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Richard Dehmel: Richard Dehmel: Erl - Wollust
Quellenangabe
| type | poem |
| author | R. Dehmel |
| title | Wollust |
| booktitle | Erlösungen |
| publisher | S. Fischer |
| year | 1920 |
| sender | hille@abc.de |
| firstpub | 1891 |
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Wollust
Richard Dehmel
Nach Shakespeare
In wüster Schmach Vergeudung heiliger Glut
ist Wollust, wenn sie praßt; und eh sie praßt,
roh, schamlos, tierisch, aller Welt zur Last,
meineidig, tückisch, voller Gier nach Blut.
Gesättigt kaum, von Ekel schon gehetzt;
sinnlose Lüsternheit und, kaum verraucht,
sinnlose Düsterkeit, in Wut getaucht,
als hätt ein Tollwurm die Vernunft zerfetzt.
Wahnwitz im Rausch, Wahnwitz in Wunsch und Wahl,
maßlos im Taumel vor, nach, in der Brunst,
erdürstet Überglück, genossen Dunst,
verzückt vor Wonne, dann erdrückt von Qual –
Ach! Jeder kennt und Jeder geht den Weg:
zu dieser Hölle diesen Himmelssteg.
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