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190 kleine Erzählungen für die Jugend

Christoph von Schmid: 190 kleine Erzählungen für die Jugend - Kapitel 184
Quellenangabe
typelegend
authorChristoph von Schmid
title190 kleine Erzählungen für die Jugend
publisherEnßlin & Laiblins Verlagsbuchhandlung
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080308
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184. Der Blinde

Ein Mann, der etwas schwach am Verstande war, hatte noch überdies das Unglück, nach und nach das Augenlicht zu verlieren. Da sprach er denn in seiner Einfalt: Ich weiß gar nicht, was es mit der Sonne ist; mit jedem Tage scheint sie trüber. Sie steht so traurig am Himmel, wie ein blasser Mond. Nach einiger Zeit, da seine Augen noch mehr zerrüttet waren, sagte er: Es ist schrecklich anzusehen; aber es ist doch nicht anders! Die Sonne leuchtet nur mehr mit dunklen, schauerlich roten Strahlen, und alles, was ich um mich her erblicke, jedes Baumblatt und jede Blume hat die natürliche schöne Farbe verloren und sieht so grau aus, wie Asche, oder gar schwarz wie Kohlen. Als der Mann endlich ganz blind war, rief er: Nun ist die Sonne ganz erloschen, und jetzt zur Mittagsstunde ist es so finster, als sonst um Mitternacht. Die Leute versicherten ihn zwar, die Sonne scheine hell und freundlich in das Dörflein herein. Er aber glaubte es nicht und blieb darauf: Es gibt keine Sonne mehr und dicke Nacht bedeckt die Erde. Es fiel ihm nicht ein, den Fehler in seinen zerrütteten Augen zu suchen.

So, wie diesem Blinden, sagte ein weiser, frommer Mann, geht es dem bösen Menschen mit dem Glauben an Gott und göttliche Dinge. Indem einen solchen Menschen sein verfinsterter Sinn durchaus nichts Göttliches mehr wahrnehmen läßt, erlischt in ihm dieser tröstliche Glaube.

Gott, gib uns helle Augen,
Die, dich zu sehen, taugen!

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