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190 kleine Erzählungen für die Jugend

Christoph von Schmid: 190 kleine Erzählungen für die Jugend - Kapitel 156
Quellenangabe
typelegend
authorChristoph von Schmid
title190 kleine Erzählungen für die Jugend
publisherEnßlin & Laiblins Verlagsbuchhandlung
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080308
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156. Die hochmütige Albertine

Fräulein Albertine wohnte in einem prächtigen Schlosse und bildete sich auf ihren vornehmen Stand nicht wenig ein. Eines Tages kam Maria, eine arme Maurerstochter, zu ihr und sprach: Mein Vater, der todkrank ist, läßt Sie bitten, zu ihm zu kommen; er hat Ihnen etwas Wichtiges zu sagen. – Das Fräulein antwortete spöttisch: Das mag wohl etwas Wichtiges sein, was so ein armer Mann mit mir zu reden hat! Geh, ich habe in deiner elenden Hütte nichts zu tun.

Ueber eine Weile kam Maria wieder und rief fast außer Atem: O liebes Fräulein, kommen Sie doch geschwind! Ihre selige Mutter hat während des Krieges eine Menge Gold und Silber einmauern lassen, und meinem Vater befohlen, den Ort keinem Menschen zu sagen, als Ihnen, wenn Sie einmal zwanzig Jahre alt wären. Jetzt ist er aber dem Tode nahe und kann nicht mehr so lange warten. Fräulein Albertine eilte nun, so sehr sie konnte; als sie aber in die Stube trat, war der gute Mann bereits verschieden. Sie kam vor Schrecken und Aerger fast von Sinnen, ließ bald da, bald dort im Schlosse die Mauern aufbrechen, fand aber nicht das geringste von einem Schatz. O, wie bereute sie es nun, daß sie durch ihren Stolz einen so redlichen Mann noch in seinen letzten Augenblicken betrübt, und sich selbst um einen großen Reichtum gebracht hatte! Obwohl diese Reue zum Teil nur aus Eigennutz herkam, und deshalb nicht viel wert war, so sah sie doch die Wahrheit der Worte ein:

Ein stolzer Sinn, ein hartes Herz
Bereitet sich und andern Schmerz.

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