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190 kleine Erzählungen für die Jugend

Christoph von Schmid: 190 kleine Erzählungen für die Jugend - Kapitel 36
Quellenangabe
typelegend
authorChristoph von Schmid
title190 kleine Erzählungen für die Jugend
publisherEnßlin & Laiblins Verlagsbuchhandlung
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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36. Der schöne Eichbaum

Ein Schäfer saß in dem Schatten einer Eiche und sein kleiner Sohn saß neben ihm. Da kamen drei fremde Männer, die unter der Landwehr dienten und in ihren blauen Monturen und mit ihren Helmen und glänzenden Waffen ein sehr kriegerisches Aussehen hatten. Sie blieben stehen und bewunderten die prächtige Eiche. – Ein schöner Baum! sagte der eine, wenn sein Holz zum Verkohlen taugte, wollte ich wohl etwas daran gewinnen! – Das könnte wohl sein, Kohlenbrenner! sagte der Schäfer. – Der andere rief: Wenn ich den Baum abschälen dürfte, so könnte ich mich auf ein ganzes Jahr mit Lohe versehen. – Wohl wahr, Gerber, sagte der Schäfer; es wäre aber doch schade um den schönen Baum! – Der dritte sprach: Ei, ei, wie hängt der Baum so voll Eicheln! Wenn ich meine Schweine damit füttern könnte, da wollte ich gute Würste zu Markt bringen. – Der Schäfer sagte: Die Eicheln werden bald versteigert; da müßt Ihr auch darauf bieten, Meister Metzger! – Als die drei Männer fort waren, sagte der Knabe des Schäfers: Vater, kennst du diese Männer schon länger? – Nein, sprach der Schäfer; ich sehe sie heute zum ersten Mal. – Aber, fragte der Knabe weiter, woher weißt du denn, daß der erste ein Köhler, der zweite ein Gerber, und der dritte ein Metzger sei? Man sieht es ihnen ja nicht an; sie sind alle drei wie Soldaten gekleidet. – An den Kleidern, sprach der Vater, merkt man es freilich nicht! Ich nahm es aber aus ihren Reden ab. Jeder Mensch redet gern von seinen Geschäften; am allerliebsten aber von dem, wovon ihm das Herz voll ist. So reden gute Menschen nur Gutes; böse Menschen hingegen verraten sich bald durch böse Reden, und so kann man sie leicht kennen lernen und sich vor letzteren in acht nehmen.

Was tief im Menschenherzen steckt,
Der Mund des Menschen bald entdeckt.

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