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Christian Friedrich Hebbel: Maria Magdalene - Kapitel 1
Quellenangabe
typetragedy
booktitleMaria Magdalene
authorFriedrich Hebbel
year1997
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-02627-8
titleMaria Magdalene
pages5-142
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1844
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Friedrich Hebbel

Maria Magdalene

Sr. Majestät,
dem
KÖNIG CHRISTIAN DEM ACHTEN,
VON DÄNEMARK,

in tieffster Ehrfurcht gewidmet.

                  Dem Dichter ist es an- und eingeboren,
    Daß er sich lange in sich selbst versenkt,
Und, in das inn're Labyrinth verloren,
    Des äußeren der Welt erst spät gedenkt;
Und dennoch hat ihn die Natur erkoren,
    Zu zeigen, wie sich dieß mit dem verschränkt,
Und es in klarem Bilde darzustellen,
Wie beide sich ergänzen und erhellen.
 
Denn nicht, wie wohl ein ird'scher Künstler, spielend,
    Wenn er zurück von seiner Tafel trat,
Dem Lieblingskind, das, lüstern darnach schielend,
    Schon längst ihn still um seinen Griffel bat,
Ihn freundlich darreicht, auf nichts And'res zielend,
    Als daß es, träumend von gewalt'ger That,
Sein Meisterstück in todten, groben Zügen
Nachbilde, wie es kann, sich zu vergnügen;
 
Nur, mit sich selbst, in's Einzelste zerfließend,
    Sich endlich auch doch concentriren muß,
Und, in dem Theil als Ganzes sich genießend,
    Den Anfang wieder finden in dem Schluß,
Der, sich mit der Idee zusammen schließend,
    Ihr erst verschafft den höchsten Selbstgenuß,
Den alle unter'n Stufen ihr verneinen:
Rein, ganz und unverworren zu erscheinen;
 
Nur darum hat sie, statt ihn zu zerbrechen,
    Dem Menschen ihren Zauberstab vertraut,
Als sie, bereit, ihr: es ist gut! zu sprechen,
    Zum letzten Mal das Weltall überschaut,
Und dieser stellt nun, das Gesetz zu rächen
    Am plumpen Stoff, dem ewig davor graut,
In den geschloßnen ersten Kreis den zweiten,
Wo sie nur noch harmonisch sich bestreiten.
 
Und, Anfangs schauernd vor der hohen Gabe,
    Wird sich der fromme Künstler bald bewußt,
Daß er zum Dank sich selbst zu opfern habe,
    Und steigt nun tief hinab in seine Brust;
Er fragt nicht, ob ihn auch die Nacht begrabe,
    Er geht, so weit er kann, in banger Lust,
Und führt sein Narr im Wappen die Versöhnung,
Er hofft nur kaum auf sie, wie auf die Krönung!
 
Doch, wenn er lange so den rothen Faden
    Aus sich hervor spinnt, der ihn führen kann,
So wird er plötzlich durch den Geist geladen:
    Nun lege ihn in der Geschichte an!
Dieß ist ein wahrer Ruf von Gottes Gnaden,
    Und wer nicht folgt, der zeigt, daß er zerrann!
Ich habe vorlängst diesen Ruf vernommen,
Da hab' ich nicht gesäumt, ich bin gekommen.
 
Und wie mein Blick sich lenkte in das Weite,
    War mir auch flugs die Sehnsucht eingeflößt,
Die äuß're Welt zu schau'n in ihrer Breite,
    Allein der Mittel sah ich mich entblößt.
Doch gleich stand mir ein Genius zur Seite,
    Und von der Scholle ward mein Fuß gelös't,
Und was dieß hieß, das kann ich jetzt erst wägen,
Wo sich zur Frucht verdichten will der Segen.
 
Du warst es, Herr und Fürst! Laß' Dir's gefallen,
    Daß ich zum Danke jetzt dieß kleine Bild,
Vielleicht das einfach-schlichteste von allen,
    Worin sich mir das Welt-Geschick enthüllt,
Dir bringe, und, wenn sich's für Königs-Hallen
    Auch schlecht nur eignet, sey ihm dennoch mild!
Es ist des neuen Frühlings erstes Zeichen,
Und als das erste durfte ich's Dir reichen!
 

Vorwort
 
1. Akt 2. Akt 3. Akt

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