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Leopold Frobenius: Das schwarze Dekameron - Kapitel 34
Quellenangabe
typenarrative
authorLeo Frobenius
titleDas schwarze Dekameron
publisherEugen Diederichs Verlag
addressDüsseldorf - Köln
editorUlf Diederichs
year1969
firstpub
correctorhille@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20100529
modified20140825
projectid6da5f9a2
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Weiberlist

Kabylen

Ein Mann hatte eine schwangere Frau. Seitdem die Frau schwanger war, bat sie jeden Tag ihren Mann: »Ich habe starke Lust auf Fleisch. Gehe auf den Markt und kaufe mir ein Stück Fleisch.« Der Mann ging dann auch jeden Tag auf den Markt, aber er brachte ihr nie ein Stück Fleisch mit. Die Frau bat jeden Tag um ein Stück Fleisch. Der Mann erfüllte ihre Bitte nie. Das ging so bis etwa einen Monat vor der Geburt.

Eines Tages traf der Mann auf dem Markt einen Freund. Die beiden Freunde begrüßten sich. Sie sprachen miteinander. Der Mann sagte zu dem Freund: »Komm heute zu mir und iß mit mir.« Der Freund war einverstanden. Der Mann kaufte auf dem Markt zwei Rebhühner. Die Rebhühner nahm er mit, ging nach Hause und sagte zu seiner Frau: »Hier sind zwei Rebhühner, bereite sie zu; ich habe einen Freund eingeladen. Unser Gast soll mit uns die zwei Rebhühner verspeisen.« Die Frau sagte: »Ich werde die Rebhühner kochen.«

Die Frau bereitete die zwei Rebhühner. Sie machte aber weder Kuskus noch Kuchen oder Brot. Der Mann kam mit seinem Freunde; der Mann sagte: »Ist das Essen bereitet?« Die Frau sagte: »Das Essen ist schon bereitet. Aber du weißt, ich bin krank, und das Kochen wird mir schwer. Gehe also noch einmal fort und kaufe einen Kuchen, ein Brot oder so etwas.« Der Mann machte sich sogleich auf den Weg zum Markt.

Die Frau blieb mit dem Freund allein. Sobald der Mann fortgegangen war, begann sie ein großes Messer zu schleifen. Der Freund sah es. Der Freund bekam Angst. Der Freund sagte bei sich: »Will die Frau mich töten?« Als die Frau das Messer geschliffen hatte, sagte sie zu dem Freund: »So, nun komm heran!« Der Freund sagte: »Was willst du?« Die Frau sagte: »Ich will dir nur die Hoden abschneiden. Das ist bei uns so Sitte, wenn der Freund zum erstenmal zu Gast ist.« Der Freund sagte: »Laß mich vorher noch einmal hinausgehen, um mein Wasser abzuschlagen.« Die Frau sagte: »Gewiß, tue dies.« Der Freund ging hinaus. Sobald er vor dem Hause war, begann er fortzulaufen, so schnell er konnte.

Sobald der Freund fort war, begann die Frau, so schnell wie sie nur konnte die beiden Rebhühner zu essen. Sie war gerade damit fertig, da kam der Mann vom Markt zurück. Der Mann fragte die Frau: »Wo ist mein Freund?« Die Frau sagte: »Frage nur auch gleich, wo die zwei Rebhühner sind!« Der Mann sagte: »Hat mein Freund sie beide mitgenommen?« Die Frau sagte: »Überzeuge dich doch selbst! Dort steht noch der Kochtopf.« Der Mann sah in den Kochtopf. Der Kochtopf war leer. Der Mann stürzte aus dem Hause hinaus.

Der Mann lief hinter dem Freund her. Der Mann sah den Freund in der Ferne. Der Mann rief hinter dem Freund her: »Laß uns wenigstens eines.« Der Freund lief so schnell er konnte weiter, rief aber zurück: »Wenn du mich einholst, kannst du sie alle beide haben.«

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