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190 kleine Erzählungen für die Jugend

Christoph von Schmid: 190 kleine Erzählungen für die Jugend - Kapitel 182
Quellenangabe
typelegend
authorChristoph von Schmid
title190 kleine Erzählungen für die Jugend
publisherEnßlin & Laiblins Verlagsbuchhandlung
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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182. Das Land der redlichen Leute

1.

In einem weit entfernten Lande traten einst zwei Bauern vor den Richter. Der eine sagte: Ich habe von meinem Nachbar hier ein Grundstück gekauft; als ich es umgrub, fand ich einen Schatz darin: den kann ich mit gutem Gewissen nicht behalten. Denn ich kaufte nur den Boden und habe an den Schatz kein Recht. Der andere sagte: Ich kann das viele Gold und Silber ebensowenig mit gutem Gewissen annehmen. Ich habe das Geld nicht vergraben und es gehört mir also auch nicht. Ueberdies verkaufte ich dem Nachbar den Boden mit allem, das darin war und behielt mir nichts vor. Beide sagten: Entscheide nun du, weiser Richter, wem der Schatz gehöre. – Der Richter sprach zu ihnen: Ich habe gehört, der Sohn des einen und die Tochter des andern wollen einander heiraten. Gebt den zwei Kindern den Schatz zum Heiratgute. Die ehrlichen Männer versprachen es zu tun und gingen erfreut nach Hause.

Wie schön ist doch die Ehrlichkeit –
Die Gott und gute Menschen freut.

2.

Ein fremder Mann, der dabei stand, war höchst erstaunt und sagte: In meinem Lande wäre die Sache ganz anders gegangen. Der Käufer hätte nicht daran gedacht, dem Verkäufer nur einen Heller zu geben und hätte deswegen den Schatz verheimlicht. Wäre ihm dieses nicht gelungen, so hätte der andere geklagt und den Schatz für sich gefordert. Der Prozeß aber, der daraus entstanden wäre, hätte vielleicht mehr gekostet, als der ganze Schatz betrug. – Der Richter verwunderte sich und sprach: Scheint in deinem Lande auch die Sonne? – O ja, sagte der Mann. – Regnet es dort auch? fragte der Richter weiter. – Freilich! sagte der Mann. – Das ist sonderbar, sprach der Richter; allein gibt es bei euch auch Kühe und Schafe? – Sehr viele! sagte der Fremde.

Nun wohl, rief der Richter, so wird der liebe Gott wegen dieser unschuldigen Tiere in jenem Lande die Sonne scheinen und regnen lassen. Denn ihr verdient es wahrhaftig nicht.

Im Land, wo Treu und Glauben fliehen,
Kann weder Glück noch Segen blühen.

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