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Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien - Kapitel 72
Quellenangabe
typetractate
booktitleWanderjahre in Italien
authorFerdinand Gregorovius
year1997
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
isbn3-406-42803-7
titleWanderjahre in Italien
created19990121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1856
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Überall sah ich Truppen, welche auf diesem uralten Kriegstheater sich gut ausnahmen und mich noch lebhafter zu Betrachtungen über die Schicksale dieses schönen Landes anregten. Denn hier beginnt das Gebiet der süditalischen Geschichte. Im früheren Mittelalter zerfällt sie in drei Gruppen: in die der langobardischen Staaten Benevent, Salerno, Capua, in die des byzantinischen Kalabriens und in die Geschichte der Seerepubliken Neapel, Amalfi, Gaëta, Sorrent. Später wird all dieses Land normannisch. Indem nun hier so viele streitende Mächte um den Besitz ringen, Langobarden, Griechen, die Kaiser Deutschlands, die Päpste, die Republiken, die Sarazenen, wird die Geschichte Süditaliens ein wahres Chaos. Die Hölle Dantes ist nur ein schwaches Schattenspiel gegen all die Leidenschaften und Verbrechen, die in Wirklichkeit in den Staaten und an den Höfen dieses heißen Landes gespielt haben. Ihre Geschichte fehlt noch; sie ist ein Labyrinth. Monte Cassino hat noch viele Schätze dafür in seinen Diplomataren, namentlich dem von Gaëta. Die berühmte Geschichte Giannones, in den Partien über Justiz und bürgerliche Einrichtungen trefflich, ist doch im ganzen nicht gründlich und unter die Forderungen der heutigen Wissenschaft herabgesunken.

Da ist die Brücke über den Fluß Melfa, der seinen alten Namen nicht geändert hat. Er fließt noch im Oktober als ein fast vertrockneter Bach in seinem weißen breiten Kieselbett dem Liris zu. Man glaubt, daß er einst die Grenze des Kirchenstaats oder römischen Ducats gegen das langobardische Herzogtum Benevent gebildet habe, aber dies ist zweifelhaft, und wahrscheinlich war die alte Grenze, wie noch heute, der Liris. An der Brücke lagern Reiter um einen Heuschuppen, ihre Lanzen mit den roten Fähnchen rings angelehnt – ein prächtiges Bild für Niederländer.

Bald nachdem man die Brücke hinter sich hat, öffnet sich die blühende Campagna von Aquino und Pontecorvo, die man auf der herrlichsten der Straßen, der von Capua, durcheilt. Links hat man ganz nahe die Kette des Apennin mit dem hohen Cimarone, mit den Felsenorten Castello, Rocca Secca, Pallazuolo, Piedemonte; weiter steht der gewaltige Berg Cairo, das Ziel unserer Reise, und hoch neben und unter ihm sehen wir schon die palastartigen Gebäude und die Kuppel von Monte Cassino, dem mittelalterlichen Athen in der Nacht langer Jahrhunderte. Dort oben schrieb Paul Diaconus seine Geschichte der Langobarden.

Auf der rechten Seite der Ebene die blauen Reihen des Volskergebirgs in ähnlicher Bildung wie die Berge von Segni und Gavignano; auf ihnen mancher Ort, S. Giovanni in Carico, Pontecorvo, die kleine päpstliche Enklave, einst Besitz Bernadottes, ferner Oliva, Rocca Guglielma und andere. Der Liris fließt zu Füßen der Berge durch das reiche Gefilde, das er nur zögernd zu verlassen scheint, denn er windet sich in vielen Krümmungen hin und her; rauschende Bäche stürzen sich noch von allen Seiten in ihn hinein, und es ist wahrhaft entzückend, seinen sonnengoldigen Wasserspiegel hie und da aufleuchten zu sehen.

Wie mögen hier die Sarazenen geschwelgt haben! Denn wohnlichere Ufer fanden sie weder am Guadalquivir, noch am Sebethus oder am Fluß Cyane. Viele Völker zogen seit den Römerzeiten verheerend durch dieses Paradies: die Westgoten Alarichs und Ataulfs, die tapferen Goten des Totila und Teja, Isaurier, Hunnen, Sarmaten, Griechen; die furchtbaren Fremdenhorden des Leuthar und Bucelin; die bildsamen Langobarden, welche dieses Land endlich erfüllten, kolonisierten, wieder blühen machten; die Araber, die Ungarn, die Normannen, Franzosen, Spanier, Deutsche – alle hat dieses Gefilde als Feinde in ihren blutigen Zügen in das untere glückliche Campanien gesehen; denn es ist der Schlüssel der neapolitanischen Landschaft.

Da sehen wir auch im Hintergrund die Berge gegen S. Germano über, auf denen Rocca d'Evandro (eigentlich Bantra), S. Pietro in Fine, S. Elia stehen, und wo der hohe Aquilone hervorragt. Der größte Teil der alten Diözese Monte Cassino lag in dieser schönen Ebene, und jenem Kloster verdankten viele Orte ringsumher ihr Entstehen. Dieses «letzte» Latium hat keineswegs den großen Ernst der römischen Campagna; alles ist hier südlicher, wärmer an Farbe, weicher, besser bebaut; alles näher zusammen und auch weniger von Hügeln durchschnitten.

Da eben Fiera in S. Germano gewesen war, zogen mir viele Landleute entgegen. Ihre Tracht gleicht noch der im Saccotal; Ciociaren oder Sandalenmänner sind noch sichtbar, aber die Frauen tragen statt des Busto einen weichen Latz an Achselbändern und zwei Kleider übereinander, deren oberstes wie eine Schürze von hinten umgenommen wird, was sehr gut aussieht.

Ich lade nun den Leser ein, die capuanische Straße zu verlassen und rechts ab nach dem nahen Aquino zu fahren, welches mitten in der Ebene liegt. Wir durchschneiden mit Vergnügen die frisch gelegten Schienen der Eisenbahn, die bis hierher fast beendigt ist. Leider wird ihre Eröffnung sich verzögern; wir rühmen die neapolitanische Regierung, daß sie mit dieser wichtigen Bahn vorrückte, und wir beklagen, daß von der römischen Grenze her ihr noch nicht entgegengekommen wird. Denn die Campagnabahn führt dort erst bis unter Albano. – (Seit dem Frühling des Jahres 1862 ist die ganze Bahnstrecke von Rom bis Neapel in Gang gesetzt, und zwar verdient die päpstliche Regierung das Lob, daß sie mit ihrer Linie bis Ceprano früher fertig war als die italienische mit der Strecke von Capua bis zur Lirisbrücke.)

Auf einem Feldweg zwischen Maisäckern hinfahrend erreicht man Aquino in einer Viertelstunde. Die zur Römerzeit große Stadt Aquinum ist zu einem langen und schmalen Borgo zusammengeschrumpft, aus dem ein einzelner Kirchturm hervorragt. Ihre ganz ebene Lage an einem Bergwasser hat nichts Ausgezeichnetes, aber das Grün der Bäume und Gärten umher macht sie idyllisch schön, und der Horizont ist unvergleichlich. Seitwärts liegen die Trümmer der römischen Stadt, Tore, Mauern, Überreste von Tempeln der Ceres und der Diana, doch sie bieten nichts Merkwürdiges dar. Nahe am Wasser eine mittelalterliche Kirche des 11. Jahrhunderts, Santa Maria Libera, in Ruinen, von trefflichem Stil, eine dreischiffige Basilika, über deren Portal eine byzantinische Madonna in Mosaik noch sehr gut erhalten ist. So grenzen die Trümmer der zwei Epochen Aquinos, des Altertums und des Mittelalters, aneinander, und ihnen gehören auch die Berühmtheiten der Stadt.

Ein Kaisername verherrlicht kaum Aquino; es ist Piscennius Niger, der hier aus niederm Stande wie Marius geboren war. Der tüchtige Mann schwang sich zum Befehlshaber Syriens auf, nahm nach des Pertinax Ermordung den Purpur und erlag bald dem Afrikaner Septimius Severus, der ihn schlug, ergriff und enthaupten ließ. Größern Ruhm erwarb Aquino durch zwei andere Söhne. Sie sind Charaktergestalten jener beiden Epochen und stehen hier so nebeneinander wie die Ruinen eines römischen Tempels und der Basilika S. Maria Libera.

Gibt es grellere Gegensätze, als welche durch die Namen Juvenal und S. Thomas von Aquino ausgesprochen werden, des größten Satirikers heidnischer Fäulnis Roms, und des größten Philosophen scholastischer Theologie, welchen man den «Doctor Angelicus» nennt? Es scheint, als hätten sich die schneidenden Widersprüche in Aquino hervorgefordert, wie die römische Verderbnis die christliche Buße gefordert hat.

Juvenal führt uns unmittelbar in den Zustand Roms ein, den jener Marius von Arpino einleitete und das julische Geschlecht nach dem Sturz der Republik befestigte – Rom eine Blutlache, ein moralischer Sumpf, eine einzige Lüge – alles darin verpestet, geistig und physisch krank, und alles feil; der Adel, die Bürger, alle schwelgend oder hungernd um die Tafel eines einzelnen Despoten – die Alleinherrschaft das furchtbare Fatum der Welt – der Gedanke, die Schrift, die Tribune geknebelt, nur die Schmeichelei frei – nichts als Sklavensinn, Genußsucht und grenzenlose Prostitution der Natur – in dieser von Wollust und Furcht gequälten Masse einige in sich gekehrte stoische Geister, welche ihrem moralischen Ekel in Satiren und Geschichtsbüchern Luft machen, sobald es ein milderer Despot erlaubt.

Juvenal war in Aquino geboren, doch sein Leben ist dunkel, wie das der meisten Poeten des Altertums, und diese Dichter sind deshalb nicht zu beklagen. Ihre Gestalt tauchte schön in die Mythe hinab. Kein indiskreter Erbe, Freund oder Verwandter edierte ihre Briefe, kein Journalist beschrieb mit tantenhafter Sorgfalt ihr Aussehen bis zum kleinsten Muttermal, noch begleitete er jeden ihrer Schritte von Kindesbeinen an, noch zählte er ihre Tugenden, Schwächen, Fehler und Schulden bei Juden und Christen und andere Verlegenheiten auf. Das dunkle Leben des Horaz, Virgil und Ovid umfaßt ein paar Blätter; von des Äschylus und Euripides Tode erzählt nur die Mythe; der feine Terenz erlosch in der Stille irgendwo in Hellas am Stymphalischen Sumpf.

Daß Juvenal in Aquino geboren sei, erfahren wir aus einem einzigen seiner Verse. War er in Ägypten oder in Schottland verbannt? Wo starb er? Die Götter wissen es allein. Sein langes Leben wurde durch die Zeiten des Claudius, Nero, Galba, Otho, Vitellius, Vespasian, Titus, Domitian, Nerva, Trajan und Hadrian erfüllt, verfinstert und erhellt; worin er also die schrecklichsten Widersprüche sah, eine Reihe von wüsten Teufeln, eine Reihe von guten Genien auf dem Thron der Welt, die in Wahrheit elendeste, die unwahr «glücklichste» Epoche des Menschengeschlechts.

Es läßt sich kaum ausdenken, was ein fühlender Mensch über das Leben gedacht und empfunden haben muß, der das verzerrte Antlitz eines Nero und das milde Angesicht eines Titus leibhaftig gesehen hat.

Wenn nun jene Doppelreihe von Imperatoren umgekehrt in sein Leben gefallen wäre, wenn er statt unter Claudius unter Titus wäre geboren worden, so besäßen wir vielleicht Juvenals Satiren nicht; aber die Eindrücke der Jugend bestimmen die Richtung des Geistes, und im Grunde: die römische Gesellschaft war zu Titus' Zeit wie sie zu jener Neros gewesen war. Unglücklicher Juvenal! weil verdammt, der Dichter seiner Epoche zu sein. Seine Sprache, seine Darstellung, unter dem Druck der römischen Atmosphäre, unter dem Krampf seiner Erbitterung schon dunkel, schwer und gezwungen wie die des Tacitus, gleicht klassischen Gebilden, für deren Form nicht Marmor oder Ton, nein Kot den Stoff hergab. Wer wird ohne Ekel seine zwei Satiren über die Männer und Frauen Roms lesen? wer nicht einen reichbegabten Geist beklagen, für den die Quelle der Begeisterung der Sumpf des damaligen Geschlechts sein mußte? «Facit indignatio versum, qualemcunque potest.»

Man hat Juvenal mit seinem edlern und größern Zeitgenossen Tacitus verglichen, und darin ist manche Wahrheit; aber den Geschichtschreiber jener Epoche befreite doch einigermaßen das Bewußtsein von dem tragischen Gericht, welches an der Despotie stets vollzogen wird. Was dagegen erlöst den Satiriker oder Unzuchtmaler von der endlosen breiten Masse der Gesellschaft, die er voll Abscheu schildern muß? Und doch, wie hoch steht selbst ein Geist wie Juvenal über heutigen Roman- und Dramenschreibern, welche, lüsterner als Petronius, doch schwächlicher, das Laster mit süßlich sentimentalen Reizen malen und feile Metzen als engelhafte Ideale schildern. Preisen wir Deutsche uns doch wenigstens darin glücklich, daß wir weder einen Juvenal, noch einen Sue oder Dumas in unserer Literatur zählen, sondern Schiller, dem hochherzigen Dichter der Freiheit und des Menschenideals, noch frische Kränze auf das Haupt setzen dürfen.

Beide Römer, Juvenal wie Tacitus, seufzten nach der verlorenen republikanischen Freiheit Roms; beide verzweifelten an der Zukunft, die ihnen nur als Abgrund erschien, doch mehr noch Juvenal als Tacitus. Vor beiden stand das von ihnen schon erlebte, noch als Judensekte verachtete, unverstandene Christentum als ein verschleiertes jugendliches Menschheitsideal. Es sollte einst die Despotie und Lüge Roms durch die Germanen zertrümmern, deren Naturfrische und heroische Einfalt Tacitus bewundert hat.

Das Christentum... wir stehen in den Trümmern von Aquino... ein berühmter Heiliger, der Doctor Angelicus, tritt aus den Ruinen der S. Maria Libera hervor, ein Mann in der Dominikanerkutte, Bücherrollen unter dem Arm, von hoher, trockener Gestalt, doch gekrümmt, mit einem mächtig großen Kopf, das Gesicht dunkelbraun und runzelig, aber von weichlichem Fleisch, «molli carne quae acumen ingenii et excellentiam indicaret».

Tausend Jahre und mehr waren nach Tacitus und Juvenal vergangen, als, nicht in Aquino, sondern dort oben in der malerischen Burg Rocca Secca, Thomas im Jahre 1224 geboren wurde. Dieses Kastell hatte der Abt Manso von Monte Cassino auf dem Berg Aspranus am Ende des 10. Jahrhunderts gebaut. Es gehörte dann den langobardischen Grafen von Aquino aus der alten Familie Landulf. Der Vater des Thomas war der Graf Landulf, seine Mutter Theodora Caracciolo, sein Oheim Landulf aber war Abt von Monte Cassino. Als der Knabe fünf Jahre alt geworden, brachten ihn die Eltern oben im Kloster dem S. Benedikt dar, aus Eitelkeit, denn sie hofften, daß er einst Abt sein werde. Es war immer Sitte bei den Benediktinern, Kinder zarten Alters unter die Mönche aufzunehmen, und sie ist es noch. Don Luigi Tosti, heute ein berühmter Geschichtschreiber Italiens, Don Sebastiano Kalefati, der gelehrte Bibliothekar, beide würdige Männer, deren Namen mancher deutsche Gelehrte mit Freude begrüßen wird, kamen schon mit acht Jahren dort ins Kloster.

Sieben Jahre blieb Thomas dort, dann ging er nach Neapel, wo er ebensolange Theologie studierte; er wurde Dominikaner, er studierte in Paris, er ging nach Köln, Weisheit von dem Wundermann Albertus Magnus zu lernen; er ward Professor in Neapel, und er starb am 7. März 1274 bei Piperno im Zisterzienserkloster Fossanova, nur wenige Stunden von seiner Heimat entfernt. Dies also ist der große Mann des Mittelalters, der die Philosophie eigentlich in die Theologie eingeführt oder sie zu einem philosophischen System erhoben hat. Wenn man heute den Namen der Scholastik nennt, so denkt man nicht mit Unrecht an ein Labyrinth, welches der nüchterne, kleinliche, zerteilende, wieder einschachtelnde und verdumpfende Verstand in einer öden Muße von Jahrhunderten gebaut hat. Wer wird heute noch in die «Summa» des Thomas von Aquino hineintauchen, wer sich in diesen finstern Geisterwald wagen, in dessen Dickicht der aristotelisch-christliche Gedanken-Minotaurus liegt? Diese kolossale Gotik der Philosophie betrachten wir heute wie ein staunenswürdiges Altertum, und ihre haarscharfen Distinktionen, ihre moralischen und spekulativen Untersuchungen, ihre weit von jedem Lebenszweck abliegenden Probleme beschäftigen ein praktischer oder materieller, oder im Denken freier und einfacher gewordenes Geschlecht nicht mehr. Doch vergessen wir nicht, daß auch jene Systeme Fundamente für die Wissenschaft des Denkens sind, und gestehen wir, daß der Mensch des 19. Jahrhunderts den höchsten Fragen, die der Geist aufwerfen mag, gerade so ratlos gegenübersteht wie ein Scholast des Mittelalters oder wie der erste Mensch im Paradies. Scheiden wir denn von Aquino, froh, auch solchen Boden gesehen zu haben. Wir kehren auf die Straße von Capua zurück, von wo uns eine kleine Stunde an den Fuß des Cairo bringt; wir rollen um den Berg; das römische Amphitheater bei S. Germano, diese freundliche Stadt selbst, die berühmte Burg Janula über ihr, liegen vor uns, und Monte Cassino dort oben erwartet uns. Indes es ist genug, und dieser Blätter schon zuviel. Wenden wir uns aber zurück, zu überdenken, was alles der Wanderer auf einer so kurzen Wegestrecke, als wir durchmessen haben, betrachten darf, so müssen wir den Reichtum dieses Landes bestaunen. Keines in der Welt ist so ganz von Geist durchdrungen und beseelt. Natur und Geschichte haben ihr vollstes Füllhorn über Italien ausgeschüttet, und jede Epoche hat ihre Entwicklungsformen in ihm dargestellt. Ist doch Italien die Mutter des Abendlandes und die Pandora seiner Kultur, im guten wie im bösen Sinne. Wenn es sich nun immer wieder erhebt und von den Völkern, die es zum Teil einst gebildet hat, und von denen allen es reichlich genossen, ausgebeutet, beherrscht worden ist, endlich seinen selbständigen Sitz unter den Nationen Europas begehrt, so fordert es nur sein unbestreitbares Recht zurück. Ja! Dies Land ist edel und der Liebe des Menschengeschlechts wert. Selbst mitten in dem grenzenlosen Chaos der Gegenwart, bei der ekelhaften Vermischung von Trug und Wahrheit, selbst heute nicht können wir Deutsche die Stimme des wärmsten Mitgefühls für die Befreiung dieses Landes, noch werden wir je sie unterdrücken.

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