus gekommen. Er bedurfte der Ruhe, und seine Frau wollte ihn so lange wie möglich schlafen lassen. Es gab jedoch Dinge, die ihr noch mehr am Herzen lagen, als die Bequemlichkeit ihres Mannes, und dazu gehörten die ihr überlieferten Ueberzeugen hinsichtlich geheimnisvoller und heiliger Dinge. Eine Ahnung sagte ihr, daß ihre Neffen die Lehre von der Auferstehung, auf welcher die Hoffnungen der ganzen Christenheit beruhen, auf ihre Richtigkeit hin prüfen und das Grab des vor zwei Tagen begrabenen Vogels untersuchen würden, und ihr graute davor, die Fragen und Erörterungen anzuhören, die dann sicher folgen würden. Hätte es sich nicht um einen Vogel, sondern um einen Menschen gehandelt, so würden die Ansichten der weichherzigen Kinder ihr nichts weniger als materialistisch vorgekommen sein; aber es war nur ein Vogel, und sie war sich klar darüber, daß es keine leichte Aufgabe sein würde, kindliche Fragen über die Seelenlosigkeit eines unschuldigen Vogels und den verhältnismäßigen Wert charakterloser Männer und Frauen zu beantworten. Sie sann deshalb einen Plan aus, der allen Beteiligten recht und billig sein konnte. Sie wollte ihren Mann erst wecken, wenn sie hörte, daß ihre Neffen aufstanden; dann wollte sie dieselben so lange beschäftigen, bis ihr Mann den Vogel ausgegraben und beseitigt hatte.

Sie hätte sich freilich alle diese Sorgen ersparen können, wenn sie die Neffen in ihrer Kammer eingeschlossen und ihrem Gemahl gestattet hätte, ordentlich auszuschlafen. Aber leider hatte sie versäumt, den Schlüssel vor der Ankunft der Kinder in Sicherheit zu bringen; diese hatten selbst Besitz davon ergriffen, und über seinen Verbleib war auch durch das eingehendste Verhör nichts zu ermitteln. Inzwischen verhielten sich die beiden Jungen ruhig, und Frau Burton benutzte die ruhigen Augenblicke, den Tagesstundenplan so zu entwerfen, daß sie möglichst wenig Last von ihren Neffen, aber Gelegenheit habe, erzieherisch auf dieselben einzuwirken; denn leider hatte sie mit ihren pädagogischen Versuchen, wie sie sich selbst eingestehen mußte, bis jetzt nur Mißerfolge zu verzeichnen gehabt. Ein heftiges Pochen gegen die Hausthür und ein heftiges Klingeln der Hausglocke weckte die Dame aus ihren Betrachtungen und ihren Gemahl aus seinen Träumen, während Terry, welcher gewöhnlich auf der inneren Matte der Hausthür schlief, erbarmungswürdig an zu heulen fing.

»Donnerwetter!« brummte Herr Burton, sich die Augen reibend, während seine Frau dem Hausmädchen klingelte. »Wem sind wir denn in Hillcrest Geld schuldig?«

»Ach, wenn nur Helene nicht kränker geworden ist oder dem Kinde etwas fehlt,« erwiderte Frau Burton, indem sie das Kammerfenster öffnete.

»Wer ist da?« rief sie hinaus.

»Ich,« antwortete eine Stimme, die unverkennbar diejenige Willis war.

»Ich auch,« rief dann eine weniger laute, aber ebenso bekannte Stimme.

»Wir müssen dir geschwind ganz was Süßes erzählen, Tante Alice,« rief Willi. »Laß uns flink ein!«

»Süßer als Kuchen un' Torte un' Zuckerwerk,« schrie Toddi.

Das Hausmädchen eilte hinunter, die Thür wurde geöffnet, leichte Füße eilten die Treppe herauf und Terry, ohne die gewohnte Liebkosung seines Herrn abzuwarten, flüchtete sich eiligst unter ein Bett, wo er seiner Seelenangst in gräßlichen Falsettönen Luft machte. Dann hörte man ein Getrampel, wie es nur Kinder vollführen können, und das noch geräuschvoller ist als Pferdegetrappel, und Willi und Toddi erschienen. Bei der Kammerthür angelangt, suchte jeder den andern beiseite zu stoßen, um die Geschichte, von welcher sie beide voll waren, zuerst erzählen zu können. Zuletzt rief Toddi von der äußeren Kante des Thürpfostens her, gegen welche sein Gesicht von dem seines Bruders gepreßt war:

»Der liebe kleine Vogel is in'n Himmel gekommen!«

»Ja,« bestätigte Willi, indem er Toddi freigab, »die Engel haben ihn geholt.«

»Un' alle die kleinen Ameisen sind mit ihm in'n Himmel gegangen.«

»Nur den Grabstein haben die Engel nich' mitgenommen,« Willi fuhr fort. »Sag mal, Tante Alice, was nützen denn die Grabsteine noch, wenn die Toten schon im Himmel sind?«

»Ich weiß es,« sagte Toddi mit unaussprechlicher Geringschätzung. »Ich dachte, das wüßte doch jeder. Die sind da, daß die Leute wissen, wo sie hübsche Blumen pflanzen müssen. Dann kann ihr Engel, der im Grabe war, drauf runter sehen.«

»Aber nu',« sagte Willi mit der Miene eines Mannes, der eine epochemachende Entdeckung gemacht hat, »nu' will ich gleich Papa mal fragen, wer die Leute sind, die nich' glauben wollen, daß tote Menschen in den Himmel kommen. Denen will ich mal sagen, was sie für Schafsköppe sind.«

»Engel sind gerade wie Vögel, »weil sie Flügel un' Krallen haben, nich' Tante Alice?« fragte Toddi.

»Woher weißt du denn, daß sie Krallen haben?« fragte Herr Burton.

»Weil ich die Krallenlöcher in der Erde am Grabe gesehen habe,« antwortete Toddi. »Es waren ganz kleine Kratzlöcher, wie sie kleine Vögel machen; »es sind gewiß kleine Engelkinder gewesen.«

Herr Burton blinzelte seiner Frau zu, welche ganz verlegen dreinschaute, und flüsterte ihr das eine Wort »Katze« zu.

»Wie seid ihr denn zum Haus hinaus gekommen, Kinder?« fragte Herr Burton.

»Wir sind aus dem Küchenfenster gesprungen,« antwortete Willi. »Aber das is so hoch über der Erde, daß wir nich' wieder reinklettern konnten. Un' ich glaube, es is jetzt Frühstückszeit; wir sind beinahe zwei Stunden aufgewesen.«

»Jetzt is die beste Zeit für orthodoxen Unterricht, liebe Frau,« schlug Herr Burton vor.

»Die Physiologen sagen, wenn der Magen leer ist, ist der Geist um so thätiger.«

»Danke für den Rat,« sagte Frau Burton, nach der Küche gehend. »Aber die Knaben sind selbst mit vollem Magen noch zu lebhaften Geistes.«

Das Frühstück stand rechtzeitig auf dem Tisch, und die Jungen thaten ihm alle Ehre an. Als sie einigermaßen gesättigt waren, bemerkte Willi:

»Tante Alice, wie lange, meinst du woll, können wir es noch aushalten, bis wir die liebe kleine Schwester mal wiedersehen?«

»Liebe kleine Mädchen-Schwester,« verbesserte Toddi.

»O, ich denke, eine gute Weile noch,« antwortete Frau Burton. »Ich weiß, ihr habt euer Schwesterchen und eure Mama viel zu lieb, als daß ihr ihnen lästig werden möchtet – und alle beide sind noch recht schwach. Ihr habt sie doch gewiß noch lieber als euch selbst, nicht wahr?«

»Natürlich,« sagte Willi. »Deshalb möchte ich sie ja gerade so schrecklich gern mal wieder sehen.«

»Ich denk', es is furchtbar gemein, wenn kleine Mädchen ihre Brüder nich' zum Spielen haben,« bemerkte Toddi.

»Nun,« sagte Frau Burton, »ich will es mir überlegen, und wenn ich sehe, daß ihr beide recht artig seid, so gehen wir heute hin.«

»Hurra!« rief Willi. »Wir wollen so artig sein, wie wir können. Ich will dir mal was sagen, Toddi. Gleich nach dem Frühstück wollen wir Sonntagsschule halten – das is was Gutes.«

»Ich weiß was Besseres als das,« sagte Toddi. »Wir wollen Daniel in der Löwengrube spielen, un' du bist der König un' holst mich raus. Das is viel besser, als wenn wir Sonntagsschule spielen; denn wenn man andere Leute von hungrigen Löwen wegnimmt, so ist das besser als bloß singen und beten, wie man's in der Sonntagsschule macht.«

»Da zeigt sich wieder ein Irrglaube, der bekämpft werden muß, mein Schatz,« bemerkte Herr Burton. »Das schreckliche Kind bekennt sich zu der Lehre von der Werkegerechtigkeit anstatt der Rechtfertigung durch den Glauben.«

»Dann will ich ihm die Geschichte von Daniel vernünftig erzählen und ihm alles so klar machen, daß er nicht wieder in seinen Irrtum verfällt,« sagte Frau Burton.

Herr Burton verabschiedete sich für den Tag, und während seine Frau sich mit Haushaltungsangelegenheiten beschäftigte, berieten die Kinder, wie sie sich am besten für den in Aussicht gestellten Besuch vorbereiteten.

»Hör' mal, Toddi,« sagte Willi, »wir müssen ihr jedenfalls Geschenke mitbringen. Das war auch so wunderschön, als Jesus ein kleines Wickelkind war. Da kamen die Schafhirten, weißt du, un' brachten ihm 'ne Masse Geschenke.«

»Was sollen wir ihr denn bringen?« fragte Toddi.

»Ja sieh,« sagte Willi, »die Schafhirten brachten Geld und Dinge, die schön riechen. Deshalb glaube ich, wir sollten das man auch so machen.«

»Schön,« erwiderte Toddi, »aber wo sollen wir's herkriegen?«

»Wir gehen ganz leise ins Haus, wenn wir hinkommen,« antwortete Willi, »un' schütteln ein paar Pfennige aus unserer Sparbüchse; dann haben wir Geld. Un' wenn wir dann Blumen aus den Garten holen, dann haben wir auch etwas, was schön riecht.«

»Da schenken wir ihr ja gerade die Sachen, die schon zu Hause sind. Es wär' doch viel netter, wenn wir ihr was von hier mitbrächten un' thäten, als ob wir weit her kämen und Schafe gehütet hätten.«

»Will dir was sagen,« sagte Willi. »Wir wollen Tante Alice quälen, daß sie uns Pfennige giebt. Wir hätten dran denken sollen, ehe Onkel Harry fortging.«

»O ja,« sagte Toddi. »Un' da is 'ne Flasche mit Riechwasser in Tante Alice's Stube; davon wollen wir nehmen. Sollen wir erst fragen oder gleich thun, als ob es uns gehört.«

»Wir wollen ehrliche Jungen sein,« erwiderte Willi. »Es is schlecht, Sachen zu stehlen.«

»Das is kein Stehlen, wenn wir's für die liebe, kleine Schwester nehmen,« sagte Toddi. »Un' ich möchte gern viele Geschenke bringen, daß Tante Alice un' alle übergerascht werden.«

»O, jetzt weiß ich ganz was Schönes,« rief Willi, der in seinem Entzücken über einen neuen Einfall die Geschenke ganz vergaß. »Du weißt doch, wie hell an unserem Hause die Spitze von dem neuen Blitzableiter glänzt? Sieh, das soll mal der Stern im Osten sein, der uns zeigt, wo das Kind zu finden is.«

»O ja!« rief Toddi. »Un' vielleicht trägt uns Tante Alice huckepack; das is denn so, als ob wir auf Kameelen reiten, wie die Schafhirten auf den Bildern, die wir Weihnachten hatten.«

Das Auftauchen einer großen Heuschrecke gerade vor den Augen der Jungen machte der Unterredung zunächst ein Ende, denn beide machten mit der gewöhnlichen Erfolglosigkeit Jagd auf dieselbe.

Eine halbe Stunde später kamen beide Kinder keuchend und staubbedeckt in das Haus gestrolcht und ließen sich zum Erstaunen ihrer Tante auf dem Fußboden nieder. Mit jener Unerfahrenheit, die allen Frauen eigen zu sein pflegt, die nicht zugleich Mutter sind, fragte sie ihre Neffen, wo sie gewesen, und weshalb sie außer Atem wären, wie sie ihre Anzüge so schmutzig machen konnten und weshalb sie so verdrießlich wären. Willi antwortete mit tiefem Seufzer:

»Große Leute wissen gar nich', wie viel Aerger kleine Jungens eigentlich haben.«

»Alter, schlechter Grashopper huppte immer umher, wie er wollte, un' wollte nich' unter mein' Hut kommen,« beklagte sich Toddi.

»Er wußte vielleicht, daß es am besten für ihn wäre, wenn du ihn nicht fingest,« sagte Frau Burton. »Was hättest du denn mit ihm gemacht, wenn du ihn gefangen hättest?«

»Seine Hinterhoppers ausgereißt,« antwortete Toddi prompt.

»Nein, wie abscheulich!« rief Frau Burton. »Weshalb hättest du denn das gethan?«

»Weil er fliegen soll,« erwiderte Toddi. ,,Er hat doch Flügel un' braucht nich' auf seinen Hoppers herumzulaufen. Wie gefiele dir das, wenn ich Flügel hätte un' laufte un' springte bloß, anstatt zu fliegen?«

»Mein liebes Kind,« sagte Frau Burton und nahm ihren Neffen auf ihren Schoß. »Weißt du denn nicht, daß es sehr unrecht ist, Tiere so zu quälen. Sie sind gerade so, wie Gott sie erschaffen hat und wie er sie haben will.«

»Alle Tiere?« fragte Toddi.

»Gewiß!« antwortete Frau Burton. »Weshalb fängst du denn aber hübsche, kleine Mäuse in Fallen un' machst sie tot?« fragte Toddi mit großen verwunderten Augen.

»Weil sie sehr lästig find,« erwiderte Frau Burton. »Sogar Menschen müssen bestraft werden, wenn sie lästig sind und anderer Leute Sachen nich' in Ruhe lassen.«

»Das wissen wir woll,« sagte Willi mit einem Seufzer.

»Aber,« fuhr Frau Burton, rasch auf ihr Ziel lossteuernd, fort, »auch die Tiere haben Nerven und Fleisch und Blut und Knochen, gerade wie kleine Jungen, und sind gerade so, wie Gott sie erschaffen hat.«

Das nächste Mal, »wenn ich 'n Grashopper die Beine ausreiße, will ich mal nachsehn, ob er Blut hat,« sagte Toddi.

»Das darfst du nicht thun,« antwortete Frau Burton. Du mußt glauben, was Tante dir sagt, und die armen, kleinen Dinger überhaupt nicht quälen. Denk nur mal, Toddi, es giebt sehr kluge und gute Leute, die jedermann gern hat, die bringen ihr ganzes Leben damit hin, die kleinen Insekten zu studieren, z. B. Heuschrecken und Fliegen und Bienen.«

»Un' werden nie gestochen?« fragte Toddi. »Wie machen sie denn das?«

»Die machen sich nichts draus, wenn sie mal gestochen werden,« erwiderte Frau Burton; »so groß ist ihr Interesse, zu erfahren, wie die Tiere beschaffen sind. Sie studieren alle Arten Tiere, um zu sehen, wie sie sich von den Menschen unterscheiden, und da finden sie denn, daß ganz kleine Tiere, z. B. Heuschrecken, noch wunderbarer sind, als irgend ein Mensch, der da lebt.«

»Das glaube ich woll,« sagte Willi. »Wenn ich so hopsen könnte wie 'n Grashopper, dann könnt' ich noch höher springen als alle Jungens im Kindergarten; un' wenn ich stechen könnte, wie 'ne Hornis, dann könnt' ich alle Jungens in der Stadt zwingen.«

»Studieren sie denn die großen Tiere auch?« fragte Toddi.

»Jawohl,« erwiderte Frau Burton. »Einer von ihnen ist lange fortgewesen, im Westen bei den schrecklichen Indianern, nur um ausfindig zu machen, wie die Pferde vor langen Jahren beschaffen waren.«

»Wenn ich nu' alles über Pferde ausfinden thue,« fragte Toddi, »mögen mich dann alle Leute gern leiden?«

»Sehr wahrscheinlich,« antwortete Frau Burton.

»Dann will ich es gleich mal thun,« sagte Toddi, aus dem Schoß seiner Tante schlüpfend.

»Das eilt nicht so, lieber Toddi,« sagte Frau Burton. »Jetzt wollen wir erst Mama und euer Schwesterchen besuchen. Geht hin und zieht euch hübsch an!«

Beide Jungen eilten davon und Frau Burton, welche bereits zum Ausgehen fertig war, nahm eine Novelle zur Hand, mit einem Gefühle der Genugthuung darüber, daß es ihr gelungen war, wenigstens eins der irregeleiteten Talente Toddis auf die ihm vom Himmel bestimmte Bahn zu lenken.

»Schon wieder ein Erfolg, worüber ich meinem Manne berichten kann,« frohlockte sie, als sie die Novelle aufschlug. »Allerdings,« fuhr sie nachdenklich fort und legte das Buch wieder hin, »habe ich noch gar keine Gelegenheit gehabt, über meine Erfolge des gestrigen Tages zu berichten.«

Die Jungen blieben lange aus, als sie aber endlich herunter kamen, präsentierten sie sich so überaus vorteilhaft in ihrer Erscheinung, daß ihre Tante nicht umhin konnte, ihnen deswegen ein besonderes Lob zu erteilen. Auf dem Wege nach dem Hause ihrer Mama waren sie sehr heiter, schienen aber etwas Besonderes auf dem Herzen zu haben und flüsterten häufig miteinander.

Als sie zu Hause anlangten, kannte ihre Ungeduld keine Grenzen, und als die Amme mit einem kleinen, auf einem großen Kopfkissen liegenden, Bündel erschien, aus dem oben ein kleines Gesicht herausschaute, da sprangen beide Jungen sofort auf dasselbe los. Willi versuchte einige Pfennige in die winzig kleinen Hände der Schwester zu drücken, während Toddi ihr ein Fläschchen mit der Aufschrift »Flüssiges Waschblau« unter die Nase hielt; gleichzeitig nieste die Kleine beunruhigend, und ein starker Kampfergeruch machte sich im Zimmer bemerkbar.

»Wo mag nur der Kampfergeruch herkommen?« fragte die Amme. »Es giebt gar nichts, was Frau Lawrence so sehr verabscheut.«

Die Kleine hörte auf zu niesen und begann mitleiderweckend zu weinen, während Toddi geschwind sein Fläschchen aufnahm. Da bemerkte die Amme, daß auf den kurz vorher noch tadellos reinen Windeln ein großer Fleck von hellblauer Farbe war, der einen starken Kampfergeruch verbreitete. Inzwischen war Toddi seiner Tante auf den Schoß geklettert, hielt ihr die kostbare Flasche unter die Nase und rief:

»Is das nich' zu dumm? Schwesterchen greifte danach un' schüttete beinah' alles auf ihre Kleider un' auf die Erde.«

»Wo hast du den Kampfer her, Toddi?« fragte Frau Burton. »Und weshalb hast du ihn hier mit hergebracht?«

»Is kein Kampfer,« erwiderte Toddi. »Es is Riechwasser. Ich hab' es aus einer großen Flasche genehmt, von deiner Kommode, wo du deine Taschentücher hübsch riechen machst. Willi un' ich, wir haben es ebenso gemacht, wie die Schafhirten, als sie nach Betlehem kamten, um das liebe, kleine Jesuskind zu sehen – wir haben unserm Schwesterchen Geld gebracht un' Wasser, das schön riecht.«

Frau Burton küßte Toddi, und die Amme folgte ihrem Beispiel. Dann setzte sich die Amme auf den Fußboden und ließ das Gesichtchen des Kindes bewundern. Dann wurde das Gesichtchen vor dem Licht geschützt, und die Kleine öffnete ihre beiden Aeugelein und sah ihre Brüder würdevoll und freundlich an wie eine Königin, und die staunende Verehrung, die sich in den Zügen der beiden Knaben ausprägte, war so rührend, wie sie keiner der alten Meister jemals in einer Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande zum Ausdruck gebracht hat. Und über sie neigte sich ein reiferes, aber nichtsdestoweniger von zärtlicher Ehrfurcht verklärtes Antlitz. Das Schweigen schien eine Zeit lang zu heilig und zu schön für jede Unterbrechung; aber endlich blickte Toddi mit neugierigen Augen zu seiner Tante auf und fragte:

»Tante Alice, weshalb is denn keine hübsche Sonne um ihren Kopf, wie auf den Bildern vom lieben, kleinen Jesuskind?«

Die Versammelten fühlten sich in die Prosa des Alltagslebens zurückversetzt, und die Amme bewilligte jedem Gaste eine Audienz von fünf Minuten bei der Mutter.

Frau Burton kehrte aus der Stube der Wöchnerin mit einem Gesicht zurück, welches die größte Neugierde bei ihren Neffen wachrief. Als Willi zurückkam, erklärte er, daß er seine liebe Mama nicht wieder ärgern wolle, so lange er lebe, aber Toddi versicherte:

»Wenn ich ein kleines, neues Kind hätte, dann wollt' ich nich' den ganzen Tag im dunkeln Zimmer zu Bett liegen, dann stehte ich auf un' tanzte herum.«

»Tante Alice,« fragte Willi auf dem Rückwege nach der Villa seines Onkels, »jetzt is noch einer mehr in unserm Hause, der Geburtstag hat, nich'? Wie lange ist's noch hin, daß klein Schwesterchen Geburtstag hat – wieviel Tage?«

»Dreihundertzweiundsechzig Tage,« erwiderte Frau Burton.

»So lange!« rief Willi. »Un' wie lange is es noch, bis Weihnachten wieder kommt?«

»Beinahe zweihundert Tage,« antwortete seine Tante.

»Na, dann glaub' ich aber, ich sterbe beinah', wenn nich' recht bald mal einer Geburtstag hat, daß ich ihm was schenken kann,« sagte Willi.

»Du lieber kleiner, gutherziger Willi!,« rief Frau Burton, indem sie sich bückte und ihn küßte: »Morgen ist mein Geburtstag.«

»O-h!« rief Willi. »Sag mal, Toddi –« Die weitere Unterhaltung wurde im Flüsterton geführt, wobei die beiden Brüder äußerst wichtig dreinschauten. Sie gingen dann einen besonderen Weg nach Hause, was Willi damit entschuldigte, daß sie ein wichtiges Geheimnis besprechen müßten.

Frau Burton hielt sich unterwegs auf, um bei einigen Nachbarn vorzusprechen, und kam daher später als ihre Neffen zu Hause. Als sie sich ihrem Besitztum näherte, sah sie ein einspänniges Fuhrwerk vor der Thür halten. Sie erriet ganz richtig, daß dasselbe ihrem Krämer gehöre und der Fuhrmann im Hause mit den Dienstboten verhandele. Woraus aber eine gewisse, weiße Masse bestehen mochte, die auf der Erde unter dem Pferde lag, das konnte Frau Burton nicht einmal mutmaßen. Sie beschleunigte ihre Schritte und erkannte näherkommend in besagter weißer Masse ihren sauber gekleideten Neffen Toddi, der auf dem Rücken ausgestreckt im Schmutze dalag und in aller Gemütsruhe die Brust des edlen Tieres betrachtete.

Es giebt im Menschenleben Situationen, denen man mit würdevollem Benehmen und anmutiger Haltung allein nicht gewachsen ist. In solch kritischer Lage befand sich Frau Burton jetzt; sie ließ daher ihren Sonnenschirm fallen, packte Toddi mit vorsichtigem, aber festem Griff und riß ihn rasch aus seiner gefährlichen Lage.

»Geh sofort ins Haus, du schmutziger Junge!« rief Frau Burton, indem sie energisch mit dem Fuß aufstampfte.

Toddis Furcht machte dem Verlangen Platz, sich zu rechtfertigen, und er fing an:

»Ich hab' nur mal ... «

»Sofort gehst du ins Haus!« wiederholte Frau Burton.

»A–h –h!« schluchzte Toddi und rollte seine Unterlippe so freigebig nach außen, als ob noch ganze Ellen davon nachfolgen sollten. »Ich habe bloß studiert, wie das Pferd von Gott gemacht is, weil alle Leute mich gern haben sollen. Wo die Injaner sind, kann ich nich' hingehn un' ich dachte, ein Kaufmannspferd wäre ebenso gut. A–h–h!«

»Zu dem Zweck brauchtest du dich keineswegs mit dem guten reinen Anzug in den Schmutz zu legen,« sagte Frau Burton.

»A–h–h,« schluchzte Toddi von neuem, »ich habe zuerst alles andere an ihm studiert, aber ich konnte es nich' in die Höhe heben, um drunter zu gucken. Ich hab's bloß versucht; da sah es mich schrecklich böse an, un' da ließ ich's.«

»Geh jetzt ins Haus und laß dich umziehn!« befahl Frau Burton. »Du weißt sehr wohl, daß es keine Entschuldigung für kleine Jungen giebt, die ihr Zeug mutwillig schmutzig machen. Wenn Onkel Harry nach Haus kommt, muß ich mit ihm überlegen, wie wir dich am besten bestrafen, damit du dein Zeug künftig besser schonst.«

»A–h–h! Ich wollte, Gott machte gar keine Pferde mehr, un' kleine Jungens auch nich', die die Pferde studieren sollen un' dann Strafe kriegen, bloß, weil sie ihr Zeug ein bißchen schmutzig machen,« schluchzte Toddi, durch den Thorweg verschwindend und das Haus mit zornigem Geschrei erfüllend.

Frau Burton stand einen Augenblick auf der Veranda-Treppe still, weil sie von einem Herzkrampf befallen wurde, den sie tapfer ertrug. Es drängte sich ihr der Gedanke auf, daß – nach der Bibel zu urteilen, einem Gesetzbuch, welches zuverlässiger ist als die bestgeregelte Hausordnung – das Beschmutzen von Anzügen doch gerade keine Todsünde sei, und daß ihre Belehrung über den edlen Ursprung und die Natur des tierischen Organismus in der That großen Eindruck auf Toddi gemacht habe. Sicherlich – einzig und allein echter Wissensdrang konnte Toddi zwischen die Füße des Pferdes geführt haben; und wer so selbstlos seinen wissenschaftlichen Forschungen nachging, konnte wohl entschuldigt werden, wenn er seine äußere Erscheinung vernachlässigte. Aber nein – von reinen Herzen abgesehen wurde in der Mayton'schen Familie auf nichts so viel Wert gelegt wie auf reine Kleidung, und die guten Eigenschaften, die sie selbst besaß, wollte sie, soweit es in ihrer Macht stand, in verwandtschaftlicher Liebe ans ihre Neffen übertragen. Aber Toddi schien wirklich tief entrüstet zu sein, und sie mußte auch trotz seiner Dummheit die gute Absicht desselben anerkennen. Deshalb entschloß sie sich, den Versuch zu machen, das weinende Kind zu trösten.

Als sie in das Zimmer der Jungen ging, fand sie ihren Neffen auf dem Rücken liegend, mit den Beinen strampelnd, schreiend und auf jede Weise seiner Erbitterung Luft machend.

»Toddi,« sagte Frau Burton, »das ist doch gar zu traurig, daß du dich so grämst, nachdem du eben erst deine Mama und deine kleine Schwester besucht hast.«

»Weiß woll,« schrie Toddi. »Kannst nur gleich wieder runter gehn, wenn du mir weiter nichts sagen willst.«

»Lieber Toddi,« sagte Frau Burton, indem sie niederkniete und die heiße Stirn ihres Neffen streichelte, »Tante möchte gern, daß du wieder vergnügt bist.«

»Dann lege mich nur wieder unter's Pferd, daß die Leute mich gern leiden mögen.«

»Für heute hast du genug von Pferden gelernt,« tröstete ihn Frau Burton. »Ich will aber deinen Papa bitten, daß er dich noch mehr davon lernen läßt, wenn du erst wieder zu Hause bist. Du armer, kleiner Toddi, wie heiß deine Wangen sind! Tante Alice möchte so gern, daß du wieder glücklich aussiehst.«

Toddi hörte einen Augenblick mit Weinen auf, sah seine Tante mißtrauisch an, setzte sich aufrecht hin und erklärte mit sehr wichtiger Miene:

»Hat der liebe Gott dich raufgeschickt, mir zu sagen, daß dir leid thut, was du mir gethan hast? Dann verzeih' ich dir; nur mußt du nie wieder so häßlich gegen mich sein. Wenn du mir reines Zeug anziehn willst, kannst du's thun.«

»Tante Alice,« rief Willi, der unbemerkt ins Zimmer gekommen war, »beim Frühstück hast du doch zu Onkel Harry gesagt, du wolltest uns heute die Geschichte von Daniel erzählen. Meinst du nich', daß es nu' bald Zeit dazu is?«

»O ja,« sagte Toddi, indem er flink mit seinem Kopf durch sein reines Kleidchen fuhr. »Un' wie die Löwen die schlechten Männer auffraßen, die den König aufkriegten, daß er Daniel in das tiefe Loch werfen ließ. Erzähl' das mal!«

»Es war einmal ein sehr frommer Jüngling, namens Daniel,« erzählte Frau Burton, »und obgleich sein König ein Gesetz erlassen hatte, daß alle Leute zu den Göttern beten sollten, die sein Volk verehrte, betete er doch alle Tage zu demselben Gott, den wir liebhaben.«

»Der war doch damals auch schon im Himmel, ebenso wie heute, nich'?« fragte Willi.

»Natürlich« antwortete Frau Burton.

»Wo waren denn die Götter der anderen Leute?«

»O, auf Börten und in geheimen Kammern und an allen möglichen Plätzen,« antwortete Frau Burton. Die waren nur aus Holz und Stein – nur Götzenbilder – Abgötter.«

»Un' taugten die denn nichts?« fragte Willi.

»Nein, gar nichts,« erwiderte Frau Burton.

»O du, das gefällt mir aber gar nich',« sagte Willi, »denn Papa sagt manchmal, ich bin Mamas Abgott. Ich bin doch nich' von Holz oder Stein.«

»Gewiß nicht, lieber Willi. Er will damit nur sagen, daß Mama dich sehr lieb hat – weiter nichts. – Und Daniel betete, wie und wann es ihm gefiel, und die Leute, die ihn nicht leiden mochten, gingen geschwind zum König und sagten: »Nun hör aber mal, o König, der Jüngling, von dem du so viel hältst, betet zu dem Gott, an den die Juden glauben.« Der König war betrübt, als er das hörte, und verhörte Daniel. Und Daniel wollte keine Lüge vorbringen und gab zu, daß er zu dem wahren Gott bete. Da befahl der König, daß man Daniel in die Löwengrube werfe. Er hatte aber nachher Gewissensbisse, denn Daniel war immer sehr gut und brav gewesen, und recht brave Leute sind überall schwer zu finden.«

»Das muß ich Mama erzählen, wenn sie mal wieder sagt, ich soll recht brav sein« erklärte Toddi. »Erzähl weiter!«

»Da warfen sie den armen Daniel mitten zwischen die Löwen,« fuhr Frau Burton fort, »und ganz schrecklich muß ihm schon auf dem Wege zur Löwengrube zu Mute gewesen sein, denn er wußte, daß Löwen sehr wild und hungrig sind. Denkt euch nur mal, ein einziger Löwe frißt oft einen ganzen Menschen auf, und da waren sehr viele Löwen in der Grube, in welche Daniel geworfen wurde.«

»Dann reichte er nich' zum Abendbrot für all' die Löwen, der arme Daniel, nich' wahr?« fragte Willi.

»Nein,« erwiederte Frau Burton. »Er that nun aber das, was vernünftige Leute immer thun, wenn sie in großer Not sind, er betete. Was aber den König anbetrifft, so glaube ich, daß er in der Nacht darauf wenig geschlafen hat. Wer wider sein eigenes besseres Urteil die Ratschläge anderer befolgt, den läßt gewöhnlich sein Gewissen keine Ruhe. Am nächsten Morgen war der König schon sehr früh wach. Er lief ganz allein nach der Löwengrube, sah hinunter und rief: »Daniel, war der Gott, an den du glaubst, stark genug, dich vor den hungrigen Löwen zu schützen!« Und siehe! Daniel gab dem Könige Antwort. Denkt euch, wie glücklich es den König gemacht haben muß, seine Stimme zu hören und zu wissen, daß er noch lebte! Obgleich der König sehr lieblos gegen ihn gewesen war, vergaß Daniel doch nicht, ehrerbietig zu sein und er rief: »Möge dir ein langes, langes Leben beschieden sein, o König!« Dann erzählte er den König, daß er ganz unversehrt geblieben sei, und der König war sehr froh darüber und ließ Daniel aus der Löwengrube holen. Aber dann wurden die schlechten Männer, die schuld daran gewesen waren, daß Daniel den Löwen vorgeworfen wurde, alle in die Grube geworfen und die Löwen fraßen sie alle mit Haut und Haaren auf.«

»Ich weiß, weshalb sie Daniel nichts thaten und die anderen Männer alle auffraßen,« sagte Willi mit verständnisvoller Miene.

»Ich war davon überzeugt, mein lieber Junge,« sagte Frau Burton. »Aber du kannst mir deine Ansicht darüber mal mitteilen.«

»Ja, siehst du,« sagte Willi, »Daniel war nur ein einziger Mann, un' da hätten die Löwen alle man bloß einen Happen von gekriegt – gerade als wenn ein kleiner Junge nur einen einzigen Happen Kuchen ißt – aber als da Männer genug da waren, so daß jeder Löwe einen allein verzehren konnte, da dachten sie, es wäre nu' Zeit zum Mittagessen, un' da machten sie sich drüber her.«

Diese Antwort war aus irgend welchem Grunde schuld daran, daß Frau Burton versäumte, ihren Neffen die große moralische Nutzanwendung der Geschichte von Daniel einzuschärfen; sie hielt es plötzlich für angezeigt, eine Inspektionsreise nach der Küche anzutreten. Sie wurde sich zu ihrer Verzweiflung der Thatsache bewußt, daß sie, anstatt die Kinder zu belehren und zu lenken, dieselben ganz gegen ihre Absicht veranlaßte, ihre geistige und körperliche Regsamkeit in einer Weise zu bethätigen, die ihr gelindes Grauen einflößte. Mehr als einmal schwankte sie in ihrer Wahl zwischen zwei extremen Grundsätzen der Erziehungskunst – es schien ihr, daß sie entweder die größte Strenge anwenden, oder gestatten müsse, daß sich die Fähigkeiten der Kinder innerhalb vernünftiger Grenzen selbständig entwickelten. Gegen das erste Extrem empörte sich ihr Gefühl, einmal weil sie von Natur nicht grausam war, was strenge Kinder-Erzieher immer sind, und dann auch, weil die Kinder nicht ihre eigenen waren. Das andere Extrem war ihr aber ebenso zuwider. Wurden nicht in allen gebildeten Familien die Kinder zu striktem Gehorsam angehalten? Freilich erfüllten sie dann in reiferen Jahren nie, was sie in der Jugend versprochen hatten, aber das war natürlich ihre eigene Schuld – wem sollte man sonst die Schuld geben? Sollten Erwachsene – sollte sie, deren vernünftige Wünsche von ihren Eltern und ihrem Gemahl noch stets erfüllt waren, zwei unmündigen, unvernünftigen Kindern zuliebe ihre Wünsche hintansetzen?

Wie die meisten Leute, die in solchem Dilemma sind, blieb Frau Burton einige Stunden lang unthätig, und die Folge davon war, daß sie ihre Neffen vom zweiten Frühstück bis Sonnenuntergang nicht wieder zu sehen kriegte. Dann aber kehrten die Jungen, angetrieben von jenem Instinkte, der in den meisten unreifen Naturen am stärksten sich geltend macht, nach Hause zurück, um zu essen. Obgleich sie sich sehr ruhig verhielten, konnte man nicht daran zweifeln, daß sie sich zufrieden fühlten. Ihre Anzüge waren sehr schmutzig, ebenso ihre Gesichter, aber aus letzteren sprach jenes undefinierbare Etwas, welches das sicherste Kennzeichen eines guten Gewissens ist und einer inneren Zufriedenheit, welche jeden belohnt, der auf den Pfaden der Tugend wandelt.

Sie waren sehr wenig mitteilsam, obgleich häufig Fragen an sie gerichtet wurden, und Herr Burton sagte schließlich wie im Selbstgespräch:

»Ich möchte wissen, was da vorliegt.«

»Was meinst du, Harry?« fragte seine Frau.

»Ich überlege mir eben, was für ein wunderbares und kostspieliges Experiment die beiden jetzt wieder ausgeführt haben mögen,« erwiederte der Herr des Hauses.

»Gar keins,« bemerkte Frau Burton. »Ich wundere mich oft, daß Männer so blind sein können. Sieh nur ihre lieben, reinen, kleinen Gesichtchen an; trotz ihres Schmutzes ist ebenso wenig Schuldbewußtsein darin, wie in einem Engelsantlitz.«

»Ganz recht, liebe Frau« sagte Herr Burton. »Wenn sie sich dessen bewußt wären, daß sie schlimme Streiche machen, so würden sie bösere Jungen sein, aber seltener lästig werden. Jungen! kommt mal zu Onkel – wollt ihr mal auf meinen Knieen reiten?«

Beide Kinder kletterten in die Arme ihres Onkels, und Willi flüsterte ihm eifrig etwas zu.

»Ja, ich glaube wohl,« antwortete Herr Burton auf sein Geflüster.

»Hurra! wie schön,« rief Willi in die Hände klatschend. »Ich will dir morgen was zum Geburtstag schenken, Tante Alice.«

»Ich auch,« setzte Toddi hinzu.

»Es is was zu essen,« verriet Willi.

»Mein Geschenk auch,« erklärte Toddi.

»Sieh dich vor, Willi!« sagte Herr Burton. »Du verrätst dein Geheimnis, wenn du so schwatzhaft bist.«

»O nein, das thue ich nich',« erwiderte Willi. »Ich sagte nur, es wäre was zu essen. Aber sag' doch mal, Tante Alice, wie werden Bananen gezogen?«

»Ich weiß, wie Weintrauben wachsen,« sagte Toddi mit aufleuchtenden Augen, indem er sein lockiges Köpfchen schalkhaft der Tante zuwandte.

»Und ich weiß,« sagte Herr Burton, indem er Toddi plötzlich vom Kniee absetzte, »daß entweder ein gewisser, kleiner Junge oder sonst irgend etwas entzwei gegangen ist und häßlich ausläuft. Was ist denn das hier?« fuhr er fort, als er einen großen, nassen Fleck auf Toddis Schürze bemerkte, gerade an der Stelle, wo Toddis Tasche war. »Und was ist denn da für ein ekliges Mus in deiner Tasche?« fragte er weiter, indem er die Tasche vorsichtig untersuchte.

Verwundert riß Toddi die Augen auf und machte dann ein bestürztes Gesicht.

»Es war nur 'ne kleine Traube,« sagte er, »un' ich wollte sie auf dem Wege nach Hause essen, aber ich vergaß es.«

»Es sind Weintrauben, liebe Frau,« sagte Herr Burton. »Die Jungen müssen irgend ein fremdes Treibhaus geplündert haben. Tom hat keine Weintrauben in seinem Treibhause. Wo habt ihr sie her, Jungen?«

»Pst–pst,« flüsterte Toddi eindringlich. »Geheimnisse muß nie niemand ausplaudern.«

»Wo hast du die Trauben her?« fragte Frau Burton gebieterisch, indem sie rasch eine Untersuchung des tropfenden Anzuges vornahm.

Toddi brach jetzt in Thränen aus.

»Kein Wunder, daß du weinst,« rief Frau Burton, »nachdem du anderer Leute Trauben gestohlen hast.«

»Deshalb weine ich nich',« schluchzte Toddi. »Ich weine, weil du meine Ueberraschung zu deinem Geburtstag verdirbst, jede Minute, die du sprichst.«

»Alice, Alice,« bat Herr Burton leise. »Du vergißt, daß der arme Junge noch nicht alt genug ist, um zu wissen, was stehlen ist.«

»Dann soll er es jetzt lernen!« rief Frau Burton in ihrer Entrüstung. »Was sollte wohl aus dir werden, Toddi wenn du diese Nacht sterben müßtest?«

»Will nich' sterben,« schluchzte Toddi. »Wenn ein Engel kommt un' mich totmachen will, wie die Aegypterjungs, dann versteck' ich mich.«

»Vor dem Engel Gottes kann sich niemand verstecken,« sagte Frau Burton, fest entschlossen, Toddi einzuschüchtern, da ihre Ermahnungen nichts fruchteten.

»Hat der denn nachts 'ne Laterne bei sich?« fragte Toddi.

Herr Burton lachte, aber seine Frau brachte ihn mit einem Blick zum Schweigen und antwortete:

»Er kann auch ohne Laterne genug sehen, um böse, kleine Jungen zu finden, wenn er sie sucht.«

»Bin nich' böse,« schrie Toddi. »Un' jetzt sollst du die anderen Trauben gar nich' haben, die wir in 'm Blumentopf nach Hause brachten.«

»Komm zu Onkel!« sagte Herr Burton, indem er das trostlose Kind wieder auf seinen Schoß nahm und zärtlich liebkoste. »Erzähle Onkel Harry mal die ganze Geschichte, der wird dann schon wissen, wie dir zu helfen ist.«

»Willst du auch nich' den Würgengel kommen lassen, daß er mich holt?« fragte Toddi.

»Ich will dir mal erzählen, wie es war, Onkel Harry,« fiel Willi ein. »Wir wollten Tante Alice gern Obst zum Geburtstag schenken – ich Bananen und Toddi Weintrauben. Nu' wußten wir aber nich', wo Bananen wachsen, aber Herr Buschmann, der da oben am Berge wohnt, der hat ganz viele schöne Trauben in seinem Treibhause. Sieh, das wußten wir daher, weil wir mal mit Papa dort waren, un' da sprachen sie fast den ganzen Nachmittag von Weintrauben un' solchen Sachen. Un' Herr Buschmann gab Papa ein paar Trauben mit un' sagte, er möchte nur immer kommen un' sich davon holen, wenn er welche haben wollte. Da dachten wir uns ein großes Geheimnis aus – Toddi un' ich – un' wir gingen heute nachmittag hin, um ihn zu bitten, daß er uns ein paar Trauben für Tante Alice gäbe, weil sie morgen Geburtstag hat. Aber er war nich' zu Hause, un' der Treibhausmann auch nich'; aber die Thür stand offen, un' da gingen wir hinein un' sahen uns die Trauben an. Na, da dachten wir, es wäre ihm wohl egal, wenn wir ein Paar Trauben mitnähmten, weil er doch zu unserem Papa gesagt hat, er soll's man thun. Na – un' da nahmen wir drei oder vier hübsche Trauben un' legten sie in einen Blumentopf – aber erst Blätter hinein. Un' jeder von uns nahm sich 'ne kleine Traube, für uns selbst zu essen. Als wir aber nach Hause gingen, fanden wir 'ne ganze Masse wilde Erdbeeren; deshalb dachte Toddi woll nich' an seine Trauben, aber meine sind in mein' Magen aufbewahrt. Un' es war schrecklich heiß un' staubig, un' ich bin in meinem ganzen Leben noch nich' so müde gewesen. Aber wir wollten Tante Alice glücklich machen, darum kehrten wir uns da nich' an.«

»Un' nu' sagt sie, wir sind Diebe,« schluchzte Toddi. »Die alte häßliche Tante.«

»Weine nur nicht länger, Toddi,« sagte Frau Burton, indem sie die thränenfeuchten, schmutzigen, Wangen ihres Neffen küßte und ihn auf ihren Armen zur Abendtafel trug.

Toddi hatte sein Abendbrot bald verzehrt. Er schien in sich gekehrt und eilte bald vom Tische fort; doch war er nachher gleich bereit, zu Bett zu gehen, als seine Tante ihn rief. Als Herr Burton eine halbe Stunde später auf die Veranda hinausging, um seine Zigarre zu rauchen, sah er ein großes, häßliches Kreuz von roter Tinte auf jeder Seite des Thürrahmens. Auch Männer haben ihre Schwächen, und eine Schwäche Herrn Burtons war die, daß er sehr eigen hinsichtlich des Aussehens seines Hauses war. Er sprang die Treppe hinauf, drei Stufen auf einmal nehmend, eilte ungestüm in das Zimmer seiner Neffen und rief:

»Wer hat die Thür mit Tinte beschmiert?«

»Ich,« antwortete Toddi unerschrocken. »Ich war bange, du würdest vergessen, dem Würgengel zu sagen, daß ich kein Dieb bin. Deshalb habe ich Kreuze an die Thür gemacht, wie es die Israliten machten, damit der Engel vorüberzieht. Er wird in der Nacht wohl nich' sehen, daß es Tinte un' kein Blut is.«

Toddi sah seinen Onkel sofort wieder kehrt machen.

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