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Ödön von Horváth: Exposés und Theoretisches - Kapitel 1
Quellenangabe
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typemisc
authorÖdön von Horváth
booktitleProsa Fragmente und Varianten Exposés Theoretisches, Briefe, Verse
titleExposés und Theoretisches
publisherSuhrkamp Verlag
seriesGesammelte Werke
volumeBand 8
editorTraugott Krischke und Dieter Hildebrandt
year1972
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091209
projectid76f04a5b
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Exposé: Elisabeth, die Schönheit von Thüringen

Volksstück in neun Bildern

 

Erstes Bild

Im Krankenhaus. Elisabeths Eltern warten auf dem Korridor auf ihre einzige Tochter, die heute zum ersten Mal seit ihrer Entbindung aufstehen darf. Der Vater ist ein sogenannter Herrnmensch, die Mutter seine Sklavin. Er ist eifersüchtig auf seine Tochter, kann es ihr aber nun doch verzeihen, daß sie außerehelich geboren hat. Bei dieser seiner versöhnlichen Haltung spielt auch noch die Tatsache eine Rolle, daß er, ein ehemals wohlhabender Bauunternehmer, nun völlig zugrunde gegangen ist – im Unterbewußtsein rechnet er also mit dem Gelde, das seine Tochter von dem Vater ihres Kindes bekommen muß. Er will das Kind selbst erziehen, denn die Familie ist die Grundlage des Staates.

Elisabeth erscheint und versöhnt sich mit ihrem Vater, der sie erst vor kurzem verstoßen hatte – eine rührende Szene.

 

Zweites Bild

Reichswehrkaserne. Der Leutnant schüttet dem Oberleutnant sein Herz aus: er habe ein Kind und dies Kind werde ihn noch zugrunde richten oder zumindest in seiner Karriere beeinträchtigen. Der Oberleutnant tröstet ihn und versichert ihm, daß er schon sehr recht getan hätte, daß er persönlich jeden Verkehr abgebrochen hätte und daß er nun einfach nur zahle. Man könne es zwar keineswegs wissen, ob er wirklich der Vater sei, denn er wisse es, daß der Hauptmann auch etwas mit der Elisabeth gehabt hätte. Der Hauptmann kommt und sagt, er hätte nichts gehabt, aber er hätte jederzeit etwas haben können. Der Leutnant ist ganz zerknirscht und tut sich furchtbar leid.

Nun kommt Elisabeth und stellt ihn zur Rede, warum er sich nicht mehr sehen lasse. Das Gespräch kommt darauf, daß er es bezweifelt, daß er der Vater ist. Wenn er es nicht glaubt, so brauche sie auch kein Geld mehr von ihm, sagt sie und ab. Die Kameraden beglückwünschen den Leutnant zu diesem angenehmen Ende, aber er ist halt doch noch etwas melancholisch.

 

Drittes Bild

Empörung des Vaters über ihr Benehmen, er gerät ganz außer sich, daß nun kein Pfennig mehr von dem Leutnant kommt. Er droht ihr mit dem Arbeitshaus und der Fürsorge. Er nimmt ihr das Kind als Vormund. Er verschafft ihr eine Stelle als sogenannte Haustochter.

 

Viertes Bild

Haustochter. Schicksal der Magd. Der Alte stellt ihr nach, sie beschwert sich bei der Frau, die sagt: Sie werden ihm schon Gelegenheit gegeben haben. Der Zimmerherr, ein Likörvertreter mit eigenem Auto, engagiert sie als seine Sekretärin und Geliebte. Ihre Bindung an ihn ist aber halt nur sexuell. Spiegel.

 

Fünftes Bild

Er nimmt sie mit auf seine Geschäftsreisen. Allmählich läßt sein Interesse nach xx – und stirbt auch ganz, als ihm der eine Hotelier erklärt, daß ihm diese Reisen avec geschäftlich nur schaden könnten. Er läßt sie in dem Hotel zurück und verschwindet. Nur ein sentimentaler Kofmichliebesbrief bleibt von ihm zurück. Und fünfzig Mark.

 

Sechstes Bild

Sie kommt zurück zu ihren Eltern, um ihr Kind zu sehen. Die Mutter empfängt sie, wie ein verprügeltes Tier hat sie Angst vor ihrem Manne, der gerade nicht zuhause ist – Elisabeth gibt ihr vierzig Mark für das Kind. Das Kind ist inzwischen gestorben. Der Alte kommt, Elisabeth versteckt sich. Er entdeckt die vierzig Mark, fragt die Mutter wo die her sind, aber die Alte schweigt und es bereitet ihr eine Freude, den Alten außer sich raten zu sehen. Elisabeth will sich das Leben nehmen, die Mutter hält sie davon zurück.

 

Siebentes Bild

Fabrikarbeiterin. Streik wegen Entlassung eines Betriebsrates. Sie beteiligt sich nicht an dem Streik, wird fast verprügelt von den Arbeiterinnen, der Betriebsrat beschützt sie – er erkennt ihre kleinbürgerliche Herkunft. – Sie will allein weiter arbeiten, wird aber nun von der Direktion ausgestellt, denn einer ›allein‹ kann das Werk bekanntlich nicht fortführen.

 

Achtes Bild

Animierkneipe. Die Gäste: wildgewordene Spießer und ein Tisch Intellektueller, die diese Atmosphäre schätzen, die gerne untertauchen im Schlamm, um sich besser nach den Sternen sehnen zu können. Sie halten ihr Vorträge über die Emanzipation der Frau – allmählich entdeckt sie, daß das Lokal ein besseres Puff ist, sie will es anzeigen, aber ihre Kolleginnen beschwören sie, es zu unterlassen, da sie sonst ihr Brot verlieren.

 

Neuntes Bild

Sie geht zu dem Betriebsrat, der ihr in der Fabrik seine Adresse gegeben hat, daß wenn sie sich mal bedanken wollen würde, sie seine Adresse wisse. Sie kommt und nun wird sie bekehrt. Ihr Leben bekommt einen Sinn. An diesem Abend findet noch eine Haussuchung bei dem Betriebsrat statt, und dann haben sie endlich ihre Ruhe.

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