Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Christoph von Schmid >

190 kleine Erzählungen für die Jugend

Christoph von Schmid: 190 kleine Erzählungen für die Jugend - Kapitel 84
Quellenangabe
typelegend
authorChristoph von Schmid
title190 kleine Erzählungen für die Jugend
publisherEnßlin & Laiblins Verlagsbuchhandlung
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080308
projectid30cab2fc
Schließen

Navigation:

84. Die Fliegen und die Spinnen

Ein junger Prinz sagte einmal: Wozu hat wohl Gott die Fliegen und Spinnen erschaffen? Dergleichen Ungeziefer nützt ja keinem Menschen etwas! Wenn ich nur könnte, ich würde sie alle von der Erde vertilgen. – Sein Lehrer sprach: Die ganze Schöpfung, diese große Haushaltung Gottes, ist so weise eingerichtet, daß alle, auch die geringsten Geschöpfe, ihren Nutzen haben, obwohl wir denselben nicht immer bestimmt angeben können. – Nun wohl, sagte der Prinz, für das Ganze der Natur mögen dergleichen Tierchen immerhin nützlich sein. Allein dem einzelnen Menschen sind sie doch oft recht zur Plage. – Auch dem einzelnen Menschen, sprach der Lehrer, kann Gott durch das kleinste seiner Geschöpfe die größte Wohltat erweisen, ja wohl gar ihm das Leben retten. – Ich halte es für unmöglich, sagte der Prinz, daß ich je einer Fliege oder Spinne die Rettung meines Lebens zu danken haben könnte. – Nach einigen Jahren zog der Prinz in den Krieg und mußte sich einmal vor dem Feinde flüchten. Ermüdet legte er sich abends im Walde unter einem Baume nieder und entschlief. Ein feindlicher Soldat schlich mit gezücktem Schwerte auf ihn zu, um ihn zu ermorden. Allein in eben diesem Augenblicke kam eine Fliege und stach den Prinzen so heftig in die Wange, daß er erwachte. Er sprang auf, zog sein Schwert – und der Soldat entfloh. Der Prinz verbarg sich nun in eine Höhle des Waldes. Eine Spinne spannte zu Nacht ihr Netz vor dem Eingange der Höhle aus. Am Morgen kamen zwei Soldaten, die ihn suchten, vor die Höhle. Der Prinz hörte sie miteinander reden. Sieh, rief der eine, da hinein wird er sich versteckt haben! – Nein, sagte der andere, da drinnen kann er nicht sein; denn im Hineingehen hätte er ja das Spinngewebe zerreißen müssen.

Als die Soldaten fort waren, rief der Prinz gerührt und mit aufgehobenen Händen: O Gott, wie danke ich dir! Gestern hast du mir durch eine Fliege, und heute durch eine Spinne das Leben gerettet. Wie gut ist alles, was du gemacht hast.

Ein Tierchen sei auch noch so klein,
Es kann dem Menschen nützlich sein.

 << Kapitel 83  Kapitel 85 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.