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Titus Maccius Plautus: Der Goldtopf (Aulularia) - Kapitel 2
Quellenangabe
typecomedy
booktitleDie Lustspiele des Plautus, Dritter Band
authorPlautus
translatorJohann Jakob Christian Donner
firstpub1865
year1865
publisherC. F. Winter'sche Verlagshandlung
addressLeipzig und Heidelberg
titleDer Goldtopf (Aulularia)
pages121-200
created20060214
sendergerd.bouillon
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Prolog.

Der Hausgott. Daß Keins sich wundre, wer ich sei, erklär' ich kurz:
Ich bin der HausgottJede Familie hatte ihren Hausgott oder Lar, den sie als ihren Beschüzer ehrte. S. zu 5, 5, 7. , bin der Gott des Hauses hier,
Aus welchem ihr mich kommen saht. Schon manches Jahr
Zerrann im Strom der Zeiten, seit ich dieses Haus
Beschirme; mich verehrte schon der Vater, mich
Der Eltervater dessen, der es jezt besizt.
Der Eltervater hat mir einst ganz ingeheim
Mit vielem Flehen einen Schaz von Gold vertraut:
Gerade mitten unter'm HerdDie Laren waren die Genien des Herdes, der im Vorsaale des Hauses (dem atrium) seinen Plaz hatte. Ihre Bildnisse von Holz, Stein oder Metall standen gewöhnlich auf dem Herde, und ihnen zur Ehre brannte ein beständiges Feuer auf demselben. vergrub er ihn,
Und bat mich dringend, daß ich ihn behütete.
Doch als er stirbt – so geiz'gen Sinnes war der Mann –
Thut er dem eignen Sohne nichts vom Schaze kund,
Und läßt im Elend lieber ihn hülflos zurück,
Als daß er sein Geheimniß seinem Sohn vertraut.
Er hinterließ ein kleines Stückchen Feld ihm nur,
Das ihn ernährte mühevoll und kümmerlich.
Als der gestorben, welcher mir das Gold vertraut,
Begann ich Acht zu haben, ob der Sohn mich wohl
In größern Ehren hielte, denn sein Vater einst.
Der aber achtet meiner noch viel weniger,
Und opfert, mich zu ehren, noch viel weniger.
So that ich ihm denn Gleiches; auch er starb dahin.
Und dessen Sohn ist dieser, der jezt wohnt im Haus,
Dem Vater und dem Ahne gleich an Sinnesart.
Doch hat er Eine Tochter, die mir jeden Tag
Wein oder Weihrauch spendetWein, Weihrauch, Getreide, Blumenkränze waren die gewöhnlichen Opfer, die man den häuslichen Schuzgöttern darbrachte. oder Anderes,
Auch manchen Kranz mir windet. Ihr zur Ehre nun
Hab' ich's gefügt, daß Euklio den Schaz entdeckt,
Daß er sie leichter, wenn er will, vermählen kann.
Ein junger Mensch aus gutem Hause schwächte sie.
Und dieser weiß wohl, wer sie ist; sie kennt ihn nicht;
Auch weiß der Vater von der ganzen Sache nichts.
Ich will es heute fügen, daß im Nachbarhaus
Der Alte sie zur Frau begehrt. Da macht sich's denn,
Daß der sie desto leichter kriegt, der sie geschwächt.
Und dieser Alte, der sie heut zur Frau begehrt,
Der ist des jungen Mannes Ohm, des nämlichen,
Der Nachts am CeresfesteDie Nachtfeste der Ceres, Vigiliæ Cereris, wurden von Mädchen und Frauen begangen, und waren durch die Ausschweifungen berüchtigt, welche dabei vorfielen. sie geschwängert hat.
Doch horch! Da lärmt er wiederum nach seiner Art
Im Hause drinnen, unser Greis: er jagt die Magd
Hinaus zum Hause, daß sie's nicht gewahre, wenn
Er nach dem Gold schaut, ob es noch am Plaze sei.
(der Hausgott ab.).

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