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Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien - Kapitel 48
Quellenangabe
typetractate
booktitleWanderjahre in Italien
authorFerdinand Gregorovius
year1997
publisherC. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung
addressMünchen
isbn3-406-42803-7
titleWanderjahre in Italien
created19990121
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1856
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Ich will bei dieser Gelegenheit einer sonderbaren Sitte Latiums nicht vergessen. Eines Abends erhob sich auf dem Platz der Stadt ein fremdartiges, ohrenzerreißendes Getöse von allerhand nicht bestimmbaren Instrumenten; ich trat hinaus und fand die große wie die kleine Jugend Genazzanos vor einem Hause versammelt, wo sie allem Anschein nach eine Katzenmusik darbrachte. Nie, selbst nicht auf deutschen Universitäten, hörte man eine genialer erfundene Disharmonie von Instrumenten. Denn diese stießen schauderhafte Töne aus der gewölbten Meermuschel, die aus dem Kuhhorn, jene klapperten mit Winzermessern, Spaten, eisernen Pfannen; dieser hielt ein Bündel von allerhand eisernen Dingen an einem Faden, welches er mächtig schüttelte, und jener rasselte über dem Straßenpflaster mit einer alten Kasserolle, die er im Halbkreis an einem Strick hin und her schleifte. Ihrer zehn oder zwölf läuteten mit Kuhglocken auf das allervergnüglichste. «Sagt», so fragte ich einen Herrn, welcher dem lärmenden Haufen lachend zuhörte, «was bedeutet dieses sonderbare Wesen?» «In dem Hause dort», so antwortete er, «wohnt ein Witwer, welcher eben geheiratet hat,- man bringt ihm die Scampanellata.» So heißt der ziemlich barbarische Gebrauch von dem Ausläuten der Kuhglocken. In ganz Latium herrscht diese alte Sitte, einem Ehepaar, dessen einer oder der andere Teil vorher verwitwet war, durch drei Abende vor dem Haus eine Katzenmusik zu bringen. Und so taten sie's dreimal in Genazzano, indem sie nach vollbrachtem infernalischem Spektakel durch den Ort zogen, voran auf einer Stange eine Kürbislaterne tragend; die Prozession setzte so ungestört durch alle Straßen diese höllische Musik fort, nicht anders, als zöge eine Schar Dämonen, die Nacht durchschwärmend, durch dieses friedliche Städtchen.

Denn friedlich ist Genazzano wahrlich; seine Bewohner, sanftmütiger und auch abergläubischer als die Nachbarn, scheinen diese Gemütsart der Bedeutung der Stadt mit zu verdanken, welche ein so berühmter Wallfahrtsort ist, daß ihre reiche Kirche heute in Latium die Stelle des Tempels der Fortuna in Präneste vertritt. Ich habe das berühmte Fest der Madonna in Genazzano am 8. September miterlebt und kann daher davon erzählen. Vorher jedoch berichte ich von der fabelhaften Geschichte ihres Bildes, welche ein Seitenstück zu der Sage vom heiligen Hause in Loreto ist.

Zu Skutari in Albanien erschien in derselben Zeit, als die Casa Santa von Nazareth nach Loreto durch die Luft getragen wurde, ein heiliges Bild der Muttergottes, sei es vom Himmel herab oder aus einem unbekannten Ort, vor den Türken flüchtig. Man nannte es die Madonna del buon Officio, das heißt vom guten Dienst. Nun geschah es, daß im Jahre 1467 zwei Pilger, welche den Türken entweichen und nach Italien gehen wollten, vor dieses Heiligenbild traten, um für ihre Wanderung Glück zu erflehen. Aber zu ihrem Erstaunen sahen sie an Stelle des Bildes eine weiße Wolke und diese sich gegen Abend fortbewegen. Sie folgten ihr bis an die Küste des Adriatischen Meeres, und weil das Gewölk seine Reise über Meer fortsetzte, überschritten auch die Pilger trocknen Fußes die Wellen, weiter und weiter nachfolgend, bis die glänzende Wolke in der Nähe Roms ihren Blicken entschwand. Dort hörten sie alsbald, es sei in Genazzano ein Bildnis der Madonna erschienen; sie eilten nach dieser Stadt und fanden hier das Bild von Skutari wieder.

Seit dieser Zeit begann die Madonna in Genazzano, welche «vom guten Rat» genannt wurde, Wunder zu tun; eine Kirche wurde ihr erbaut, nebst daranstoßendem Kloster; der Orden der Augustiner setzte sich in Besitz dieses heiligen Schatzes, der nicht minder, wenn nicht mehr einträglich ist als die Madonna des Augustinerklosters in Rom. Denn diese Gottheit von Genazzano genießt durch ganz Latium eines Rufs, welcher demjenigen alter Orakel der Heiden gleichkommt. Zweimal im Jahre, im Frühling und Sommer, wird ihr Fest gefeiert und so eine doppelte Ernte von Opfergaben gehalten; nicht zu zählen sind außerdem die Geschenke an Geld und Kostbarkeiten, welche Gläubige ihr darbringen. Weil auch der ärmste Landmann sein Scherflein auf den Altar der Jungfrau niederlegt, so darf man sagen, daß dieses eine Heiligenbild die ganze lateinische Campagna so gut besteuert, wie der Staat selbst es tut. Man sagte mir, daß die Opfergaben durch Genossenschaften aufgebracht werden; jeder Teilnehmer legt in die gemeinschaftliche Kasse monatlich fünf Bajocci, und so geschieht es, daß eine wandernde Kompanie bisweilen 100 Skudi mitbringt. Die jährliche Rente der Wallfahrtskirche schätzt man auf 7500 Taler.

Das Bild steht in einer sauber geschmückten Kirche, in einer Kapelle, welche Lampen erhellen. Den unmittelbaren Zutritt verwehrt ein Gitter von Eisenstäben, und auch sonst ist es für gewöhnlich mit einer Decke von gelber Seide verschleiert. Man rühmt von ihm, daß es, von Engeln durch die Lüfte getragen, auch in jener Kirche nicht ausruhe, sondern von unsichtbaren Händen schwebend erhalten werde. Ich sah es mehrmals enthüllt, konnte indes seinen überirdischen Zustand nicht erkennen.

Schon zur Vigilie des Festes kommen die Pilgerscharen; dann beginnt sowohl der Ort als die ganze Landschaft sich seltsam zu beleben und die Luft vom Gesange der Litaneien unablässig zu erschallen. Alle Straßen zieht es entlang, bunte Schwärme, doch geordnet; sie kommen von den Abruzzen, aus dem Sandalenlande, von Sora, vom Liris her, die meisten aus dem Gebiet der lateinischen Campagna. Es scheint sich das Fest des Jupiter Latialis vor unsern Augen zu erneuern, so viel sind diese Tausende, die heranziehen, so verschiedenartig ihre Kleidung und ihr Dialekt. Sie mit dem Gesange des «Ora» von den Hügeln herabwandern zu sehen und zu hören, in so großartiger Landschaft, dort die breite Straße herab, hier am Fluß entlang, auf Feldpfaden, und drüben und dorten wieder und wieder andere Pilgerscharen in roten, grünen und blauen Farben, die hohen Pilgerstäbe (bordoni) in den Händen, ist ein Schauspiel, welches dem Künstler, dem Poeten oder dem Historiker gleich merkwürdig sein wird.

Ich war hinausgeritten an dem Tage, da die ersten Scharen ankommen sollten, um mir für die geschichtliche Anschauung des Mittelalters diese große und alte Szene zu gewinnen. Die Comarca von Rom, in welcher noch Genazzano liegt, endigt zwei Millien weit ostwärts von der Stadt an einem Arm des Sacco, über welchen eine steinerne Brücke, der Ponte Orsini, führt, ehedem berüchtigt als Räuberstation. Jenseits beginnt die Legation Frosinone. Hier senken sich Hügel gegen den Fluß, sanft und anmutig niedersteigend, und vor den Augen entfaltet sich das herrlichste Gemälde der Ebene, der Volskerberge, der Serra und der Höhen von Olevano, zu deren Füßen im Vorgrunde schöne Baumpartien die Landschaft kraftvoll durchgliedern. An jener Brücke ist es ein passender Ort, die Pilger zu erwarten; indem sie mit ihr das Weichbild des Wallfahrtsorts betreten, halten sie dort eine kleine Rast, und sie überschreiten sie mit inbrünstigem Chorgesange und auf den Knien rutschend. So sah ich ungezählte Scharen über die Brücke ziehen; die Weiber kniend an der einen, die Männer kniend an der andern Seite derselben. Als Chorführerin diente häufig eine alte Frau, und sie erhob, wenn sie das Ende der Brücke erreicht hatte und nun aufstand, ein helles «Evviva Maria!», worin der Chor einstimmte. Dann zog die Prozession weiter, und obwohl sie der anhaltende Gesang ermüdet haben mußte, hob doch wieder entweder ein Mann oder ein Weib die Litanei zu singen an. Dieser einförmige Gesang, einfachster Ausdruck des religiösen Gefühls in der klagenden Tonart des Volks, und hin- und herströmend wie das monotone Rauschen der Wellen, übt eine bezaubernde Gewalt auf die wandernden Menschen aus. Die Prozession scheint sich in dieser trauervollen Harmonie ruhig und sicher fortzutragen. Sie scheint dieselbe wie ein sittliches Element zu durchdringen und sowohl die Schritte der Füße wie die Empfindungen der Seele zu leiten, indem sie dieselbe beständig auf das Wanderziel gerichtet hält. Ich habe bei allen jenen Zügen bemerkt, daß die Pausen nach dem Gesange ziemlich kurz waren, und daß, wenn sich durch das Schweigen die Gemüter herabspannten und die Wandernden durcheinanderzureden begannen, die Chorführerin sofort wieder den Gesang erhob.

Eine Wallfahrt wird stets auf denjenigen, der sich nicht zur Kirche bekennt, mit welcher sie zusammenhängt, einen Reiz ausüben, zumal wenn die Illusion nicht durch die Übel gestört wird, die von einem gemischten Wanderzuge immer unzertrennlich bleiben. Ihrer sind weniger bei den Wallfahrten im Süden, als bei denen im Norden; der heitere Himmel, die Nüchternheit und Bedürfnislosigkeit des Südländers entfernen von selbst viele Unordnungen; die Schönheit der Form, in welcher die südliche Prozession auftritt, die herrlichen Gewänder der Frauen, ihre Wohlgestalt und natürliche Grazie erhöhen sie und scheinen sie der Gemeinheit zu entrücken; endlich findet die Sitte in dem angebotenen Takt des Wohlanständigen, welcher dem italienischen Volk eigen ist, ihre beste Schutzwehr. Unter all diesen Tausenden, die an mir vorübergingen, unter allen Prozessionen, denen ich mich bei der Rückkehr nach vollendetem Fest anschloß, streckenweise mitwandernd, um das Volk, sein Vaterland, seine Gestalt und Sprache kennenzulernen, bemerkte ich nie einen Zug von Roheit.

Man denke ferner, daß dieses Volk, in solcher Form des religiösen Lebens erzogen, nichts Höheres hat als eine Wallfahrt nach einem seiner Heiligtümer. Wenn es ein langes Jahr in Mühe geduldet, und alle solche Schicksale und Verschuldungen sich jahrdurch ihm aufgehäuft haben, welche seine moralische Welt verwirren und sein Gemüt belasten, dann greift es für ein paar Festtage nach dem Wanderstab. Von seiner harten Scholle in den Bergen sich lostrennend und von schwerer Arbeit ausruhend, bewegt es sich einmal wieder und fühlt sich frei in Gemeinschaft seiner Dorf- und Stadtgenossen, mit denen es ein gleicher Zweck vereinigt.

Und da wandern sie den Sacco entlang und von den Hügeln herab, «come i grù, che van cantando lor lai», wie die Kraniche, die ihre Lieder singend ziehen. Es zieht das Mittelalter vorüber; ich gedachte jener Scharen von Wallfahrern, welche zum Jubeljahre nach Rom pilgerten, und mehr als einmal sprach ich bei solchem Anblick jene schönen Verse des Pilgersonetts der «Vita Nuova» aus:

Deh! peregrini, che pensosi andate
Forse di cosa che non v'è presente,
Venite voi di si lontana gente,
Com' alla vista voi ne dimostrate?

Ihr Pilger, die ihr in Gedanken geht
Vielleicht an etwas, das euch nicht vorhanden,
Kommt ihr denn wirklich aus so fernen Landen,
Als denen nach der Tracht ihr ähnlich seht?

(A. W. Schlegel)

Sie ziehen zu zehn, zwanzig, zu fünfzig, zu hundert und mehr Personen. Jedes Alter erscheint unter ihnen; der Greis wandert noch an demselben Pilgerstabe, der ihn schon fünfzigmal die Straße geführt hat, und vielleicht zieht er sie heute zum letztenmal; es wandert die Matrone mit ihren Enkeln; die blühend schöne Jungfrau, der rüstige Jüngling, der Knabe; selbst der Säugling wandert mit auf dem Kopf seiner Mutter. Denn so sah ich in einem dieser Züge ein junges Weib daherschreiten, welches auf dem Kopf einen Korb trug, worin ein lachendes Kind lag, die Augen munter aufgetan, wie als freute es sich des schönen Sonnenscheins. Es tragen wohl die meisten dieser Weiber einen Korb mit Mundvorrat oder ein Bündel mit Kleidern auf dem Kopf, was die Schönheit der Erscheinung noch mehr erhöht. Wer nun gar von den Seelen den Schleier heben könnte, der würde die verdeckte Blutschuld neben der Unschuld gemeinsam pilgern und Laster, Reue, Schmerz und Tugend im bunten Wechsel an sich vorüberschreiten sehen.

Es ist wie ein großer, schöner, doch ernster Maskenzug, was sich auf der herrlichsten Szene der Natur vorüberbewegt, in immer neuen Kostümen und Farben, auch in verschiedenen Physiognomien. Da kommen die von Frosinone; die Anagnesen, dort das Volk von Veroli, die Arpinaten, die von Anticoli, die von Ceprano, hier die Neapolitaner von Sora.

Seht die Schar von Sora! Olivendunkle Gesichter vom schönsten Oval! Die Frauen phantastisch aussehend, wie Weiber Arabiens; dicke Korallenschnüre oder goldene Ketten schlingen sich um den Hals, schwere goldene Ohrgehänge schmücken sie; ein weißes oder braunes Kopftuch mit langen Fransen umwölbt als tief herabhängender Schleier madonnenhaft Haupt und Nacken; der Busen ruht in einem weißen, in zahllose Falten zusammengezogenen, doch weiten und losen Hemde, das eine niedrige purpurrote Büste umschließt. Kurz ist das Kleid, die Farbe brennend rot oder blau, und der Saum ist gelb. Und diese großen und dunklen Augen unter schwarzen und kühn gezogenen Brauen!

Die Pilger von Ceccano! Die Weiber in amarantfarbigen Miedern, mit langen Schürzen gleicher Farbe; das weiße Kopftuch mit weit nach hinten überhängendem Ende; in Sandalen gehend. Die Männer im Spitzhut, mit amarantner Jacke; einen Gürtel um den Leib, aus buntem Band geflochten.

Pilger von Pontecorvo! Die Weiber in purpurroten, schön verbrämten Kleidern; ein roter Kopfbund; prächtig und majestätisch.

Die Pilger von Filettino: schwarzes Samtmieder; einfachste Gewandung; sauber und schön.

Ciociaren! Die Männer und Weiber vom Sandalenland! Vielleicht aus einem Ort bei Ferentino oder weiter hinweg von den neapolitanischen Grenzen des Liris und Melfa. Es ist ein Land schöner Bergwildnisse, welches von Ferentino aufwärts sich weit ins Neapolitanische erstreckt. Dort trägt das Volk die Ciocie, eine sehr einfache Fußbekleidung, wovon auch das Land la Ciociaria genannt wird. Ich fand schon vor Anagni dieses Schuhwerk im Gebrauch. Ein primitiveres läßt sich nicht erfinden, und vielleicht darf man sagen auch kein bequemeres. Wenigstens habe ich die Ciociaren aufrichtig darum beneidet. Der Schuh wird einfach aus einem viereckigen Stück der Esels- oder Pferdehaut hergestellt. Man bohrt Löcher in dieselbe, zieht einen Bindfaden durch und umschnallt mit diesem Pergament den Fuß so, daß die Sandale nach der Fußspitze sich formt und selber in eine gebogene Spitze ausläuft. Das Bein wird bis zum Knie herauf mit grober grauer Leinwand fest umwickelt und mit vielfachen Binden von Stricken oder Fäden umschnürt. So bewegt sich der Ciociare frei und bequem auf dem Feld und über den Felsen, wo er das Land gräbt (zappar la terra), oder als Hirt mit dem Dudelsack, in einen grauen, kurzen Mantel oder in Felle gehüllt, die Schafe und Ziegen treibt. Man sieht, jene Sandalen sind klassisch, und Diogenes würde sie, wenn er nicht barfuß ging, getragen, Chrysippus oder Epiktet in einer Abhandlung über die Bedürfnislosigkeit der Weisen sie verherrlicht haben. Ist dies Schuhwerk wohl hergerichtet, und zumal die leinene Beinschiene noch neu, so sieht es gut aus, aber schlecht und lumpen- oder bettelhaft, wenn sich diese Beinkleidung zerfasert. Und da dies häufiger der Fall ist, gibt es dem Sandalenvolk den ausgeprägten Charakter der zerlumpten Armut, und seine Name wird mißachtend, ja bisweilen als Schimpfwort gebraucht. Als mir eines Tags ein Bürger von San Vito das schöne Panorama der Campagna zeigte, sagte er. «Seht, Herr, dort, dort liegt die Ciociaria», und er lächelte mit einer gewissen vornehmen Geringschätzung.

Die Ciociaren tragen lange, brennendrote Westen und einen spitzen, schwarzen Filzhut, an welchem selten eine bunte Feder, eine Schleife oder Blume fehlt. Ich fand unter ihnen, wie überhaupt in der Campagna von Rom, auffallend viele Menschen mit blonden Haaren und mit blauen Augen. Sie scheren das Haar kurz am Hinterkopf wie die preußische Landwehr, und lassen an den Schläfen lange Büschel niederhängen. Noch einen grauen, zerlumpten Regenmantel, oder ein weißes oder schwarzes Schafsfell hängen wir dem Ciociaren über, und so ist der Sandalenmann fertig; aber eine Flinte geben wir ihm nicht in die Hand, sonst wird er als Räuber im Paß von Ceprano uns anfallen und zurufen: «Faccia in terra!» und mit erstaunlicher Behendigkeit unsere Taschen ausleeren. Auch das Weib trägt die Sandalen, einen kurzen bunten Rock, eine bunte schräg oder quer gezogene Wollenschürze, ein weißes oder auch rotwollenes Kopftuch, und endlich den busto, das Hauptstück der weiblichen Kleidung überhaupt in ganz Latium. Dies ist das Mieder von steifer gesteppter Leinwand, hart wie ein Sattel, breit und hoch, und an Achselbändern auf den Schultern ruhend. In ihm wiegt sich und stützt sich die Brust; es scheint als Bollwerk die Tugend zu schirmen, als ein sogar fester Panzer umgibt es den Busen, doch lose und weit abstehend, so daß es gleichsam noch als Tasche dient.

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