Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Christoph von Schmid >

190 kleine Erzählungen für die Jugend

Christoph von Schmid: 190 kleine Erzählungen für die Jugend - Kapitel 110
Quellenangabe
typelegend
authorChristoph von Schmid
title190 kleine Erzählungen für die Jugend
publisherEnßlin & Laiblins Verlagsbuchhandlung
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080308
projectid30cab2fc
Schließen

Navigation:

110. Das Goldstück

1.

Die kleine Agnes hatte ihren Geburtstag das fünfte Mal erlebt. Der Vater ließ ihr auf diesen Tag ein neues hübsches Kleidchen machen, und die Mutter bereitete eine kleine, festliche Mahlzeit. Der Taufpate, der dazu eingeladen war, beschenkte das Kind mit einem seltenen Goldstück. Während die Eltern nach Tische mit dem Taufpaten über allerlei Angelegenheiten redeten, geriet das Kind mit dem Goldstücke vor die Haustür. Ein Weib vom Lande ging mit einem Korbe voll Obst vorbei. – Sieh, rief das Kind, ich habe ein schönes Geld! – Sieh, sagte das Weib, mein Apfel ist doch noch viel schöner. Ich gebe ihn dir aber doch für dein Geld, weil du so artig und so lieb bist. – Die Kleine gab das Goldstück freudig hin und griff mit beiden Händchen nach dem Apfel. Das Weib machte sich eilig davon; das Kind aber sprang in die Stube und rief: Da seht einmal, was ich für meinen gelben Kreuzer für einen schönen roten Apfel eingekauft habe!

Die Mutter jammerte und der Vater zankte mit dem Kinde; der Taufpate aber sprach: wir können die kleine Agnes nun eben nicht töricht nennen. Sie kannte das Geld nicht, und in ihren Augen mußte ein Apfel allerdings mehr wert sein. Allein wie viele Erwachsene gibt es, die recht eigentlich, ja höchst töricht handeln, wir wissen, daß die Güter dieser Erde eitel und vergänglich sind, und daß nur Frömmigkeit und Tugend einen bleibenden Wert für die Ewigkeit haben. Und dennoch geben die Menschen nicht selten diese ewigen, einzig wahren Güter für nichtswürdige irdische Dinge hin.

Wie manchem ist sein ewig Heil
Für eitle Erdengüter feil!

2.

Der Taufpate, ein wohlhabender Kaufmann, ging wieder nach Hause. Abends kam das Obstweib mit dem leeren Korbe in seinen Laden. Sie kaufte Kaffee und Zucker, und gab ihm das mit Betrug erworbene Goldstück, es zu wechseln. Er aber sagte: Ei, ei, wie kommst du zu dem Goldstücke, desgleichen weit und breit keines mehr zu finden ist? Ich kenne dieses Gold sehr gut und deshalb – auch dich. Warte, ich will dich lehren, den Kindern Aepfel für Goldstücke zu verkaufen! Er ließ sie nicht mehr zum Laden hinaus und schickte seinen Ladendiener zum Stadtrichter. Zugleich kamen zwei Gerichtsdiener und nahmen die Betrügerin gefangen. Am andern Tage stellte man sie auf den Pranger und hängte ihr eine Tafel an den Hals, auf der geschrieben stand:

Es folget Strafe, Schimpf und Schmach
Betrügern auf dem Fuße nach.

 << Kapitel 109  Kapitel 111 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.