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190 kleine Erzählungen für die Jugend

Christoph von Schmid: 190 kleine Erzählungen für die Jugend - Kapitel 79
Quellenangabe
typelegend
authorChristoph von Schmid
title190 kleine Erzählungen für die Jugend
publisherEnßlin & Laiblins Verlagsbuchhandlung
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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79. Die Karpfen

Ein Fischer hatte neben seiner Hütte einen Weiher voll schöner Karpfen, und Ottmar, der Fischerjunge, mußte von Zeit zu Zeit ein Lägel voll auf seinem Rücken zum Verkaufe austragen. Einmal stahl nun Ottmar aus dem herrschaftlichen Teiche einen schönen Karpfen, und tat ihn heimlich in das Lägel zu den übrigen Fischen. Als er aber zu der Frau Amtmännin kam, rief sie, sobald sie diesen Karpfen erblickte: Ach, der ist aus dem herrschaftlichen Weiher; ich kenne ihn genau. Ottmar bekam nichts für den Fisch und wurde noch überdies als ein Dieb vierundzwanzig Stunden eingesperrt. Nach einiger Zeit stahl Ottmar der Herrschaft abermals einen Karpfen: er kam damit zu dem Förster. Der Förster betrachtete die Karpfen in dem Lägel und sagte: Diesen da hast du der Herrschaft gestohlen! und Ottmar kam nun auf drei Tage bei Wasser und Brot in den Turm. Der junge Dieb wollte sein Glück noch einmal versuchen. Er stahl aus dem Weiher der Herrschaft einen großen Spiegelkarpfen und trug ihn auf den Fischmarkt in die Stadt, wo man von Ottmar und seinen Streichen nichts wußte. Allein ein Marktaufseher, der auf dem Fischmarkte umherging, rief auf einmal: Das ist ein gestohlener Fisch! Ottmar mußte mit dem Manne vor das Stadtgericht und bekam viele Schläge. Mich wundert nichts, sagte Ottmar, als wie man es diesen Fischen sogleich ansieht, daß sie gestohlen sind! Das Kunststück bestand aber darin, daß der Verwalter den jungen Karpfen, ehe er sie in den Teich tat, ein klein wenig von der Schwanzfloße abstutzte, und nur einigen vertrauten Leuten davon sagte. Wer nichts davon wußte, konnte es kaum bemerken. Nachdem Ottmar lange vergebens nachgesonnen, sagte er: Sei das, wie es wolle, ich weiß nun doch so viel:

Ein Diebstahl ist schwer zu verhehlen;
Am besten ist's – gar nicht zu stehlen.

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