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Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Johann Wilhelm Ludwig Gleim : Gedichte - Damons und Ismenens zärtliche und getreue Liebe
Quellenangabe
typepoem
booktitleAusgewählte Werke
authorJohann Wilhelm Ludwig Gleim
year2003
publisherWallstein Verlag
addressGöttingen
isbn3-89244-498-6
titleDamons und Ismenens zärtliche und getreue Liebe
pages329-332
created20030429
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Damons und Ismenens zärtliche und getreue Liebe,

getrennet
durch einen Zweykampf,
in welchem
Herr Damon
von seinem Nebenbuhler
am 20ten August 1755 auf Auerbachs Hofe
zu Leipzig mit einem großen Streit-Degen
durchs Herz gestochen
wurde,
wovon er seinen Geist jämmerlich aufgeben müssen,
zum Trost
der herzlich betrübten Ismene
gesungen
 

1.
                Ach Damon, ach Ismene!
    Mein Herz ist weich!
Ach welche heiße Thräne,
    Wein ich um euch!
Von deiner Abentheuer,
    Du schöne Braut!
Sing ich in meine Leyer,
    Und weine laut!
2.
Ach er ist hin, Ismene;
    Dein Bräutigam,
Das zärtliche, das schöne,
    Das treue Lamm!
Die Größe deines Schmerzens
    Begreift kein Sinn!
Der Abgott deines Herzens,
    Ach, der ist hin!
3.
Ihr waret alle Beyde
    Was wen'ge sind;
Er, deine Lust und Freude,
    Und Du, sein Kind.
Den Scherz in Finsternissen,
    Wart ihr gewohnt.
Ach, bey viel tausend Küssen,
    War nur der Mond.
4.
Nun ist er weggenommen
    Und, ach, o Gram!
Er wird nicht wieder kommen,
    Dein Bräutigam!
Er gieng in jene Fernen,
    Ihn deckt kein Grab;
Er wandelt unter Sternen,
    Und sieht herab!
5.
In seiner letzten Stunde
    War ich ihm nah,
Als ich in seiner Wunde,
    Den Tod schon sah.
Freund, sprach er, meine Schöne
    Find ich einst dort!

Und, sterbend war Ismene!
    Sein letztes Wort.
6.
Man singt von seinem Tode
    Nun weit und breit,
In mancher Trauerode
    Voll Herzeleid!
Der Held, der ihn, verliebet
    In dich, erstach,
Ist auch, wie du, betrübet,
    Sagt auch: ach, ach!
7.
Er sieht mit bangem Leide
    Sein Mordgewehr!
Hat, sagt er, keine Freude
    Auf Erden mehr.
Blaß, wie ein Todtenschatten,
    Nicht mehr ergrimmt,
Klagt er den treuen Gatten,
    Den er dir nimmt.
8.
Oft sieht er ihn bey Tage,
    So, wie bey Nacht,
Springt auf, hört seine Klage,
    Wenn er erwacht.
Ein winselndes Getöne,
    Läßt ihn nicht froh!
Ach, Mörder! ach, Ismene!
    Stets rufts ihm so.
9.
Und du, ach du Getreue!
    Du achtest nicht
Des Mörders späte Reue,
    Und was er spricht.
Er raubte dir dein Leben
    Und deine Lust;
Kannst du ihm das vergeben
    In deiner Brust?
10.
Ach nein, in deinem Herzen,
    Verewigt das
Dein Elend, deine Schmerzen,
    Und seinen Haß.
Du lässest ihn nicht wieder
    Vor dein Gesicht,
Und seine Klagelieder
    Erhörst du nicht.
11.
Verzehrt von deinem Jammer,
    Gehüllt in Flor,
Bleibst du auf deiner Kammer,
    Ach komm hervor!
Komm wieder an die Sonne
    Wie gern bin ich:
Dein Labsal, Deine Wonne,
    Komm, küsse mich!
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