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Johann Wolfgang von Goethe: Briefwechsel mit seiner Frau. Band 1 - Kapitel 10
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authorJohann Wolfgang Goethe
titleBriefwechsel mit seiner Frau. Band 1
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1800

264. Christiane

Weimar, den 3. Mai [1800].

Lieber, Bester,

Deine Messe hat sehr große Freude bei uns gemacht, der August hat über die Mütze viel Vergnügen, und ich bin nach meiner Art etliche Mal um den Tisch herum gehupptgehoubts. Eine noch größere Freude hättest Du uns gemacht, wenn Du mit dabei gewesen wärst. Du hast aber sehr wohl gethan, nicht gleich wieder mit zurück zu reisen; ich glaube, daß Dir es recht gut sein soll, daß Du Dich einige Zeit da aufhältst. Ich bin indeß recht fleißig im Garten und Hause gewesen, und ich hoffe, bis Du wiederkömmst, soll alles in der größten Ordnung sein, auch sollst Du mich da schon in einem Kattunkleidchen sehen. Der Herr Burybiro hatte auch eine sehr große Freude über das Tuch, er ist auch fleißig und mannichmal wird auch etwas gehast. Gestern waren wir im alten Garten, und morgen wollen wir nach Erfurt, wo ich ihm schon im voraus gesagt habe, daß da Äuglichen gemacht werden. Das will er aber nicht leiden, also wird es nichts werden, und ich werde mich darein finden müssen. In Leipzig wird es wohl auch nicht wenig Äuglichen geben. Hier schicke ich Dir auch alles, was Du verlangest durch den Herrn Legations-Rath Bertuch, der sich ein großes Vergnügen daraus macht, es mitzunehmen.

Danken will ich Dir vor alles, wenn Du selbst bei mir bist; es betrübt mich der schöne Spargel, den ich alle Tage, da Du nicht da bist, daß [ich] ihn verkaufen muß. Leb wohl und komm bald wieder. C. V.

Adieu, mein Lieber, behalte mich lieb, ich freu mich herzlich. Dich wiederzusehen.

[1. Beilage: August]

Lieber Vater!

Sie haben mit eine große Freude gemacht, daß Sie mir von Leipzig die schöne Mütze und den Geldbeutel geschickt haben. Eine solche Mütze habe ich mir schon längst gewünscht, ich trage sie sehr gern, denn ich gefalle mir darinne. In dem Geldbeutel verwahre ich einen neuen Gulden, 2 Groschen, 1 Pfennig und 1 Heller. Es ist Schade, daß ich Sie in Leipzig nicht besuchen kann, weil mein Onkel nicht in die Messe reiset. Bleiben Sie recht gesund und behalten Sie mich lieb. Weimar, den 3. Mai 1800.

A. Goethe.

[2. Beilage: Bury]

Herzlichen Dank für das schöne grüne Gewand!

Wenn Sie echten Chinesischen Zinnober bekommen könnten, wäre es sehr gut, um die Farbe des Mantels herauszubringen; beiliegende Probe ist von unserem gewöhnlichen, der Chinesische fällt mehr ins Carminartige.

Kommen Sie recht bald, daß wir uns alle wieder an Ihnen erfreuen können.

Bury.

265. Goethe

Ich habe Dich in meinem Briefe, den ich Kämpfern mitgab, gebeten, mir den August mit Deinem Bruder zu schicken; ich erwarte ihn alle Tage, und es würde ihm die Messe gewiß große Freude machen.

Ich will diese Woche noch hier bleiben und thue Dir vielleicht den Vorschlag, daß Du mich zu Anfang der künftigen etwa abholst. Das heißt, etwa Sonntags, den 11. Mai. Erkundige Dich vorläufig: was ein Kutscher für die Hin- und Herreise und ein paar Tage in Leipzig verlangt. Denn wenn Du zwei bis dritthalb Tage hier bist, so hast Du alles gesehen, und man könnte noch mancherlei einkaufen. Nur muß ich Dich inständig bitten, niemand nichts davon zu sagen, damit nicht etwa jemand auf den Einfall kommt, Dich zu begleiten.

Es ist hier alles sehr theuer, besonders sind gar keine Quartiere zu finden. Ich muß morgen schon zum zweiten Mal ausziehen, weil die Zimmer auf gewisse Tage bestellt sind; Du wirst Dich, wenn Du herkommst, behelfen müssen, aber für Eine Person findet sich doch immer noch ein schickliches und artiges Quartier.

Schreibe mir Deine Gedanken hierüber. Es sind viele Weimaraner hier, und Du kannst Mittwochs wahrscheinlich schon wieder durch Gelegenheit einen Brief haben.

Lebe recht wohl, grüße Meyer und Bury.

Ich freue mich darauf, Dich hier zu sehen. Denn ohne Dich und das gute Kind schmeckt mir kein Genuß.

Leipzig, den 4. April [Mai] 1800.

G.

266. Vulpius (in Christianens Auftrag)

Weimar, den 5. Mai 1800.

Ganz kurz vor Abgang der Post ist Ihr Brief an meine Schwester kommen. Es ist Wäsche und ein ewiges Reinmachen im Hause. Man glaubt nicht fertig zu werden. Ich muß also schreiben.

Schillings Fuhre nach Leipzig würde bis etwa 20 Thaler kosten. – Meine Schwester will aber lieber, weil des Herrn Geh. Raths Wagen und Räder fertig werden, ein Pferd dazu miethen und mit eigenem Geschirre fahren, wo es weniger kosten würde. Ich würde, da Opitz jetzt anfängt, Entschuldigungen zu machen, mit Kürze der Zeit, der Censur pp., und das Schauspiel ›Rinaldini› nicht aufführen will (in dieser Messe), nicht nach Leipzig gehen. Wenn aber meine Schwester nicht allein reisen soll (was freilich nicht gut ist), so will ich, wenn es der Herr Geh. Rath haben wollen, allenfalls mitgehen. Logis für mich wird sich wohl finden.

Auf diesen Brief müßten der Herr Geh. Rath mit umgehender Post antworten, sonst bekömmt meine Schwester den Brief nicht Donnerstags, wo sie doch Ihre Entschließungen wissen muß. Die Post eilt zum Abgehen. Ich bin Ew. Excellenz

unterthänigster Diener

C. A. Vulpius.

267. Goethe

Das Packet durch Herrn Legationsrath Bertuch habe ich wohl erhalten, so wie Du meinen Brief, den ich gestern durchNach gestrichenem erst Gelegenheit abschickte, wirst empfangen haben.

Da August nicht mit Deinem Bruder kommen kann, so soll es um desto mehr dabei bleibenVon Goethe geändert aus so wollen wir es um desto mehr dabei belassen, daß Du mich abholst. Du schreibst mir nur, wann Du hier ankommen willst, denn der Kutscher kann das auf eine Stunde sagen.

Es wird Dir und dem Kind viel Freude machen, Leipzig in dieser schönen Jahrszeit zu sehen; die Spaziergänge um die Stadt sind so schön, als man sie nur wünschen kann.

Das sogenannte Panorama, worin man die ganze Stadt London, als stünde man auf einem Thurm, übersieht, ist recht merkwürdig und wird euch in Verwunderung setzen.

An der Komödie ist nicht viel, Du sollst sie aber auch sehen, nur um der Vergleichung willen. Sonst gibt es noch mancherlei, und besonders die vielerlei Waaren werden euch großen Spaß machen. Und ganz ohne kaufen wird es nicht abgehen, das sehe ich schon im voraus. Du kannst Deine Fahrt auf die Naumburger Messe vielleicht dadurch ersparen.

Ich überlasse Dir, ob Du unsern Wagen nehmen willst oder den Wagen des Kutschers, von dem Du die Pferde nimmst. Doch wäre es gut, wenn die Equipage ein bißchen artig aussähe, denn man fährt doch spazieren, und da mag man gern ein bißchen geputzt erscheinen.

Bringe nichts als weiße Kleider mit, man sieht fast nichts Anders. Ein Hütchen kannst Du gleich hier kaufen.

Nimm einen mittlern Koffer, damit meine Sachen auch hineingehen.

Übrigens thue noch sonst, was Du glaubst, das gut und nützlich ist.

Vielleicht wäre es am artigsten, wenn Du Sonnabends hierher kämest, weil ein Meßsonntag gar lustig ist und alles spazieren reitet und fährt und geputzt ist. Wir machten alsdenn in ein paar Tagen unsere kleinen Geschäfte, führen Dienstag Nachmittag weg und wären Mittwochs in Weimar. Genug, Du richtest Dich mit der Hin- und Herreise auf 6 Tage ein, das Übrige wird sich finden.

Du schreibst mir hierüber mit der Post, die Donnerstags von Weimar abgeht.

Du fährst auf alle Fälle am Hôtel de Bavière an, und wie Du unterkommst, will ich indeß schon Sorge tragen.

Lebe recht wohl, grüße Herrn Professor Meyer und Bury recht schön. Es freut mich, wenn dem letzten das grüne Tuch gefallen hat. Küsse das gute Kind und [sage] ihm nicht eher, daß er nach Leipzig soll, als bis es fortgeht.

Leipzig, am 6. Mai 1800.

G.

Ich gebe diesen Brief dem Landcommissär Schäfer mit, welcher ihn Dir durch einen Boten schicken wird.

 

267a Geist (in Goethes Auftrag)

Glücklich und gut sind wir hier angelangt. Nun würden Sie dem Herrn Geheimde Rat einen großen Gefallen thun, wenn Sie ihm ein Nößel von dem guten Öl zum Salat herüberschickten; vielleicht haben Sie auch einen kleinen Schinken, den Sie mitschicken könnten, um manchmal auf den Abend noch etwas davon zu genießen.

Leben Sie recht wohl.

Die Schachtel mit Obst folgt bei.

Jena, am 22. Juli 1800.

Ihr ergebenster Diener D. Geist

268. Christiane

[Weimar, 23. Juli 1800.]

Lieber, ich wünsche Dir, daß Dir alles gut von Statten geht, was Du Dir vorgenommen hast. Ich lebe so ganz stille und zufrieden. Morgen wollen wir nach Holzdorf in die Schoten fahren. Gestein war ich noch im alten Garten und kam kurz vor dem Regen nach Hause. Heute ist das Wetter schön, und ich mache mir allerhand Beschäftigung im Garten.

Leb wohl und behalte mich lieb.

C. V.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Ich danke Ihnen für die schönen Herzkirschen, die Sie mir geschickt haben. Sie waren des Nachts um 12 Uhr hier angekommen, und am folgenden Morgen, sobald ich aus dem Bette gestiegen war, sprang ich hinab in die Kutsche und holte die schöne Schachtel, in welcher sich die süße Waare befand. Meine liebe Mutter gab mir einen Theil davon, den ich mit einem Stück Brot verzehrte. Wir freuen uns sehr auf den Tag, wo wir Sie von Jena abholen sollen, sein Sie nur so gütig und schreiben Sie uns, wenn wir kommen sollen. Leben Sie recht wohl.

Weimar, den 22. [23.] Juli 1800.

A. Goethe.

269. Christiane

[Weimar, 26. Juli 1800.]

Hier schicke ich, was Du verlangest, und wünsche, daß es Dir alles nach Wunsch geht. Ich bin wohl und beschäftige mich mit der Wirthschaft. Morgen kommt Meyer von HolzdorfHollsdorf da wollen wir nach Tiefurt gehen oder fahren. Es sind wieder 3 Fuhren Holz diese Woche herein gekommen. Ich freu mich, Dich bald wiederzusehen.

Leb wohl und behalt mich nur recht lieb.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Ich danke Ihnen für die schönen Mandeln, die Sie mir heute geschickt haben, es ist aber Schade, daß ich sie jetzt bloß ansehen muß und nicht genießen kann, denn ich habe starke Zahnschmerzen, welche mich die vorige Nacht aus dem Bette trieben und nur durch unsere Tinctur etwas gestillt wurden. Am Freitage holte ich meinen Vogelbauer, den die Frau Legations-Räthin für mich erstanden hat. Er ist 6 Fuß lang und 1 Fuß breit und hat oben ein Thürmchen. Meine Vögelchen befinden sich in dem neuen Häuschen sehr wohl. Leben Sie wohl und behalten Sie mich lieb.

Weimar, den 26. Juli 1800.

August Goethe.

270. Goethe

Gib, meine Liebe, Inliegendes an Bury. Es geht recht gut mit meinen Arbeiten. Grüße den guten August und sag ihm, daß ich ihn recht lieb habe. Er soll mir nur bald wieder schreiben.

Jena, den 27. Juli 1300.

G.

271. Goethe

Ich schreibe Dir nur einen Gruß, und daß ich mich wohlbefinde, denn wenn ich Herrn Professor nicht unrecht verstanden habe, so bist Du nach Roßla gefahren. Ich bin wohl und fleißig und freue mich, wenn es euch auch gut geht. Auf den Sonnabend erfährst Du, wie es weiter mit mir wird. Lebe indessen recht wohl und grüße den August.

Jena, am 29. Juli 1800.

G.

272. Christiane

[Weimar, 30. Juli 1800.]

Lieber, ich war gestern in Roßla, wovon ich Dir von allem mündlich Nachricht geben will. Ich habe auch heute gleich mit Schenk gesprochen, und er kömmt noch diese Woche, daß, wie eingefahren ist, die Scheunen verschlossen werden. Der Gustel war wieder sehr glücklich. Wir haben 5Nicht enträtseltes Wort karblaum (Karpfen?) mitgenommen. Wir essen alle Abende im Garten und sind sehr vergnügt und freuen uns, Dich bald wiederzusehen. Leb wohl und behalte mich lieb.

C. V.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Ich habe von dem Herrn Professor Meyer gehört, daß Sie künftigen Montag wieder nach Weimar kommen wollen, und da dächte ich, Sie erlaubten mir, daß ich den Sonnabend mit meiner lieben Mutter nach Jena käme, wo wir uns den Sonntag in der Trietznitz ein Vergnügen machten und dann den Montag mitDavor nach Weimar dem Väterchen nach Weimar zurückkehrten. Am Dienstage war ich mit meiner Mutter auf dem Gute, wo ich mich fast den ganzen Tag mit dem Fisch- und Krebsfange belustigt habe. Leben Sie wohl und behalten Sie mich lieb.

Weimar, den 20. Juli 1800.

A. Goethe.

273. Christiane

Weimar [Rudolstadt], den 19. August [1800].

Lieber Schatz,

Wir sind gestern glücklichglüch Abends um 7 Uhr in Blankenhain angekommen, wie auch glücklich heute frühe um 1 Uhr in Rudolstadt glücklich angelanget; wir haben auch ein leidliches Quartier, und ich denke, wenn uns alles so gut geht, so wird es uns gewiß gefallen. Meine größte Sorge ist nur, daß es Dir alles gut gehen möge; und wenn wir nichts schreiben, so bleibt es dabei, daß der Kutscher den Sonntag ausfährt, und den Montag sind wir bei Zeiten in Weimar. Leb wohl und behalte mich recht lieb. Viele Grüße und Küsse dem August, und hier schicke ich ihm, was zu haben ist, in Eile.

Adieu, Lieber.

C. V.

274. Christiane

[Weimar, 13. September 1800.]

Lieber, bester Schatz, ich kann Dir weiter nichts schreiben, als daß ich Dich recht von ganzem Herzen liebe und recht fleißig bin. Habe mich nur auch so lieb wie ich Dich.

Leb wohl.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Ich danke Ihnen vielmals für die schönen jungen Nüsse, von welchen mir schon einige recht gut geschmeckt haben; auch sage ich Ihnen dafür vielen Dank, daß Sie so gut für die Ernährung meiner Vögel gesorgt und ihnen ein schönes Futter geschickt haben. Ich befinde mich mit meinen Vögeln recht wohl, nur daß für meinen Wagen immer besser gesorgt wird als für die Mägen meiner Vögel. Heute ist der Geburtstag unseres lieben Freundes Karls, den wir vielleicht feiern werden. Leben Sie wohl.

Weimar, den 13. September 1800.

A. Goethe.

275. Christiane

[Weimar, 17. September 1800.]

Ich freu mich, daß Du Dich wohlbefindest; das Andere wird auch schon werden. Ich bin auch nach meiner Art fleißig. Des Morgens und Nachmittags gehe ich manchmal aus. Ich wollte Dich bitten um einen Zettel zu Wertheimer Wein; von dem vorigen ZettelZelte sind wieder, ehe Du weggingst, 6 Bouteillen nach und [nach] zu Hause aufgegangen.

Da wahrscheinlich Meyer den Sonnabend kommen wird, so wollte ich, wenn Du nichts dagegen hast, eine kleine Gesellschaft von jungen Leuten bitten den Sonntag. Das Wetter ist hier so schön, daß man es gar nicht so erwartet hat. Heute will ich spazieren fahren, und aber immer denke ich: wenn ich nur mit Dir führe, da ist es doch am besten. Wenn Du aber wieder da bist, da wollen mir recht oft zusammen fahren. Leb wohl und behalt mich nur recht lieb und mache ja nicht zu viel Äuglichen.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Am Montage war ich mit Ernsten und Herrn Eisert im WebichtWewicht, wo ich mit Ernsten unter den Fliegenschwämmen und den Knollenpilzen eine große Niederlage angerichtet habe, wir trugen aus dem Holze einen großen Haufen Schwämme zusammen und schlugen sie nachher mit Stöcken zu einem Brei. Gestern ging ich mit meiner lieben Mutter zu der Madame Schellhorn in Garten. Heute kaufte ich für 1 Groschen ein Rothschwänzchen und ein Rothkehlchen. Leben Sie wohl und genießen Sie das schöne Wetter.

Weimar, den 17. September 1800.

A. Goethe.

276. Christiane

[Weimar, 20. September 1800.]

Ich und Gustel sind gesund und wohl, und da wir die Pferde haben, so wollen wir morgen ein bißchen nach Roßla fahren. Meyer ist den Donnerstag Abend angekommen und läßt sich Dir vielmals empfehlen. Er will Mittewoch oder Donnerstag nach Jena; wenn Du uns da haben willst, so will ich und Gustel mitkommen. Der Wege-Commissär Brunnquell wünschet sehr, daß Du noch einmal, ehe der Herzog wiederkäme, nachdaß du nach Roßla kämst. So könnten wir den Donnerstag nach Roßla fahren von Jena aus und führen denn wieder zurück mit Dir nach Jena, und den Freitag führe ich wieder mit Gusteln nach Weimar. Du könntest Brunnquell den Tag schreiben, durch den Herrn Professor den Brief mitschicken. Auch sei so gut und schreibe mir deßhalb ein paar Worte. Mündlich Mehres. Leb wohl und behalte mich lieb. Ich freu mich, Dich bald wiederzusehen.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Ich danke Ihnen für die schönen Birnen und Weintrauben, welche vortrefflich schmecken. Herr Meyer kam am Donnerstage hier an und brachte mir viele Geschenke mit, 2 schöne Silbermünzen, Haare aus dem Maule des Walfisches und ein Stück von den Kiemen dieses säugenden Seethieres, drei kupferne französische Münzen und einen hübschen Stein; auch hat er mir einen Affen mitbringen wollen, aber er war so schwer zu transportieren. Wollen Sie nicht so gütig sein und uns die Bitte gewähren, von der meine liebe Mutter in ihrem heutigen Briefe an Sie spricht??? Leben Sie wohl und behalten Sie mich lieb.

A. Goethe

Weimar, den 20. September 1800.

277. Goethe

So gern ich euch und mir das Vergnügen machte, daß ich euch diese Woche hier sähe, so muß ich es uns doch versagen. Ich bin bisher sehr gestört worden. Donnerstag waren Mellishens, Freitag Voigts da. Heute geht der Tag mit Schiller hin, und ich habe noch wenig gethan, ob ich gleich meine Zeit möglichst zu nutzen suche. Grüße Herrn Brunnquell und sage ihm: da Durchlaucht der Herzog erst gegen die Mitte des Octobers wiederkommen, so

294 wollten wir eine Zusammenkunft in Roßla noch aufschieben.

Wenn ich nun noch ein vierzehn Tage gearbeitet habe, so reite ich einmal nach Roßla, ihr kommt auch hin, Brunnquell kann uns besuchen, und wir gehen sodann zu Pastor Günther und bringen ein paar vergnügte Tage zusammen zu.

Willst Du Meyern unsre Pferde zum herüberfahren geben, so ist mirs ganz recht, ich behalte sie alsdann einige Tage hier.

Die beiden zugesiegelten Packete an die Herzogin und an den Herzog schicke in das Fürstenhaus. Letztes an Cämmerier Wagner, mit dem Ersuchen, es liegen zu lassen, bis der Herzog wiederkommt. Herrn Geh. Rath Voigt schicke auch ein Exemplar meiner neusten Gedichte. Du weißt ja, wo sie liegen. Laß es aber den Registrator von den übrigen absondern, damit es ein complettes Exemplar sei, weil Du Dich in den Lagen irren könntest.

Lebe recht wohl und liebe mich. Dem guten Kinde schicke ich etwas Süßes.

Jena, den 21. September 1800.

G.

278. Christiane

[Weimar, 24. September 1800.]

Es freut mich sehr, daß Du leidlich wohl bist; den Stark bitte ich mir auch zum Doctor aus, dem seiner Meinung bin ich gewiß auch, daß Du nicht so wenig Wein trinken sollst und Champagner besonders. Hier auf unserm Plan ist doch das Scharlachfieber erschröcklich, es sind auf dem kleinen Fleck 3 junge Bursche gestorben. Götze fing sich an zu klagen und hatte alle Zeichen zu dieser Seuche; ich war sehr bange, denn wenn es in ein Haus kommt, so müssen alle dran. Da habe ich ihn mit 2 Gläser rothen Wein so weit gebracht, daß er des andern Tages wieder rumlief. Mein Bruder, der hat sich auch so curirt. Gestern wurde Ernestine auf einmal auch so schlecht; der gäbe ich ein Glas Wertheimer mit etwas Magentropfenmachendruben, und wir gingen alsdenn zusammen aus, und heute ist ihr wieder ganz wohl. Itzo ist mir nicht ganz recht, aber soll gewiß auch bald wieder besser werden, denn es ist itzo nichts als Verkältung. Ich schicke Dir den Wein und das Wasser mit dem Wagen. Dem Meyer habe ich den Wagen geben, weil ich ihm doch auch gerne was Artiges erzeigen mochte, denn er hat uns allerlei mitgebracht. Den Wagen hätte ich gern zu Anfang künftiger Woche wieder, weil ich itzo den Kutscher sehr nothwendig brauche im alten Garten. Wir haben diese und jene Woche schon viele Arbeit verrichtet, aber es ist unten noch viel zu thun. Es kommt aber auf Dich an; wenn Du den Wagen brauchst, so kann Meyer einen Wagen drüben lehnenNelenn. Nun kommt aber eine große Bitte: ich habe gar kein Geld mehr. Wenn Du mir keins schicken kannst, so schreib dem Professor, daß er einstweilen 3 Carolin gibt, bis Du wiederkommst; ich brauche es sehr nothwendig. Ich sage es ihm nicht gern selbst; ich denke, er dächte, ich wollte es für mich haben. Geist soll mir, wenn der Wagen zurückkommt, die große Schachtel schicken, die letzt mit übergekommen ist. Wein 8 Bouteillen sind das vorige Mal und itzo übergekommen. Er soll mir hübsch die leeren schicken; auch, wenn das Wasser getrunken wird, die Bouteillen aufheben, denn es kostet hier eine Glas-Bouteille 3 Groschen. Sonst weiß ich weiter nichts zu schreiben, als daß Du mich recht lieb behalten sollst, und daß ich Dich bald wiederzusehen wünsche. Adieu, mein Lieber.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Ich danke Ihnen für die schönen Weintrauben, die Sie uns heute geschickt haben, ich lag noch im Bette, als die Schachtel mit der süßen Waare ankam. Am Sonntage war ich in Roßla, wo ich noch meinen im Ofen versteckten Vorrath von Sprenkeln fand, von welchen ich hier im Garten 2 aufgestellt, aber noch nichts gefangen habe. Ein Junge in Roßla schenkte mir ein Rothkehlchen. Am Sonnabend fingen wir in dem Froschbache neun Frösche, die meinem Milvius sehr gut schmeckten. Leben Sie wohl und behalten Sie mich lieb.

Weimar, den 24. September 1800.

A. Goethe.

 

279. Christiane

[Weimar, 27. September 1800.]

Weil Du vielleicht noch eine Weile in Jena bleibst, so schicke ich Dir die Quittung; der Kammermeister hat sie mir geschickt. Sei so gut und unterschreibe sie und schicke mir den Mittewoch die Quittung wieder mit, da will ich mein Vierteljahr-Geld davon nehmen, und was am nothwendigsten zu bezahlen ist; das andere gut verwahren, bis Du wiederkömmst. Es ist itzo das Vierteljahr, wo ich am nothwendigsten Geld brauche, um alles vor dem Winter einzurichten. Es wird aber hier alle Tage theuerer, daß man bald mit aller guten Laune zuletzt mißmuthig werden muß. Ich bin auch recht verdrüßlich, daß bei uns so viel aufgeht, und richte es doch so genau ein als möglich, und es will doch nicht reichen. Wenn ich das Gemüs itzo nicht hätte, so wüßt ich nicht, wie ich auskommen wollte. Ich bin so verdrüßlich, daß mein armer Schatz so viel Geld ausgeben muß, und man wird nie recht froh dabei.

Die Karte von Jena kann niemand finden; Gustel sagt, Du hättest sie schon in Jena gehabt. Es folgen auch 4 Bouteillen Wein. Leb wohl und behalte mich nur recht lieb. Deine Liebe ist noch mein einziger Trost.

Geist muß mir folgende leere Bouteillen liefern: 12 Bouteillen von rothem Wein, 2 Bouteillen von Franz-Wein, 2 Nößel

– –, 6 Bouteillen Wasser.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Auch für die süßen Weinbeere, welche Sie uns heute geschickt haben, sage ich Ihnen vielen Dank. Ich befinde mich ganz wohl, nur betrübe ich mich, daß ich Sie erst nach 14 Tagen wieder sehen und sprechen kann. Meine zwei jungen Täubchen, von denen ich Ihnen schon in einem Briefe geschrieben habe, sind nicht mehr; ich fand sie am Donnerstage früh todt, welches mir sehr leid that, doch nützten sie im Tode noch dadurch, daß sie meinem Milvius ein köstliches Frühstück gaben. Nun will ich die Frau von Stein besuchen. Leben Sie wohl und behalten Sie mich lieb.

Weimar, den 27. September 1800.

A. Goethe.

Lieber Vater!

Auch für die süßen Weinbeere, welche Sie uns heute geschickt haben, sage ich Ihnen vielen Dank. Ich befinde mich ganz wohl, nur betrübe ich mich, daß ich Sie erst nach 14 Tagen wieder sehen und sprechen kann. Meine zwei jungen Täubchen, von denen ich Ihnen schon in einem Briefe geschrieben habe, sind nicht mehr; ich fand sie am Donnerstage früh todt, welches mir sehr leid that, doch nützten sie im Tode noch dadurch, daß sie meinem Milvius ein köstliches Frühstück gaben. Nun will ich die Frau von Stein besuchen. Leben Sie wohl und behalten Sie mich lieb.

Weimar, den 27. September 1800.

A. Goethe.

280. Christiane

[Weimar, 29. September 1800.]

Lieber, bester Schatz,

Ich habe das Geld von der Kammer bekommen und habe davon genommen, was am nothwendigsten war; denn die Leute sind es gewöhnt, was bei uns Ordinär-Ausgaben sind, daß sie es bekommen, wenn das Vierteljahr um. Und da sind sie gleich mit den Zetteln da. Da wurde mir ganz Angst, denn ich kann niemand, der Geld bekommt, gut abweisen. Nun ist es aber wieder gut; und gestern hab ich einen rechten Rathkauf mit Flachs gethan, da wars gut, daß ich Geld hatte. Das muß ich Dir aber mündlich erzählen, wie es zuging, daß ich [es] so wohl getroffen habe. Heute will ich schon hechelnhezegelln und recht fleißig sein und sehen, ob er auch so gut ist, als mir denken. Wenn es nur nicht so nasses Wetter wäre, daß ich meine Kartoffeln könnte ausmachen lassen; und an meiner ganzen Herbstarbeit hindert es mich. Indeß will ich mich mit meinem Flachs beschäftigen und recht fleißig sein, bis mein Liebster wiederkömmt. Leb wohl und behalt mich lieb. Wenn es Dir möglich, so schreib mir ein paar freundliche Worte. Der Gustel grüßt herzlich.

 

281. Christiane

[Weimar, 1. October 1800.] Soeben ist der Herr Ramann von Erfurt bei mir gewesen und hat mir gesagt, daß er itzo ganz vortreffliche Weine habe. Mein Bruder hat welchen bekommen, da kannst Du ihn versuchen. Und er meinte, Du solltest lieber Deine Bestellung vor den ganzen Winter davon machen; denn sie wüßten nicht, ob sie den Winter wieder so guten bekämen. Mit der Zahlung müsse es nicht gleich sein. Und wenn Du alle halbe Jahr oder alle Jahr bezahlest, darauf käm es gar nicht an; aber die Bestellung müsse bald geschehn, denn in 3 Wochen könnte er vielleicht alle sein. Über das Mißverständniß bin ich gar nicht böse, denn so schöne Trauben habe ich hier rum noch nicht gegessen. Heute Abend freue ich mich auf die Komödie; ich bin recht froh, daß die Abende wieder etwas ist, denn ich habe alle Abende vor langer Weile gelesen und bin allemal um halb 9 Uhr zu Bette gegangen. Aber einmal bin ich so ins Lesen hineingekommen, daß ich bis um 1 Uhr gelesen habe; und wenn der Gustel auf dem Kanapee sich nicht geregt hätte, ich hätte noch länger gelesen. Das war die ›HeiligeHeuliche Genoveva‹ von Tieck, das ist sehr schön. Über den Gustel wirst Du Dich recht freuen, denn er kommt mir alle Tage verständiger vor. Wir haben uns recht lieb und unterhalten uns immer zusammen. Heute ist mein Brief gewiß besser geschrieben, denn ich habe mir sehr große Mühe geben. Es ist mir aber auch schon 2 mal schlimm geworden, und wär der Brief nicht an Dich, ich hätte längst schon aufgehört. Der Conducteur Götze hat mir seinen Zettel geschickt; soll ich es bezahlen oder willst Du es ihm drüben auszahlen? Leb recht wohl und behalte mich lieb, ich freue mich herzlich, Dich bald wiederzusehen. Ich wollte, es würde wieder gutes Wetter, daß wir unsre Landpartie nach Roßla und nach Mattstädt machen könnten. Der Bierlich möchte so gerne mit Dir wegen des Lerchen-Strichslergen Strigen reden, es ist sonstsomh alles bestellt. Unser 19 Acker-Stück ist schon aufgegangen; wenn Du würdest sehen, würdest Du Dich freun.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Ich danke Ihnen für die schönen Weintrauben, die Sie uns gestern Abend geschickt haben. Ich habe mich diesen Morgen von einer großen Sorge befreiet, denn ich habe nun meinen Milvius nicht mehr zu ernähren; ich habe ihn heute dem Prinzen geschenkt, bei welchem ich von 9 bis beinahe 12 Uhr gewesen bin, und der sich über dieses Geschenk sehr freuete. Auf künftigen Sonnabend will ich Ihnen hiervon mehr schreiben. Leben Sie indeß recht wohl.

Weimar, den 1. October 1800.

August Goethe.

 

282. Christiane

[Weimar, 15. November 1800.]

Lieber Schatz, mit Ausräumen der Stube bin ich fertig. Morgen will Heideloff anfangen, und er denket es in 3 Tagen fertig zu haben. Ich denke es Dir wieder recht hübsch auszuputzen, daß Dir es wieder bei mir gefallen soll. Von Wanzen haben wir bei allem nicht Eine Spur entdeckt und auch keine Wanze gesehen. Und wir haben gewiß alles sorgfältig angesehen.

Ich wünsche Dir, daß es Dir alles gut von Statten gehe. Leb wohl und behalte mich nur recht lieb und sei ja nicht böse auf mich.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Wenn Sie gestern bei dem schönen Wetter glücklich in Jena angekommen sind, so soll es mich sehr freuen. Ich habe gestern die schöne Mittagsstunde beim Spazierengehen genossen, worauf mir aber auch das Mittagsessen ganz vortrefflich schmeckte. Heute haben wir wieder einen schönen Tag zu erwarten, von dem ich auch etwas genießen will; denn sobald ich meinen Brief werde geendiget haben, will ich die Frau von Stein besuchen und mich im Parke belustigen. Leben Sie recht wohl und behalten Sie mich lieb.

Weimar, den 16. November 1800.

August Goethe.

 

*

283. Christiane

[Weimar, 19. November 1800.]

Ich und das Kind sind beide wohl. Bei den schönen Tagen sind wir alle Tage ein Stückchen spazieren gefahren und waren recht vergnügt zusammen. Überhaupt, seitdem ich Dir meine Betrübniß offenbart habe, bin [ich] wieder ein Hasenfuß, und es wird nun wieder stark an die Redoute gedacht. Am Sonnabend waren sehr viele Äuglichen hier, und ich wurde von einem Äuglichen zum Picknick eingeladen, welches er entreprenirtanderbrennonirt auf übermorgen. Ich habe es aber nicht zugesagt und nicht ab. Deine Stube wird, wie ich hoffe, morgen Abend fertig, und ich hoffe Dich bald wiederzusehen, oder sollen wir Dich abholen? Leb wohl und behalt mich lieb.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Gestern war ich mit meiner Mutter in Lützendorf, wo es mir gefallen hat, denn vor dem Gasthofe ist eine schöne Wiese, wo ich mich mit dem kleinen Stein im Laufen und Springen übte. Neben dieser Wiese fließt ein Bächelchen, wo wir einen Schutz baueten und uns dann an dem Rauschen des Wassers belustigten, wenn wir den Schutz wieder öffneten. Am Montage sprach ich im Theater mit dem Herrn Hofgärtner Dietrich über verschiedene Pflanzen, und da versprach er mir ein Pflanzenbuch zu schenken, das ich nachher holen will. Leben Sie wohl.

Weimar, den 19. November 1800.

August Goethe.

 

*

284. Christiane

[Weimar, 13. December 1800.]

Ich kann Dir heute weiter nichts schreiben, als daß ich mich recht wohl befinde und mich mit dem Weihnachten beschäftige und alleweile ein bißchen auf das Eis gehen will. Ich sehe mit Verlangen dem Montag entgegen, daß ich das Kistchen auspacken kann. Leb wohl und behalte lieb Deinen Hasen.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Es soll mich sehr freuen, wenn Sie gestern Abend gesund und glücklich nach Jena gekommen sind. Wir haben heute einen kalten Morgen gehabt, aber der heitere Himmel ist so einladend, daß wir uns auch heute einige Stunden auf dem Eise belustigen wollen. Ich will heute den ersten Versuch machen, auf Ihren Schlittschuhen zu fahren, ich muß mir aber erst Bänder daran kaufen. Diesen Abend will ich ein Stück von Iffland, ›Die Selbstbeherrschung‹, sehen. Grüßen Sie in meinem Namen den Herrn Geheime Hofrath Loder und bitten Sie ihn, sich in mein Stammbuch zu schreiben. Leben Sie wohl.

Weimar, den 13. December 1800.

A. Goethe.

 

*

285. Goethe [nicht abgesandt]

Meine Arbeit geht gut von Statten, indessen muß ich, um ganz fertig zu werden, noch acht Tage dableiben.

Das Theater für August ist bestellt, und ich habe schon mit Götzen gesprochen, der mir helfen will, das Portal und die Straßendecoration zu malen, womit ich denn etwa heut über acht Tage Abends anlangen werde. Auf den Sonnabend erfährst Du, wann ich den Wagen wünsche.

Schicke mir doch etwa wieder vier Bouteillen rothen Wein.

Hast Du diese Zeit nichts von Meyer von Bamberg gehört? ich will doch jemand hier, der dorthin Correspondenz hat, ersuchen, sich nach ihm zu erkundigen.

Lebe wohl und schreibe mir, wie es euch geht.

Jena, am 16. December 1800.

G.

 

286. Christiane

[Weimar,] den 16. December [1800], Abends 9 Uhr.

Heute, mein Lieber, ist das Kistchen von Frankfurt angekommen, ich habe mich sehr gefreut! Es waren 20 Ellen seidenes Zeug darin vor mich und auch ein Paar schöne Schuh und ein Paar seidene Strümpfe, schöne Spitzen und vor August sehr schönes Tuch 3 und ½ Elle und Knöpfe auch zu einer Weste. Die gute Mutter! es kostet ihr gewiß viel, denn es ist alles sehr schön. Aber auf die Redoute kann ich es nicht anziehen, es ist mehr zu einem Staatskleide, aber sehr schön. Wenn Du nur schon da wärest, daß ich es Dir alles zeigen könnte! Ich habe eine sehr große Freude darüber. Nun wünschte ich nur, der heilige Christ verlor in Jena 10 Ellen weißen Halb-Atlas, die Elle zu 12 Groschen, das wären 5 Thaler; das wäre dem heiligen Christ ein Leichtes. Oder nur 5 und ½ Elle Calico-Halb-Atlasgacklieko halbt adlas, das wäre nur 2 Thaler 18 Groschen, die Elle zu 12 Groschen. Das müßte der heilige Christ aber bald verlieren; solltest Du ihm etwa unverhofft begegnen, so kannst Du mit ihm darüber sprechen. Du mußt aber ja nicht böse werden, daß ich Dich mit einem solchen Auftrage beschwerebeschwöre ich werde auch nicht böse, wenn es mir abgeschlagen wird.

Wenn er nichts verliert, so ziehe ich mich wieder wie das vorige Mal an und bin auch zufrieden.

Auch hat Meyer, welcher noch lebendig ist, einen sehr langen Brief geschrieben. Zur Feier des Jubiläums gehet ein Circular herum. Der Herr Professor hat sich heute auch aufgeschrieben, und sobald Du wiederkommst, so wird es auch zu Dir kommen. Für heute schlaf recht wohl. Morgen ein Mehres. Gute Nacht.

[17. December.]

Ich schicke Dir hier die Quittung. Wenn ehr als den Sonnabend Gelegenheit herüber gehet, so schicke mir sie ehr. Ich glaubte, Du kämst den Freitag wieder. Ich will mein Vierteljahr-Geld und nur die nöthigen Ausgaben davon nehmen.

Du mußt aber ja mit dem Theater den Mittewoch kommen, denn sonst könnte ich dem Gustel gar keinen Spaß machen, weil ich weiter nichts zu spielen habe. Den August soll ich entschuldigen, daß er nicht geschrieben hat; er ist zur Frau von Stein gegangen. Am Sonnabend sollst Du einen rechten großen Brief haben. Leb wohl und behalte uns recht lieb. Schreib doch der guten Mutter nur ein paar Worte, daß das Kistchen angekommen ist.

 

*

287. Christiane

[Weimar, 20. December 1800.]

Vor die Maske will ich Dir, wenn Du kommst, mit tausend Küssen danken, wenn Du wieder bei mir bist. WennNach gestrichenem es wäre besser es möglich, so komm den Dienstag Abend; es ist besser, als den heilig Abend. Wir haben doch noch allerhand zu sprechen. Vor den Herrn Professor soll alles in Ordnung sein.

In Eile.

[Beilage: August]

Lieber Vater!

Ich habe mich sehr gefreuet, als ich sahe, daß der Herr Geheime Hofrath Loder sich in mein Stammbuch geschrieben hatte, ich danke Ihnen vielmals für Ihre gütigen Bemühungen dabei. Der Herr Hofrath Schiller hat mir auch am Donnerstage etwas sehr Schönes eingeschrieben; heute will ich nun auch die Frau von Stein und morgen den Herrn Vice-Präsident Herder und den Herrn Geheimerath Voigt um eine gleiche Gefälligkeit bitten. Meine liebe Mutter hat mir gesagt, daß Sie auf den Montag den Wagen haben wollen, dieß hat mich sehr gefreuet, denn nun werden Sie wohl den Weihnachten bei uns sein. Leben Sie indeß wohl.

Weimar, den 20. December 1800.

August Goethe.

288. Christiane

Weimar, Dienstag Abends 23. December 1800.

Da es freilich nicht möglich war, daß Du kommen konntest, so muß ich mich darin schicken; aber betrübt bin ich doch, denn wenn Du morgen nicht hier bist, so ist der ganze Spaß nichts. Das Theater ist aber sehr schön, und der Gustel wird sich recht freun. Meine Schüttchen sind mir dießmal auch nicht so gut gerathen wie sonst.

Nun muß ich mich nur über meinen Redoutenanzug freun, der wird recht artig. Aber Du mußt ja kommen! Es soll alles in der besten Ordnung sein, und ich erwarte Dich zu Mittag. Heute hat die gute Mutter wieder eine Schachtel Confect geschickt. Schlaf wohl. Ich bin sehr müde.

 

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