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Christian Morgenstern: Stufen - Kapitel 5
Quellenangabe
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authorChristian Morgenstern<
titleStufen
publisherR Piper & Co Verlag
editorMargareta Morgenstern
year1922
firstpub1917
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created20090828
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Kunst

1891

Zugleich aus dem Leben gegriffen und zugleich typisch – das ist höchste Kunst.

1892

Es ist etwas Jämmerliches um einen Lyriker ohne Liebe. Was helfen da Mai und Nachtigallen und Mondscheinnächte. Trauriger Zustand.

*

Ihr fürchtet, daß die Umsturzepoche, vor der wir zu stehen glauben, alle Kunst und Poesie, alles Schöne und Wertvolle im Leben vernichte?

Ich fürchte das nicht. Denn mag jeder Tempel zertrümmert, jedes Kunstwerk verbrannt, jedes Saitenspiel zerschmettert werden, das unantastbare Saitenspiel, das Menschenherz, wird nie aufhören, von den ewigen Melodien zu tönen, die der Geist der Welten ihm zuhaucht.

1894

Alle wahrhaft großen Dichtungen sind Variationen zum Schicksalsliede, seien es Maestosi, Allegri oder Scherzi.

1895

Ich betrachte als eine Aufgabe kommender Dichtergeschlechter, neue Mythen zu schaffen, und wir wollen ihnen schon vorarbeiten.

*

Dichten ist immer die Wiedergabe von Erinnerung. Die Erinnerung aber ist selbst etwas Dichtendes, künstlerisch Zusammenfassendes und Auswählendes.

*

Ein Dichter muß 77mal als Mensch gestorben sein, ehe er als Dichter etwas wert ist.

*

Der reimlose Jambus hat ein so formelles Pathos, ein so großrednerisches Moment in sich, daß er uns Modernen meistens geradezu unmöglich wird, da wir in tiefster Seele von dem Willen durchdrungen sind, wahr zu sein, redlich vor allem in der Wiedergabe unserer Stimmungen und inneren Erlebnisse.

*

Höchste Empfindungen, Phantasie im Gewande intimster Natur – – – – eine Durchgeistigung der Realität auf allen Punkten, künstlerischer Polytheismus (im Sinne der Kunst), das meine ich, muß das Programm der Zukunft, unserer Zukunft sein. Der Sieg des menschlichen Geistes über die Außenwelt muß vollkommen werden.

*

Je einheitlicher ein Volk einen Stil aus sich herausentwickelt, um so mehr ist es bei sich selbst daheim. Daher der Zauber des mittelalterlichen Stils, daher heute unsere Heimatlosigkeit.

*

Wenn wir einen nationalen Baustil haben wollten, müßten wir eine einheitliche Weltanschauung haben.

*

Wenn ich so die kleinen Dampfer die riesigen Kähne vorüberschleppen sehe, muß ich immer an den Dichter und das Publikum denken.

*

Schönheit ist empfundener Rhythmus. Rhythmus der Wellen, durch die uns alles Außen vermittelt wird.

Oder auch: Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.

Gesetzt also, es gäbe einen Gott, so wäre sein Glaube, die beste aller Welten vor sich zu haben, verzeihlich.

1896

Das naturalistische Drama hat nur dann Wert, wenn es den Menschen, so wie er heute ist, sich selbst unerträglich macht. Ibsen. Hauptmann.

Kritik oder Beispiel – naturalistische oder idealistische Kunst.

Der Naturalismus eine rein historische Kunstanschauung. Der Naturalismus nur ein Stadium, kein Ziel.

*

Wenn heute wieder ein Schubert geboren würde, würde er eine Mission mehr haben, nämlich, nur Texte zu komponieren, die Kulturwert haben.

*

Die Orgel, das Instrument der Zukunft.

*

In einem Philharmonischen Konzert:

Der Tempel der Germanen: Musik als Architektur empfunden. –

All-Genuß.

Mir ist, ich wäre ein Adler und trüge mich selbst und meine Last dünkte mir köstlich und ein tiefes Wohlgefühl durchströmte mich.

*

Dilettantismus des Geschmacks: Bei Betrachtung von Landschaften fortwährender Vergleichs-Standpunkt. Wie es in der Musik heißt, daß der ein Dilettant sei, der beim Anhören eines Musikwerks in lauter Reminiszenzen aufgeht.

*

Ihr wißt ja alle nicht, was Schaffen heißt. Ein Bild malen, ein Gedicht machen? Nein! Seine ganze Zeit umgestalten, ihr das Gepräge seines Willens aufdrücken, sie mit seiner Schönheit erfüllen, sie überwältigen und unterwerfen mit seinem Geiste.

*

Der Krug des Nichts, aus dem alle Künstler schöpfen.

*

Schopenhauer nennt das bloße intellektuelle Anschauen die höchste Seligkeit, weil hier der schaffende Wille ganz schwiege. Als ob Schauen nicht schon Schaffen wäre!

*

Den Ästhetikern:

Zeigt Wege der Zukunft, aber beschwört nicht ewig die Toten gegen uns.

*

Vor einer roh gefügten Gebirgsbach-Brücke:

So müßte sich jeder Architekt vor die roheste natürlichste Form der Menschenarbeit hinstellen und an diesen Balken und Brettern seine ersten Kunstgedanken auslassen. Er sollte so von Anfang an die Kunst als Bedürfnis empfinden müssen und würde so gewiß zu originellen Gedanken gelangen, deren Regulativ dann das Studium der Vergangenheit sein könnte.

*

Der erste Schnee! Mein erster Gedanke war die ehrsame Zunft der Lyriker, die in deine Flocken starrt, dich grüßend zu besingen. Welche Dekadenz, diese unpoetische Reflexion über deine himmlischen Dekadenzen, lieber trauter Schnee.

*

Es ist eigentlich eine Ungerechtigkeit, daß der Dichter nicht – gleich dem Musiker – den Teilen seiner Werke hinzufügen darf, in welchem Tempo er sie genommen wissen will.

*

Das losgerissene Segeltuch des kleinen Dampfers (vor meinem Fenster), das mit seinem freien Ende im Wasser liegt, so daß es für den stärksten Windstoß zu schwer wird, es als Fahne auszurollen: Bild für ein Künstlerschicksal.

1897

Als ob Kunst nicht auch Natur wäre und Natur Kunst!

1901

Wer wird dieses Drama der Freude dichten: mit stillen großen Menschen, die das Ja- und Amen-Lied im Herzen tragen, das Drama des Mittags, der Sonnenhöhe, ›da alle Dinge rund und vollkommen‹ geworden sind.

*

Was soll uns Tragödie heißen und als tiefste Erregung von der Bühne herab gelten? Die Darstellung des wahrhaft bedeutenden Menschen, der immer eine tragische Erscheinung ist, weil in allem menschlich Großen neben der großen Freude auch der große Schmerz wohnt, weil in jedem ungemeinen Schicksal das Ja und das Nein allen Lebens wie aus zwei Posaunen erklingt, weil der große Mensch eine Abbreviatur des ganzen Weltgeheimnisses ist. Die Tragödie ist der tiefe Gesang vom Wesen der Welt, und ihm von Zeit zu Zeit erschüttert zu lauschen unser Ewigkeitsdienst in all dem uns überbrausenden Alltag.

1905

Wohl alle Kunst ist bis zu einem gewissen Grade unmännlich, besonders aber Dichten und Musizieren. Daher Nietzsches Vorliebe für Horaz als einen sehr männlichen Dichter, daher Lionardos Wunsch: vor allem als Mathematiker, Goethes: recht sehr als Staatsminister zu gelten.

*

Ich liebe die italienischen Kirchen und das Leben in ihnen. Ihr Geheimnis ist, daß sie nicht nur selber Kunstwerke sind, sondern auch alles Leben, das sich mit ihnen vermählt, zum Kunstwerk machen, indem sie es zu einem Bilde abtönen und feierlich umrahmen. Betritt die schlimme römische Sinnenfängerin Gesù, wann immer du willst, oder die ehrwürdige Ara Coeli oder die stattliche Maria Maggiore; welche Gruppen, Gesten, Mienen, welche gehaltenen und tiefen Ausdrücke des Individuums, welche stets bedeutenden Bilder! Gewiß, alles, was die Menschen zu einem bestimmten Zwecke sammelt, vereinigt sie so mit sich zu einem Kunstwerk: die Markthalle, der Bahnhof, die Kaserne, das Schiff, eine Straße, ein Kornfeld im Herbst – aber wohl nichts bietet so die Gewähr eines künstlerisch abgeschlossenen und abgerundeten natürlichen Lebensgemäldes, wie die Kirche, nichts distanziert sich und seine Gemeinde mit soviel Glück vom kunstarmen Alltag wie sie.

*

Es gibt vielleicht keine glücklichere Manier, als alle Dinge vom Standpunkt des Malers aus zu betrachten.

*

Für Porträtmaler.

Wer einen Menschen recht erfassen will, muß ihn sehen, wenn er vom Schlaf aufwacht, mit wirrem Haar, die Züge und Glieder noch halb gelöst, noch halb unbewacht. Da ist er noch der Mensch ohne Namen, ohne Beruf – wenn auch mit all dem Bedeutenden, wodurch ihn das Leben bereichert hat. Zudem gibt es nichts, das malerischer wäre, als ein Mensch in Trikot oder langem, fließendem Hemd, ein Mensch bei den Bewegungen des Waschens, beim Abtrocknen nach dem Bade, beim Kämmen und Bürsten der Haare. Auch gebe ich allen Bildhauern und Aktmalern den Rat, ihre Modelle einmal einen geräumigen Krug mit beiden Armen unter die geöffnete Brause emporhalten zu lassen. Es ergeben sich da durch die zunehmende Schwere des Krugs eine Reihe interessanter und charakteristischer Phasen, von der ungezwungensten Pose bis zur angespanntesten.

*

Zu Fürsten:

Zeige mir, wie Du baust, und ich sage Dir, wer Du bist.

1906

An unsere jungen Dichter: Geht ins Volk, mischt euch unter die gewöhnlichen Leute, sucht ihre Freundschaft zu gewinnen, sucht so reden zu lernen, daß sie euch verstehen wie ihresgleichen. Geht zu den verschiedensten Handwerkern, auf die Werften, in die Fabriken, in die Bergwerke; lernt vom Volk und für das Volk, seht zu, daß was und wie ihr dann schreibt, jedem verständlich sein könne, der den guten Willen für euer Verständnis mitbringt. Laßt euch Jahre eures Lebens in einsamen Dörfern nieder, im deutschen Gebirge, an den Küsten, auf Inseln. Laßt euch vom glatten charakterlosen Großstädter nicht das Bild des Menschen fälschen, obwohl man auch bei ihm leicht unter die Schale dringen kann. Denkt an Luther, wie er herumging in allen Werkstätten, um sich die Sprache für seine Bibelübersetzung zu bilden, wandert, soviel ihr könnt, werdet lieber Handwerksburschen als hoffnungsvolle Literaten, die von Gesellschaft zu Gesellschaft eilen, die sich ihre Ziele aus Theatern und Zeitschriften holen, die sich ästhetisch anregen lassen, statt immer wieder auf den Grund des Lebens zu gehen.

*

Neue Dichter seh ich kommen, nach innen den Blick gerichtet – – –

*

Eine Karikatur ist bloß immer einen Augenblick wahr.

*

Es ist ein erheiternder Gedanke, daß es Schönes und Häßliches nur im Gehirn des Ästhetikers gibt. Von ›der Darstellung des Schönen‹ zu reden – welch eine Einfalt! Es gibt nichts ›Schönes‹ darzustellen, weil es nicht hier und dort etwa herumliegt, sondern in jedem Augenblick erst erschaffen werden muß. Und wenn Herr N. behauptet: aber diese Rose ist doch schön! so antworte ich ihm: Vielmehr Sie erschaffen die Schönheit der Rose im Moment Ihres Schauens und das fällt Ihnen leicht, denn Milliarden haben sie vor Ihnen ebenfalls erschaffen. Gleichwohl wird die Schönheit, welche Sie der Rose erschaffen, sich nicht mit der messen können, die ein wahrhaft schöpferisches Auge, das von ihrem Bild getroffen wie trunken wird, weil es sich ewige Jugend bewahrt hat, ihr erschafft.

Wenn Sie daher von der von Ihnen erschaffenen – nachgeschaffenen – Schönheit als von Schönheit überhaupt reden, so drängen Sie damit Ihren sehr mittelmäßigen schöpferischen Geist der Welt und vor allem den Künstlern wie ein Joch auf, unter das man sich beugen müsse: als dürfe nur ebensoviel Schönheit erschaffen werden, als Ihnen zu schaffen möglich ist. (Ihr Wille zur Macht.) Aber, mein Werter, Sie wissen von der Schönheit nichts, so wenig wie irgendein andrer. Sie wissen nur von der von Ihnen geschaffenen (meist nachgeschaffenen) Schönheit. Auch wir Künstler wissen nicht, was ›die Schönheit‹ ist, aber wir vermehren sie als von Natur aus stärker empfindende, zeugende, als die am weitesten vorgestreckten Fühler des Menschen.

*

Es gibt zwei große Gruppen produktiver Naturen: die mehr lehrhaften und die mehr unmittelbaren. Man soll sie, man muß sie beide gelten lassen und ihnen das ›und‹ nicht rauben. Erst aus Goethe und Schiller, Shakespeare und Ibsen, Monet und Böcklin, Rodin und Klinger ergibt sich das ganze Bild unserer Kunst.

1907

Es ist so plump von Künstlern und Dichtern, sich geradezu ans Geschlecht zu wenden. Als ob man sich ans Geschlecht erst wenden müßte.

*

Wenn das Individuum – wie Hebbel sagt – letzten Endes komisch ist – und es ist komisch –, so ist die Tragödie die höchste Form der Komödie.

*

Alle Kunstform borniert.

*

Programmusik mutet mich an wie Buchstaben aus lebendigen Blumen.

*

Ein Künstler muß seine Weisen eigentlich immer einer Geliebten ins Ohr spielen.

*

Chopin ist immer Mann oder doch Jüngling, Beethoven hat noch das Kind vor ihm voraus – und seiner ist darum nicht nur das Erden- sondern auch noch das Himmelreich.

*

Kunst ist nicht ein Stück Welt im Spiegel eines Temperaments, sondern – ein (Stück) Temperament im Spiegel des Bewußtseins.

*

Das Leben zeugt Blumen und Bienen. Blumen, das sind die schöpferischen Geister und Bienen, die andern, die daraus Honig sammeln.

1908

In jedem Kunstwerk ist der Künstler selbst gegenwärtig. Wir spielen und hören in Wahrheit Beethoven, sehen Lionardo, lesen Goethe.

*

Liszt wirft mich oft aus der Musik heraus.

*

Musik – gesanggewordener Mensch und somit seine für uns vielleicht höchste Erscheinungsform. – Ein altes Bild: Der Gesang der Engel vor Gott: umgedeutet: Menschen vor Gott (der überall) zu Lied, zu Gesang geworden. Beethoven, ein Engel Gottes (der in unser aller) und zu Gottes (der in unser aller) Preis unaufhörlich tönend – Beethoven, ein Gesang Gottes vor sich selbst.

*

Das willkürliche Abbrechen von bedeutenden Musikstücken ist deshalb oft so schmerzlich, weil da nicht nur Musikstücke, sondern – Menschen abgebrochen werden.

*

Nirgends kann das Leben so roh wirken, wie konfrontiert mit edler Musik.

*

Die moderne Landschaftsmalerei (und Liebe zur Landschaft, Natur) – ein weiterer Schritt der Erde zur Erkenntnis und Liebe ihrer selbst.

*

Ein rechter Künstler schildert nie, um zu gefallen, sondern um zu – zeigen.

*

Jeder Künstler tötet zehn folgende (Dilettanten).

*

Ich kann mir in etwa 200 Jahren ein Drama denken, dessen Vorwurf der Kampf zwischen der Newtonschen und der Goetheschen Farbenlehre bildet. Die Farben treten auf und suchen umsonst das weiße Tageslicht in gemeinsamer Aktion zusammen hervorzubringen. Schließlich erscheint das eine weiße ungeteilte und unteilbare Sonnenlicht in Gestalt eines weißgekleideten Weibes und entlarvt dieses ganz anmaßende Unterfangen als Betrug und Selbstbetrug.

1909

Wenn mich nicht alles trügt, so stehen wir dicht vor Künstlergenerationen, die sich des ganzen irdischen Lebensstoffes noch ganz anders bemächtigten werden als die bisherigen.

*

Habt das Leben bis in seine unscheinbarsten Äußerungen hinab lieb und ihr werdet bis in eure unscheinbarsten Bewegungen hinab unbewußt von ihm zeugen.

*

Allzuviel Lyrik frißt die gesunde Natur des Dramas an und nimmt ihm, in einem ganz hohen Sinne, seine natürliche Sittlichkeit.

1910

Schönheit ›an sich‹? Nein, Schönheit, die über sich hinausweist.

*

Die neue – die christliche – Tragödie wird überall erst möglich sein, wenn der Mensch mehr und mehr aus der Materie erwacht. Ihr Stoff wird die Tragik seiner dann endlich überschauten und klar gewordenen Entwickelung sein und ihre Größe das dann noch ganz anders, weil aus einem ungleich höheren Bewußtseins- und Verantwortungsgrund gesagte, gesungene: Trotzdem! und Ja! und O Ewigkeit! O, unsere Gottesewigkeit! ...

Ihr Geist wird aus der endlichen Erkenntnis dessen geboren werden, was der Mensch verbrochen und was er gutzumachen hat, sie wird den schauerlichen Fall des Menschen ins Ungeistige spiegeln und seine übermenschlichen Anstrengungen, Unsühnbar-Scheinendes zu sühnen, Unbezähmbar-Widerstrebendes zu überwinden, Unwiederbringlich-Verlorenes wiederzugewinnen. Erheben wird sich nach langen Geburtswehen endlich der Heerbann des Verständnisses und der Liebe, und seine Siege und Niederlagen werden fortan wie ein Ringen erwachter Götter erschüttern, wo heute der Tiefschlaf des Sondermenschlichen erst vereinzelte Ahnungen zuläßt.

Laßt uns darauf demütig warten und dazu das Unsere tun, Körnlein um Körnlein. Laßt uns uns dessen vertrösten in vielem Kleinkram und Wirrwarr noch unserer Tage.

1911

Wir beweisen durch unsere kritische Stellung zu dem vielleicht oft anfechtbaren Menschlichen großer Künstler nichts, als daß uns durchaus nie zu lebendigem Bewußtsein gekommen ist, was ein solcher Künstler für den Menschen, für uns wirklich bedeutet. Wir können kalten Herzens den ›Menschen‹ Wagner ablehnen, ja schmähen und damit es ganz für nichts erachten, daß täglich Ströme des Segens von ihm ausgehen, Ströme der Kultur, der Erhebung aus dem profanen Alltag, der Reinigung durch geistige Mächte.

1913

In ein Zimmer, dessen rosa getünchte Wände in einer breiten bunten Zierleiste auch ein kleines kaum bemerkbares blaues Muster aufweisen, wird eines Tages ein großer blauer Teppich gehängt. Und nun sollte man die kleinen blauen Muster sehen, wie sie mit einem Male leben und leuchten!

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