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Gorch Fock: Nach dem Sturm - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
authorGorch Fock
titleNach dem Sturm
publisherM. Glogau jr. Verlag
year1943
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080119
projectidc276e72e
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Gorch Fock.

Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Gorch Fock in der Seeschlacht im Skagerrak sein Leben hingab, und sein Wort »Was wißt ihr von Gorch Fock? Nach meinem Tode sprechen wir uns wieder!« hat sich wunderbar erfüllt.

Als er noch lebte, kannten viele seine Bücher, wenige kannten ihn. Wer ihm begegnete, fühlte wohl, daß da ein besonderer Mensch vor ihm stand, aus seinen Augen leuchtete eine wundervolle Klarheit und Reinheit, aber auch etwas Fernes, aus Geheimnisvollem, Unirdischem gespeist: er stand wie auf einem unsichtbaren Postament, eine Stufe höher als die anderen: ein Einzelner, Einsamer, in sich Abgeschlossener.

Und dieser Mann, in seinem Leben vielen undurchsichtig und fremd, ist nach seinem Tode tausenden Herzen lebendig geworden – eine weithin leuchtende Fackel. Wie wurde das möglich?

Weil wir in ihm das Beispiel eines reinen, guten, großen Menschen haben.

Ein Mensch, angekettet in seinem bürgerlichen Leben, eingespannt in engste Grenzen, dennoch freudig seine tägliche Pflicht erfüllend, weil Pflichterfüllung ihm oberstes Gesetz war, aber sich verschließend gegen die Welt, aus Angst, sich zu verschwenden an Nebensächliches und darüber Wesentliches zu versäumen. Ein Mensch, der die Pflicht gegen sich selbst zu höherer Pflicht erhob, nicht aus Hochmut, nicht aus Selbstsucht: aus dem innern Zwang, seine Fähigkeiten und Kräfte zu höchster Wirksamkeit auszugestalten, getrieben von der einen Idee, sich zu vollenden.

Für ihn bedeutete leben: lernen, schaffen, wachsen – vieles hinter sich lassen, um weniges ganz zu tun, aus der Enge in die Weite vorzudringen, aus der Tiefe in die Höhe, Gott entgegenzureifen, den Menschen ein Segen zu werden.

Immer mehr wurde er der, den er sich selbst als Ideal hoch in die Wolken gestellt hatte – das Wunder seines Lebens war: daß Idee und Tat eins waren. Er sprach und dichtete nicht anders als er lebte, die Idee des Guten war immer lebendig in ihm. Unendlichkeit, Ewigkeit, Gott, das waren nicht Worte, mit denen er spielte, das waren die Bezirke, in denen seine Seele zu Hause war, auf die sich alles, was er tat, bezog, in die er sein Leben und Wesen und Werken hineingebaut hatte. Sein Leben war unablässiger Gottesdienst.

Er fühlte sich nicht vollendet, als das Schicksal ihn auswählte für die Reihen des Todes, und er hätte gewünscht, Deutschland mit seinem Leben zu nützen statt mit seinem Ende – aber Gott, dem er sich ganz in die Hände gab, vertrauend und bereit, hat seine Sehnsucht auf höhere Art gekrönt: wohl ist er tot im irdischen Sinne, aber in einem höheren Sinne – und auch in seinem eigenen – lebt er, vollendet, – denn er wurde, was ihm als Ziel seines Lebens erschienen war: ein Segen seinem Volke.

Sein Tod hat ihn weithin sichtbar gemacht – und ein Denkmal ist aufgerichtet für ihn in unserm Herzen, unzerstörbar und ewig:

Hier lebt Gorch Fock.

Möge er, der uns Norddeutschen vertraut ist durch sein Werk wie durch sein Menschentum, auch im Süden und im Osten und im Westen unseres Vaterlandes den Menschen ans Herz wachsen, daß er ihnen nicht nur ein edler Begriff sei, sondern ein naher Freund werde durch das, was er schuf.

Das ist unser Wunsch und der Sinn dieses hoch-deutschen Geschichten-Buches.

Hamburg, 31. Mai 1936, 20. Todestag von Gorch Fock.

Aline Bußmann.

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