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Robert Kraft: Die Vestalinnen, Band 1 - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorRobert Kraft
titleDie Vestalinnen, Band 1
publisherH. G. Münchmeyer
addressDresden-Niedersedlitz
volume1
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060601
projectida1f0f2df
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Band I.

1.

Im Yachtklub zu London.

I
n Westminster, dem vornehmsten Viertel Londons, erhebt sich ein Gebäude, dessen prächtiges Aeußere noch von der inneren, luxuriösen Einrichtung übertroffen wird. Spiegelsaal reiht sich an Spiegelsaal, und man glaubt sich beim Durchwandern dieser herrlichen Räume, beim Anblick der zahlreichen Dienerschaft in das Schloß eines Fürsten versetzt, der hier seine Residenz aufgeschlagen hat.

Es gehört dem Yachtklub ›Neptun‹, dessen Mitglieder zu der höchsten Aristokratie des Landes zählen.

Heute abend waren die Herren besonders zahlreich vertreten. Einer Einladung ihres Präsidenten zufolge waren sie aus allen Ortschaften Englands zusammengekommen, denn gewiß hatte ihnen der Vorsitzende des Klubs, Lord James Harrlington, etwas Wichtiges mitzuteilen.

Lord James Harrlington besaß die besten und am schnellsten segelnden Yachten und war im Führen derselben Meister, sodaß er allein deswegen zum Vorsitzenden des Klubs gewählt worden wäre; außerdem aber stach er schon durch sein Aeußeres und seine persönlichen Eigenschaften vor den anderen Mitgliedern hervor, welche sich ihm willig unterordneten, weil sie seine Überlegenheit kannten.

Schon vor einiger Zeit hatte dieser Lord seine Freunde eingeladen, mit ihm eine Reise um die Erde anzutreten, wozu er auf einer Werft der Insel Wight den Bau eines Schiffes selbst leitete, aber damals waren nur wenige damit einverstanden gewesen. Doch die fieberhafte Hast, mit welcher Lord Harrlington den Schiffsbau betrieb, das Geheimnis, mit dem er seine bevorstehende Reise umgab, hatten die Herren doch sehr neugierig gemacht. Ungesäumt waren sie der Aufforderung, im Klubhaus einzutreffen, nachgekommen.

Es herrschte eine gespannte Stimmung unter den Mitgliedern. Trotzdem die Abendmahlzeit schon vorüber war und die Herren im Rauchsalon Platz genommen hatten, ließ der Vorsitzende selbst immer noch auf sich warten.

»Ich wette,« rief Charles Williams, ein von seinem Vermögen lebender Gentleman, genannt ›der lustige Charles‹, weil er stets voll des unverwüstlichsten Humors und der tollsten Einfälle war, »ich wette, daß Lord Harrlington für uns irgend eine große Ueberraschung bereit hält oder uns einen Narrenspossen spielen will.«

»Er ist jedenfalls noch auf der Insel Wight bei seinem neuen Schiffe,« entgegnete Edgar Hendricks, des ersteren spezieller Freund, ein blutjunges, mädchenhaft aussehendes Kerlchen. »Ich möchte nur wissen, was Harrlington im Schilde führt. Sein ganzes Treiben in letzter Zeit war wirklich geheimnisvoll.«

»Vielleicht will er sich als Seeräuber etablieren,« lachte sein Freund, »ich habe letzthin das neue Fahrzeug angeschaut. Fast sieht es aus, als ob auf demselben Geschütze aufgestellt werden könnten.«

»Well!« rief Lord Hastings, ein herkulisch gebauter, junger Mann, der den ganzen Abend gähnend und in Zeitungen lesend in einem Lehnstuhl gesessen hatte. »Das wäre wenigstens einmal eine vernünftige Idee, die in dieses langweilige Dasein Abwechslung brächte. Ich wäre mit bei der Partie.«

»Dann schlage ich vor,« sagte ein anderer Herr, »wir segeln in die indischen Gewässer, wählen Harrlington zum Hauptmann, Lord Hastings und Williams zu Offizieren, plündern chinesische Fahrzeuge und hängen die langzöpfigen Burschen an den Raaen auf.«

»Lord Harrlington,« meldete in diesem Augenblick ein Diener, indem er die Thür öffnete und den Vorsitzenden eintreten ließ.

Lord James Harrlington war eine schlanke, elegante Erscheinung mit einem stolz getragenen Kopf. Das hübsche, frische Gesicht wurde durch einen kecken, blonden Schnurrbart geziert, und ebenso keck und lustig, aber zugleich auch kühn blickten die blauen Augen. Wer den Lord so in dem modernen Anzug sah, hätte nicht geglaubt, daß in dieser nicht übermäßig kräftigen Gestalt eine ungeheure Elastizität und Gewandtheit, verbunden mit außergewöhnlicher Kraft, wohnten.

Der Lord hatte schon beim Eintritte ein Zeitungsblatt aus der Tasche gezogen und faltete dasselbe nun auseinander. Er winkte den ihn umdrängenden Herren, wieder Platz zu nehmen, da sie, außer Lord Hastings, alle aufgesprungen waren.

»Meine Herren,« begann er mit volltönender Stimme, »entschuldigen Sie zunächst mein spätes Kommen. Diese Zeitung hier ist schuld daran, wie Sie gleich erfahren werden.

»Ich hatte,« fuhr er fort, »alle Mitglieder des Klubs ›Neptun‹ vor etwa einem Jahre eingeladen, mit mir eine Reise um die Erde zu unternehmen, da aber den Herren etwas Derartiges nichts Neues ist, erhielt ich keine Zusagen. Hätte ich freilich damals schon gesagt, warum ich diese Weltreise antreten will, so hätte ich sicher von keinem eine abschlägige Antwort erhalten.

»Was heute diese Zeitung, die neueste Nummer der ›Times‹, verkündet, war mir schon vor einem halben Jahre bekannt und veranlaßte mich, den Bau meines Schiffes mit solcher Eile zu betreiben.«

»So spannen Sie die Herren doch nicht länger auf die Folter,« rief Lord Hastings. »Sie sehen, Williams vergeht bald vor Neugier.«

»So hören Sie denn, meine Herren,« fuhr Harrlington fort, »was der ›Times‹ berichtet wird. Hier steht:

»New-York, den 12. April. Heute können wir endlich unseren Lesern mitteilen, wem das auf der Werft von Dicksen erbaute Vollschiff gehört, dessen kühne Konstruktion die Bewunderung aller Sachverständigen hervorgerufen hat. Die amerikanischen Damen haben wieder einmal durch ihre Erfindungsgabe im Gebiete des Seesports alle ihre Schwestern in anderen Ländern übertroffen.«

»Alle Wetter!« unterbrach der lustige Charles den Vorlesenden. »Ich habe eine großartige Ahnung!«

Harrlington las weiter:

»Vor einem Jahre teilten wir mit, daß der Damenruderklub ›Ellen‹ sich plötzlich aufgelöst habe und alle seine Mitglieder spurlos verschwunden seien. Jetzt erst erfahren wir, daß sich die Damen auf eine einsame Insel an der Ostküste Nordamerikas zurückgezogen hatten, wo sie unter Leitung von bewährten Seeleuten Unterricht im Arbeiten in der Takelage eines Segelschiffes nahmen, als Matrosen in Sonnenschein und Sturm auf dem Ozean kreuzten und nebenbei nautische Wissenschaften trieben. Vorgestern kehrten die Damen nach New-York zurück, und allein elf von den vierundzwanzig Mitgliedern haben vor der Prüfungskommission das Steuermannsexamen für große Fahrt mit Auszeichnung bestanden, darunter die Vorsitzende des Klubs, Miß Ellen Petersen, von deren Siegen im Einzelboot wir schon früher öfters zu berichten hatten, und die das beste Examen ablegte. Weiter erfuhren wir, daß die Damen auf jenem neuen Segelschiffe eine Reise um die Erde zu unternehmen gedenken, und zwar als Matrosen, ohne Dienerinnen mitzunehmen oder männliche Hülfe sich zu sichern. Erst gestern wurde das Schiff mit großer Feierlichkeit von Miß Petersen auf den Namen ›Vesta‹ getauft. Die Ladies selbst nennen sich ›Vestalinnen‹. Leider wird jedem Mann ohne Ausnahme der Zutritt zum Schiff verweigert, sodaß wir über die innere Einrichtung desselben keine Auskunft geben können; doch soll sie, so weit man unter solchen Umständen darüber urteilen kann, großartig sein. Wann das Schiff mit seiner weiblichen Besatzung in See stechen soll, ist vorläufig noch völlig unbekannt.«

Lord Harrlington blickte auf.

»Einzig,« rief Hendricks und schlug mit der Faust auf den Tisch, »da möchte ich mit dabei sein.«

»Du würdest auch gut dazwischen passen,« lachte Williams.

»Still,« beschwichtigte Harrlington, »hier ist noch ein Zusatz:

»New-York, den 13. April abends. Heute morgen verließ die ›Vesta‹ unter flatternden Wimpeln den Hafen. Die Damen, in kleidsamer Matrosentracht, waren zum Teil in die Wanten (Strickleitern) und in die Raaen aufgeentert und winkten von dort den Hunderten von begleitenden Booten und Dampfern ein Lebewohl zu. Im freien Fahrwasser wurde das Schiff vom Schleppdampfer gelöst, und Miß Ellen Petersen, auf der Brücke stehend, übernahm das Kommando. Es war eine Freude, zu sehen, mit welcher Schnelligkeit und Gewandtheit die Vestalinnen die Segelmanöver ausführten, wie sich im Nu ein Segel nach dem anderen entrollte, wie sich das Schiff unter der schneeweißen Last auf die Seite legte und, von einer Südbrise gefaßt, der Ferne zustrebte. Durch ein gutes Fernglas konnte man noch lange die schönen Matrosen in ihrer gefährlichen Arbeit auf den Raaen beobachten. Niemand außer ihnen selbst weiß, welchen Hafen sie zunächst anlaufen werden. Jedenfalls wünschen wir der ›Vesta‹ und ihrer schönen Besatzung eine glückliche Reise und guten Wind; mögen sie das Sternenbanner der Vereinigten Staaten über allen Ländern und Meeren stolz flattern lassen.«

»Die amerikanischen Ladies haben die englischen wieder einmal überflügelt,« schloß Lord Harrlington seinen Vortrag und steckte die Zeitung ein, »aber bald genug werden sie Nachahmer finden.«

Atemlos hatten die Herren gelauscht. Selbst der phlegmatische Hastings hatte seinen Schaukelstuhl verlassen und war an den Tisch getreten.

»Es ist doch schändlich,« rief er jetzt mit donnernder Stimme, »ich sitze hier und vergehe fast vor Langeweile, während andere immer neue Einfälle haben. Wenn das nicht bald anders wird, so ziehe ich Weiberkleider an und schmuggle mich an Bord der ›Vesta‹ ein.«

Er strich sich durch den kurzen Vollbart und warf einen prüfenden Blick an seiner riesigen Figur hinunter.

Auch die anderen Mitglieder brachen in Ausrufe der Verwunderung und des Beifalls über diese Absicht der amerikanischen Damen aus.

»Die Vesta,« begann Lord Harlington abermals, nachdem die Ruhe wieder hergestellt war, »war bekanntlich die römische Göttin der Erde und hatte bei ihrem Bruder Zeus geschworen, den Werbungen des Gottes des Meeres, des Neptun, nachdem unser Klub benannt ist, kein Gehör zu schenken, sondern Jungfrau zu bleiben. Ihre Priesterinnen, die Vestalinnen, mußten das Gelübde der Keuschheit ablegen und wurden bei Übertretung desselben mit dem Tode bestraft.«

Er schwieg lächelnd.

»Da paßte unser Klub ›Neptun‹ eigentlich vortrefflich zum Reisebegleiter,« meinte Williams.

Lord Harrlington nickte belustigt.

»Deshalb fordere ich hiermit die Mitglieder des ›Neptun‹ nochmals auf, mich auf meiner Reise um die Erde zu begleiten. Mein neues Schiff, eine mit einer Hilfsmaschine ausgestattete Segelbrigg, ist auf den Namen ›Amor‹ getauft und soll der keuschen ›Vesta‹ während ihrer Fahrt als Beschützer, wenn auch als ungewünschter, zur Seite bleiben.«

»Hip, hip, Hurrah,« schrie der lustige Charles Williams und machte einen Bocksprung über seinen Stuhl, »das ist ein Gedanke.«

»Bravo,« riefen auch die anderen, »wir fahren ihnen nach.«

Am meisten erregt war Lord Hastings; er schlug wiederholt auf den Tisch, daß die Gläser umfielen, und erklärte diesen Tag für den gesegnetsten seines Lebens.

Ein allgemeiner Tumult entstand. Jeder wollte sprechen, jeder einen neuen Plan zum besten geben. Die beiden unzertrennlichen Freunde, Charles Williams und Edgar Hendricks schwuren hoch und heilig, als Weiber an Bord der ›Vesta‹ zu kommen, ein anderer schlug vor, den ›Amor‹ in den Grund zu bohren uud sich von den Vestalinnen als Schiffbrüchige aufnehmen zu lassen; Lord Hastings fragte Harrlington, ob er Kanonen an Bord mitnehme, wegen der Seeräuber, und wenn keine kommen sollten, würde er eigens eine malayische Prau auf die ›Vesta‹ hetzen, um dann rettend eingreifen zu können.

»Aber,« unterbrach einer den Lärm, »wir wissen ja nicht, wo wir die ›Vesta‹ treffen sollen!«

»Dafür ist gesorgt,« sagte Lord Harrlington geheimnisvoll. »Mir wird stets ihr nächster Hafen bekannt sein, woher, darf ich nicht verraten; ein Versprechen bindet meine Zunge. Doch lassen Sie uns jetzt festsetzen, wer von den Herren mit meinem Vorschlage einverstanden ist, ferner, wann wir abfahren wollen uud was für Vorbereitungen notwendig sind!«

Nur ein einziges Mitglied schloß sich aus, alle übrigen siebenundzwanzig Herren waren bereit, sich acht Tage später von der Insel Wight aus auf dem ›Amor‹ einzuschiffen.

Derselbe war eine Brigg, d. h. er hatte zwei Masten mit vollen Raaen, aber außerdem, wie erwähnt, noch eine kleine Hilfsmaschine, um mit deren Kraft auch bei Windstille, sowie selbst gegen den Wind fahren zu können.

»Heute morgen verließ die »Vesta« unter flatternden Wimpeln den Hafen,« las Harrlington.

Die ›Vesta‹ dagegen war ein Vollschiff, d. h. sie hatte drei Masten mit allen Raaen, war aber ohne Maschine.

Es wurde ausgemacht, daß die Takelage des ›Amor‹ ebenso, wie die der ›Vesta‹, von den Mitgliedern des Sportklubs bedient werden sollte. Nur sollten noch sechs Leute mitgenommen werden, welche die Maschine zu versorgen hatten und, wenn diese außer Dienst war, die niederen Arbeiten für die Herren verrichten sollten. Außerdem ließ sich Lord Harrlington, welcher selbstverständlich die Stelle des Kapitäns erhielt, durch seinen treuen Diener, einen Neger, begleiten.

Als erster Steuermann wurde von den übrigen Mitgliedern einstimmig Lord Hastings gewählt, als zweiter John Davids, ein sehr beliebter, thatkräftiger, junger Mann.

Erst spät in der Nacht trennten sich die Herren, um die letzten Tage in England zur Regelung ihrer Verhältnisse und zur Ausrüstung für die Reise zu benutzen.

»Sie wohnen in meinem Hotel?« fragte Harrlington Lord Hastings. »Dann können Sie meinen Wagen benutzen.«

Als die Equipage durch die Straßen fuhr, begann plötzlich der sonst sehr schweigsame Hastings:

»Apropos, Harrlington. Errang nicht, als wir beide vor zwei Jahren in New-York zur Regatta waren, jene Miß Ellen Petersen den Sieg über Sie?«

Lord Harrlington nickte stumm.

»Alle wunderten sich damals, daß Ihre Kräfte im letzten Augenblicke nachließen, sodaß das Boot der Lady kurz vor dem Ziele an dem Ihren vorbeischoß. Offen gestanden, es war eine starke Blamage für unseren Klub, von einem Weibe besiegt zu werden.«

Harrlington seufzte.

»Ihnen will ich es bekennen,« fügte er endlich, »daß ich mit Absicht meine Fahrt mäßigte.«

»Ah!« rief Hastings überrascht.

»Als ich sah, wie die schöne Ellen vor Eifer glühte, als die erste das Ziel zu passieren, wie sie sich mit Macht in die Riemen legte, wie sich ihr in engen Trikot gekleideter Körper graziös hin- und herbewegte, da hatte ich alles andere vergessen, und als ich ihr Frohlocken über mein Zurückbleiben in ihren lieblichen Zügen sah, gab ich es auch auf, sie wieder einzuholen. Ich hätte ihr die Freude um alles in der Welt nicht verderben mögen.«

Lord Hastings schwieg eine Weile.

»Man sagte damals,« begann er dann wieder, »Sie hätten um die Hand der Siegerin angehalten und eine abschlägige Antwort bekommen?«

Eine Weile blieb Lord Harrlington die Entgegnung schuldig.

Dann streckte er plötzlich dem anderen die Hand entgegen und rief im warmen Tone:

»Lord Hastings, Sie sind mein Freund!«

Der Ueberraschte schüttelte ihm herzhaft die dargebotene Rechte.

»Das weiß doch niemand besser, als Sie selbst, wenn ich auch meine Freundschaftsgefühle nicht so äußern kann, wie dies sonst in der Gesellschaft Mode ist.«

»Ich weiß dies. Hören Sie denn: Ja, ich habe Miß Ellen meine Liebe gestanden und liebe sie noch jetzt, ohne Gegenneigung zu finden. Aber bei allen Himmeln, jetzt ist die Zeit gekommen, wo ich sie mir erringen werde! Mag sie noch so stolz, so kalt, so geringschätzend von den Männern denken, während dieser Reise wird sie sehen, was es heißt, einen Beschützer, treu bis zum Tode, zur Seite zu haben. Und führe sie bis ans Ende der Welt, ich werde ihr folgen.«

Und ruhiger fuhr er fort:

»Miß Ellen droht eine große Gefahr, von der sie selbst keine Ahnung hat; ihr Leben hängt an einem Haar. Lord Hastings, wollen Sie mir beistehen, dieses junge Menschenleben, dem meine Liebe gehört, zu beschützen?«

Wieder streckte er dem Freunde die Hand entgegen.

»Ich will,« sagte dieser einfach. »Doch wer sollte diesem unschuldigen Weibe verderblich gesinnt sein?«

»Noch kann ich es nicht sagen; es fehlen mir die Beweise, um eine Person mit Namen zu nennen. Aber jedenfalls ist beschlossen worden, sie während dieser Reise aus der Welt zu schaffen. Nicht ein abenteuerliches Unternehmen hatte ich vor, als ich die Mitglieder des Klubs zur Begleitung aufforderte. Eine Schar starker, mutiger und thatkräftiger junger Leute wollte ich um mich haben, wenn ich der ›Vesta‹ folgte. Mir ahnt, daß Sie nicht vergebens auf allerlei Abenteuer warten werden; denn jene Schurken, welche der einzigen Erbin von unzähligen Reichtümern nach dem Leben trachten, werden keine Mittel scheuen, ihren Zweck zu erreichen. Oft genug werden wir Kämpfe gegen unbekannte Feinde zu bestehen haben.«

»Desto besser,« schmunzelte Lord Hastings und rieb sich die Fäuste, mit denen er Kieselsteine hätte zermalmen können.

Der Wagen hielt.

»Gute Nacht,« sagte auf dem Korridor des Hotels Lord Harrlington. »Wir sehen uns morgen früh nicht wieder, denn ich reise mit dem ersten Zuge nach der Insel Wight. In acht Tagen treffen wir uns alle dort.«

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