Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Christoph von Schmid >

190 kleine Erzählungen für die Jugend

Christoph von Schmid: 190 kleine Erzählungen für die Jugend - Kapitel 140
Quellenangabe
typelegend
authorChristoph von Schmid
title190 kleine Erzählungen für die Jugend
publisherEnßlin & Laiblins Verlagsbuchhandlung
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080308
projectid30cab2fc
Schließen

Navigation:

140. Das bessere Land

Ein Vater und eine Mutter lebten mit ihren zwei Kindern auf einer rauhen Insel des weiten Weltmeers, wohin sie durch Schiffbruch geraten waren. Wurzeln und Kräuter dienten ihnen zur Nahrung, eine Quelle war ihr Trank, und eine Felsenhöhle ihre Wohnung. Oft tobten auf der Insel furchtbare Stürme und Gewitter. Die Kinder konnten sich's nicht mehr denken, wie sie auf die Insel gekommen waren; sie wußten nichts mehr von dem großen, festen Land; Brot, Milch, Obst, und was es dort sonst noch Köstliches gibt, waren ihnen unbekannte Dinge geworden. Da landeten eines Tages in einem kleinen Schifflein vier Mohren an der Insel. Die Eltern hatten eine große Freude, und hofften nun von ihren Leiden erlöst zu werden. Das Schifflein war aber zu klein, alle zugleich auf das feste Land hinüber zu bringen – und der Vater wollte die Fahrt zuerst wagen. Mutter und Kinder weinten, als er in das schwache, bretterne Fahrzeug stieg, und die vier schwarzen Männer ihn fortführen wollten. Er aber sagte: weinet nicht! Drüben ist es besser – und ihr alle kommt ja bald nach! – Als das Schifflein wieder kam, und die Mutter abholte, weinten die Kinder noch mehr. Aber auch sie sagte: weinet nicht! In dem bessern Lande sehen wir uns alle wieder! – Endlich kam das Schifflein, die zwei Kinder abzuholen. Sie fürchteten sich sehr vor den schwarzen Männern, und zitterten vor dem furchtbaren Meere, über das sie hinüber sollten. Unter Furcht und Zittern näherten sie sich dem Lande.

Aber wie freuten sie sich, als ihre Eltern am Ufer standen, ihnen die Hände boten, sie in den Schatten hoher Palmbäume führten, und auf dem blumigen Rasen sie mit Milch, Honig und köstlichen Früchten bewirteten. O wie töricht war unsere Furcht! sagten die Kinder; nicht fürchten, sondern freuen hätten wir uns sollen, als die schwarzen Männer kamen, uns in das bessere Land abzuholen. – Liebe Kinder, sprach der Vater, unsere Ueberfahrt von der wüsten Insel in dieses schöne Land hat für uns noch eine höhere Bedeutung.

Es steht uns allen noch eine weitere Reise in ein viel schöneres Land bevor. Die ganze Erde, auf der wir wohnen, gleicht einer Insel; das herrliche Land hier ist für uns ein, wiewohl nur schwaches Bild des Himmels; die Ueberfahrt dahin über das stürmende Meer ist der Tod. Jenes Schifflein erinnert an die Bahre, auf der uns schwarz gekleidete Männer einst forttragen werden. Aber, wenn jene Stunde schlägt, da wir, ich, eure Mutter oder ihr, diese Welt verlassen müssen, so erschreckt nicht. Der Tod ist für fromme Menschen, die Gott liebgehabt und seinen Willen getan haben, nichts als ein Uebergang ins bessere Land.

Der Christ soll Tod und Grab nicht scheuen,
Er darf sich auf den Himmel freuen;
Ihn führet Gottes Vaterhand
hinüber in das bessere Land.

 << Kapitel 139  Kapitel 141 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.