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Aristophanes: Die Ritter - Kapitel 2
Quellenangabe
typecomedy
booktitleKomödien
authorAristophanes
translatorLudwig Seeger
firstpub1845-48
yearca. 1960
publisherVollmer Verlag
addressWiesbaden / Berlin
titleDie Ritter
pages5-6
created20070405
sendergerd.bouillon
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Erste Szene

Vor dem Hause des Demos

Nacheinander treten auf: erster Sklave, zweiter Sklave, dann: der Wursthändler, der Paphlagonier, der Chor

Erster Sklave allein:
Au, au, au, au! O Jammer! Schwere Not!
Verderben über diesen Paphlagonier,
Den neugekauften ränkevollen Schelmen!
Seitdem der Bursch im Haus sich eingenistet,
Sind Prügel unser täglich Sklavenbrot.

Zweiter Sklave tritt heraus

Zweiter Sklave: Daß dich die Pest, Erzpaphlagonier,
Verdammtes Lästermaul!

Erster Sklave:                       Wie geht's dir, Armer?

Zweiter Sklave: Mir? Schlecht wie dir!

Erster Sklave:                                   Komm her, so wollen wir
Zweistimmig heulen des Olympos Weise.

Beide: Hü, hü, hü, hü, hü, hü, hü, hü, hü, hü!

Erster Sklave: Was hilft das Flennen! Laß uns lieber doch
Auf unsre Rettung sinnen, statt zu wimmern.

Zweiter Sklave: Was ist zu tun?

Erster Sklave:                         Sag an!

Zweiter Sklave:                                   Ich streite nicht,
Sprich du!

Erster Sklave:   Ich nicht, nein, beim Apollon, nein!

Zweiter Sklave: Sprich du getrost, dann will ich schon dir sagen –

Erster Sklave: »Willst du mir sagen, was ich sagen soll?«

Zweiter Sklave: Es juckt mich nicht! Wie könnt' ich auch so fein
Verblümt euripide'isch dir es sagen?

Erster Sklave: Ich bitte, nichts von diesem Kohl! – Laß hören,
Weißt du kein Lied zum Abschiedstanz von hier?

Zweiter Sklave: Nun, sag einmal: wir laufen, laufen, laufen!

Erster Sklave: Wir laufen, laufen.

Zweiter Sklave:                           Setze hinter: laufen
Jetzt noch das Wort: davon.

Erster Sklave:                           Davon.

Zweiter Sklave:                                     Vortrefflich!
Nun langsam erst: wir laufen, schneller dann
Nacheinander, hitzig, mit unanständiger Gebärde
                                Stoß auf Stoß: davon!

Erster Sklave: Wir laufen – laufen – laufen, wir laufen davon.

Zweiter Sklave: Nun, schmeckt dir das?

Erster Sklave:                                     Nicht übel, machte nicht
Das Ding mir bang für meine Haut!

Zweiter Sklave:                                   Wieso?

Erster Sklave: Weil oft bei dem Geschäft die Haut mitgeht.

Zweiter Sklave: Am besten wär's in solchem Fall, wir würfen
Uns fromm aufs Knie vor einem Götterbildnuß.

Erster Sklave: Nuß? – Bildnuß? Wie, im Ernst, du glaubst an Götter?

Zweiter Sklave: Ich? Sicherlich!

Erster Sklave:                           Hast du Beweise, Gründe?

Zweiter Sklave: Weil mich die Götter hassen mehr als billig!

Erster Sklave: Ein trift'ger Grund!

Zweiter Sklave: Hör, soll ich nicht dem Publikum den Fall
Vortragen?

Erster Sklave: Allein, was ist zu tun?

Zweiter Sklave: Könnte gehn! Nur müssen wir
Sie bitten, sich durch Zeichen zu erklären,
Ob ihnen recht ist, was wir tun und sagen.

Die Zuschauer nicken

Erster Sklave: So sei's gewagt! – Gegen das Publikum
                                          Wir haben einen Herrn,
Heißblütig, toll, auf Bohnen sehr erpicht,
Ein brummig alter Kauz, ein bißchen taub:
Herr Demos von der Pnyx. – Am letzten Neumond
Kauft' er sich einen paphlagon'schen Sklaven,
'Nen Gerberburschen; ein durchtriebner Gauner!
Der merkt' sich gleich des Alten schwache Seiten –
Der Hund von einem paphlagon'schen Gerber! –
Duckt sich vor ihm, mit Lecken, Schwänzeln, Schmeicheln
Und Lederstückchen fängt er ihn und spricht:
›Geh baden, lieber Demos, wohl verdient
Als Richter hast du die drei Obolen;
Komm, tu dir gütlich, iß und trink; soll ich
Den Imbiß bringen?‹ – Und dann rapst er weg,
Was wir gekocht, um sich beim Herrn in Gunst
Zu setzen. Jüngst, wie ich dem Herrn in Pylos
Spartanischen Schlachtbraten machte, lief
Der Erzhalunk drum 'rum und schnappt' ihn weg
Und setzt' ihm vor, was ich für ihn gebraten.
Uns jagt er weg, und niemand läßt er sonst
Aufwarten, mit dem Lederriemen wehrt
Er ab vom Tisch des Herrn die – guten Räte,
Singt ihm Orakel vor, daß ganz sibyllisch
Dem Alten wird und dumm und damisch. Merkt
Er das, dann intrigiert er, lügt, verleumdet
Uns all' im Haus, und unser Lohn sind Prügel.
Dann läuft er hin zu jedem, schimpft, rumort,
Schwatzt uns Geschenk' ab, fordert, droht, der Schurke:
›Seht ihr? Der Hylas hat's! Das dankt er mir.
Sucht meine Gunst, sonst müßt ihr heut noch hängen!‹
Wir schmieren ihn: wo nicht, so tritt der Alte
Auf uns herum, daß uns die Kutteln bersten.
Zum zweiten Sklaven
Jetzt aber, Freund, besinnen wir uns rasch,
Wie und durch wen uns Hilfe werden mag!

Zweiter Sklave: Wie? Freund, das beste wird wohl sein: wir laufen –

Erster Sklave: Ja, wenn's der Paphlagonier nicht merkte!
Der sieht dir alles! Denn er steht in Pylos
Mit einem Fuß, dem andern in der Pnyx;
Und, spreizt er so allmächtig auf die Beine,
Ist höchst-sein Hintrer über Steißlingen,
Die Hand in Stehlenau, sein Herz in Habsburg!

Zweiter Sklave: »Am besten ist's, wir sterben!« Aber mannhaft!
Mannhaft zu sterben, sprich, wie machen wir's?

Erster Sklave: Mannhaft? Ja, ja; wie greifen wir das an?

Zweiter Sklave: Ich denke so: wir trinken Ochsenblut!
So starb Themistokles, wir tun's ihm nach.

Erster Sklave rasch einfallend:
Nichts! Puren Wein her, und dem guten Dämon
Ein Glas! Dann fällt uns wohl was Klügres ein.

Zweiter Sklave: So, puren Wein? Dir ist's halt nur ums Trinken!
Du wirst im Rausch vernünft'gen Rat erteilen!

Erster Sklave: So, meinst du? O du Wasserkrugsalbadrer!
Du wagst's, den Wein zu schmähn, den Sporn des Denkens?
Was weckt die Tatkraft so wie Wein? – Du weißt:
Sobald die Leute trinken, sind sie reich,
Energisch, unternehmend, siegreich vor
Gericht, beglückt und andre noch beglückend!
Drum hol mir gleich 'ne Kanne Wein, damit
Ich meinen Witz zu klugem Rat befeuchte!

Zweiter Sklave kopfschüttelnd:
Dein Trinken wird uns saubre Dinge machen!

Erster Sklave: Nur Gutes! Hol, ich lagre mich indes. Tut es
Bin ich nur erst betrunken, sollst du sehn,
Was ich für Kniffchen, Pfiffchen, Plänchen hecke!

Zweiter Sklave geht und bringt das Verlangte

Zweiter Sklave: Ein Glück, daß niemand mich ertappt, wie ich
Den Wein stahl!

Erster Sklave:           Sag, was macht der Paphlagonier?

Zweiter Sklave: Voll abgeschleckten, konfiszierten Naschwerks,
Schnarcht der besoffne Kobold auf dem – Leder!

Erster Sklave: Gut! Schutt' mir jetzt vom Puren tüchtig ein!

Zweiter Sklave: Da! – Erst das Opfer für den guten Geist!
Zieh, zieh den Geist des edlen Pramniers ein!

Erster Sklave trinkt, und setzt ab, gerührt:
Dein ist der Rat, o guter Geist, nicht mein!

Zweiter Sklave: Ich bitte, welcher Rat?

Erster Sklave:                                     Geh schnell und stiehl
Dem Paphlagonier drinnen die Orakel;
Jetzt schläft er noch.

Zweiter Sklave:               Das rät der gute Geist?
Ich furcht', es ist ein böser, der uns neckt!

Erster Sklave: Geh nur hinein! – Ich will mich selbst bedienen.

Zweiter Sklave ab

Zweiter Sklave zurückkommend mit einer Rolle:
Was nicht der Paphlagonier schnarcht und farzt!
Leicht war's, ihm sein Orakelheft zu nehmen,
So gut er's auch verwahrt.

Erster Sklave:                         Gib her, du Schlaukopf,
Und laß mich lesen! Schenk mir fleißig ein
Inzwischen! Nun laß sehn, was steckt da drinnen? –
Liest
Ha, göttliches Orakel! Schnell, den Becher!

Zweiter Sklave: Hier, nimm! Was sagt es?

Erster Sklave:                                         Eingeschenkt! Den zweiten!

Zweiter Sklave: Steht im Orakel was vom zweiten Becher?

Erster Sklave: O großer Bakis!

Zweiter Sklave:                       Nun?

Erster Sklave:                                   Den Becher! Schnell!

Zweiter Sklave: Der Bakis, scheint es, war im Trinken stark!

Erster Sklave: Ha, paphlagon'scher Schelm! Der Spruch auf dich,
Der wurmte dich, daher die Angst, die Vorsicht!

Zweiter Sklave: So lies!

Erster Sklave:               Da innen steht sein Untergang!

Zweiter Sklave: Wie?

Erster Sklave:           Das Orakel sagt's mit dürren Worten:
Erst kommt ein Werrighändler, der zuerst
In dieser Stadt gebieten wird!

Zweiter Sklave:                           Das wär'
Ein Händler vorderhand. Nun weiter! Lies!

Erster Sklave: Schafhändler ist der zweite, der da kommt!

Zweiter Sklave: Zwei Händler! Und was wird's mit diesem sein?

Erster Sklave: Regieren wird er, bis der dritte kommt,
Ein größrer Schuft als er: der stürzt ihn dann.
Nun kommt der paphlagon'sche Lederhändler,
Der Dieb, der Brüllochs mit der Donnerstimme!

Zweiter Sklave: Und stürzen soll der Lederhändler den
Schafhändler?

Erster Sklave:       Ohne Gnad'!

Zweiter Sklave:                         Daß Gott erbarm'!
Wo treiben wir noch einen Händler auf?

Erster Sklave: Er lebt, ein Mann von blutigem Gewerb'!

Zweiter Sklave: Wer ist's? Laß hören!

Erster Sklave:                                   Soll ich?

Zweiter Sklave:                                               Ja doch, ja!

Erster Sklave: Ein Blutwursthändler ist es, der ihn stürzt!

Zweiter Sklave: Ein Blutwursthändler? Gott, welch ein Gewerb'!
Nun aber sprich, wo finden wir den Mann?

Erster Sklave: Komm, laß uns suchen!

Zweiter Sklave:                                 Gottes Wunder! Sieh,
Da geht er auf den Markt!

Der Wursthändler kommt mit seinem Schragen und Wurstapparat

Erster Sklave:                         Gebenedeiter
Wursthändler, Teurer, komm, o komm herauf,
Erscheine, du der Stadt und unser Retter!

Wursthändler noch unten:
Was gibt's? Wer ruft mir?

Erster Sklave:                       Komm und höre, welch
Ein Kind des Glücks du bist, wie hochbegnadet!

Zweiter Sklave während der Wursthändler die Treppe zur Bühne heraufsteigt:
Komm, nimm den Tisch ihm ab und sag ihm gleich
Den Götterspruch und was dazu gehört:
Ich will beim Paphlagonier Wache stehn.

Zweiter Sklave ab

Sklave: So, leg zuvörderst deine Sachen ab,
Dann küß die Erd' und danke laut den Göttern!

Wursthändler: Warum denn das?

Sklave:                                       Du reich Gesegneter,
Jetzt noch ein Nichts und morgen allgewaltig,
Der erste Mann im stattlichen Athen!

Wursthändler: He, guter Freund, was soll der Spaß? Laß du
Mich waschen meine Därm' und Wurst verkaufen!

Sklave: Was, Därme? Närr'scher Mensch, komm her und schau!
Siehst du das Volksgedränge dort?

Wursthändler:                                   Ich seh'!

Sklave: Du wirst der Herr des ganzen Haufens sein:
Dein ist die Pnyx, der Markt, der Hafen; spucken
Wirst du dem Rat aufs Maul, die Feldherrn binden
Und schinden, wirst im Prytaneion huren –

Wursthändler: Ich?

Sklave:                   Du! Und das ist noch nicht alles! Steig
Hier auf den Schragen, mach die Augen auf
Und überschau die Inseln ringsherum!

Wursthändler: Ich seh'!

Sklave:                         Den Mastenwald, die Warenlager –
Siehst du?

Wursthändler:   Gar wohl!

Sklave:                             Und faßt du jetzt dein Glück?
Sieh mit dem rechten Aug' nach Karien hin
Und gen Karthago mit dem linken!

Wursthändler:                                     So?
Ein rechtes Glück – die Augen sich verdrehn!

Sklave: Nein, nein, das alles wird von dir – verschachert,
Denn du, so meldet das Orakel, wirst
Ein großer Held.

Wursthändler:         Ei, ei, wie soll das zugehn,
Daß ich zum Helden werd', ein Blutwursthändler?

Sklave: Just eben drum wirst du der Mann des Tags,
Weil du gemein bist, frech und pöbelhaft.

Wursthändler: Ich bin wohl zu gering für solche Ehre!

Sklave: Ein Mann wie du, und hält sich für gering?
Am Ende bist du besser als du sagst!
Gehörst du zur Nobless'?

Wursthändler:                       Was denkst du? Zur
Kanaille!

Sklave:         Ganz erwünscht! Grad um so besser
Qualifizierst du dich für Staatsgeschäfte!

Wursthändler: Schon recht! Allein ich habe nichts gelernt;
Ein bißchen Lesen, ja, doch schlecht genug!

Sklave: Das bißchen eben könnt' am End' dir schaden.
Regieren ist kein Ding für Leute von
Charakter und Erziehung! Niederträchtig,
Unwissend muß man sein! Drum folge du
Dem Ruf, den dir der Götter Spruch verkündet.

Wursthändler: Was steht denn im Orakel?

Sklave:                                                     Prächt'ge Dinge,
Ein bißchen rätselhaft und kunterbunt: liest
»Aber sobald krummklauig der Lederaar mit den Fängen
Packt den tölpelhaftdummblutgierigen Drachen, dann kommen
Paphlagonier um die beizende Knoblauchsauce.
Aber Ruhm und Ehre gewährt Darmhändlern die Gottheit,
So sie nicht baß es achten, auch ferner zu handeln mit Blutwurst.«

Wursthändler: Wie paßt denn das auf mich? Erkläre mir's!

Sklave: Der Lederaar, das ist der Paphlagonier.

Wursthändler: Krummklauig aber, wie?

Sklave:                                                 Je nun, das heißt:
Daß er zum Rapsen krumme Finger macht.

Wursthändler: Was soll der Drache denn?

Sklave:                                                     Das ist ja klar:
Der Drach' ist lang, das ist die Blutwurst auch.
Blut säuft der Drach', die Blutwurst ebenfalls.
Nun heißt's: der Drache wird den Lederaar
Bezwingen, wenn er sich nicht läßt betören.

Wursthändler: Gut! Mich meint das Orakel! – Aber wie,
Das wundert mich, soll ich das Volk regieren?

Sklave: Spottleicht! Du machst es grade wie bisher.
Du hackst und rührst den Plunder durcheinander,
Hofierst dem Volk und streichst ihm süße Wörtchen
Wie ein Ragout ums Maul; du hast ja, was
Ein Demagog nur immer braucht: die schönste
Brüllstimme, bist ein Lump von Haus aus, Krämer,
Kurzum, ein ganzer Staatsmann! – Die Orakel
Sind, selbst das pythische, für dich! Drum trinke
Bekränzt! Ein Glas dem Genius der Dummheit!
Dem Menschen aber leg das Handwerk!

Wursthändler:                                           Wer?
Ich? Und mit wem? – Die Reichen fürchten ihn,
Den Armen macht sein Name schon die Kolik!

Sklave: Denk nur: die Ritter, tausend wackre Männer,
Die hassen ihn, die sind auf deiner Seite,
Dazu der Kern der Bürgerschaft, die Edlen,
Hier die Gescheiten unterm Publikum,
Dann: ich, und – Gott mit uns, es muß ja gehn!
Auch fürchte nichts: sein Kopf – ist nicht der seine,
Kein Maskenmacher wollt' ihn porträtieren
Aus Angst vor ihm; – man kennt ihn, hoff' ich, doch;
Denn unser Publikum, das hat Verstand!

Wursthändler voll Entsetzen:
Um Gottes willen, er kommt, der Paphlagonier!

Der Paphlagonier kommt heraus

Paphlagonier: Ha, bei den zwölf Unsterblichen, euch geht's
Nicht gut! Verschworen habt ihr längst euch gegen
Den Demos! – Ein chalkidischer Becher hier? –
Zum Abfall wollt ihr die Chalkidier bringen!
Verruchtes Pack, euch soll die schwere Not!

Sklave zum Wursthändler, der sich aus dem Staub machen will:
Du da, was rennst du fort? So bleib doch, edler
Wursthändler! Läßt du unsre Sach' im Stich?
Zu dem Chor, der eben eintritt
Nun heran, ihr wackern Rittern, jetzt ist's Zeit, Panaitios,
Simon! Schwenkt euch ohne Säumen nach der rechten Seite hin!
Zum Wursthändler
Sieh, die Männer nahen, setze dich zur Wehr und dreh dich um,
Wolken Staubs verkünden ihre Ankunft, sieh, sie dringen ein,
Rück ihm auf den Leib, verfolg ihn, schlag ihn tapfer aus dem Feld!

Der Chor der Ritter tritt auf

Chor: Auf ihn, den Halunken, diesen Ritterehrabschneider, auf!
Auf den steuergierigen Haifisch, das Charybdisungetüm,
Den Halunken, den Halunken, zehnmal noch und hundertmal!
Denn ein Erzhalunk, das ist er, hundertmal an jedem Tag!
Schlagt ihn, haut ihn, alle Wetter laßt ihm wirbeln um den Kopf,
Speit ihm auf die Nas', wir helfen, brüllt ihm wütend ins Gesicht,
Daß er nicht entwischt! Gebt Achtung: denn er kennt die Schliche gut,
Wie einst Eukrates entronnen, wupp dich, in die Klei'n hinein!

Paphlagonier: Kommt, ihr alten Heliasten von der Dreiobolenzunft,
Die ich füttre und verfechte mit Gebrüll, durch dick und dünn,
Helft mir gegen die Verschwornen, Hochverräter prügeln mich!

Chor: Und mit Fug und Recht! Verschlingst du nicht, bevor man es verlost,
Das Gemeingut und verdächtigst Bürger, drückst wie Feigen sie,
Ob sie zeitig sind zum Pflücken oder noch nicht mürb und reif?
Weißt du einen, der Prozesse scheut und schwach und damisch ist,
Häkelst mit Verleumderkrallen du ihn her vom Chersones
Und verschluckst den Leckerbissen, nur die sauren läßt du stehn!
Deine Beut' ist jeder Bürger, der ein arglos frommes Lamm,
Reich dabei, aus gutem Hause und vor Händeln ängstlich ist!

Paphlagonier: Wie, auch ihr seid mir zuwider, und doch trag' ich Schläg' um euch,
Weil ich just den Antrag stellen wollt', ein Denkmal wohlverdient,
In der Stadt euch zu errichten, wegen eurer Tapferkeit! –

Chor auf ihn losgehend:
Ei, du Lederstrick, du Spitzkopf! – Wie schmarotzermäßig er
Uns, wie alten Herrn, scharwenzelt und, ein Kobold, uns umschleicht!
Bück dich nur, mit uns zu stutzen, und an unsrem Fuß prall' ab!

Paphlagonier: Bürger! Demos! Welche Bestien stürzen sich mir auf den Bauch!

Chor: Schreist du? Hast du dich nicht immer auf den Bauch der Stadt gestürzt?

Wursthändler ebenfalls schreiend:
Wart, ich will dir schon! Ich jage mit Geschrei dich aus dem Feld!

Chor: Schön! Wenn du ihn niederbrüllen kannst: Triumph, Juheißa dir!
Übertrumpfst du seine Frechheit, dann gehört der Kuchen uns!

Paphlagonier: Diesen Mann, ich denunzier' ihn: denn den peloponnesischen
Schiffen hat er frevlerweise Blutwursttakelage verkauft!

Wursthändler: So? Das wär'! So denunzier' ich ihn, daß er mit leerem Bauch
Eindrang in das Prytaneion, und mit vollem kommt er 'raus!

Sklave: Ja, und daß verbotne Waren, Brot und Fleisch er exportiert,
Und gesalzne Fische, was doch Perikles selbst nicht gewagt!

Paphlagonier: Geh zum Henker auf der Stelle!

Wursthändler:                                               Oh, ich schrei' noch dreimal lauter!

Paphlagonier immer crescendo:
Armer Lump, ich schrei' dich nieder!

Wursthändler:                                       Schuft, ich brülle dich zu Boden!

Paphlagonier: Gnad' dir Gott, wirst du 'mal Feldherr!

Wursthändler:                                                         Gnad' Gott deinem Hunderücken!

Paphlagonier: Ich vertreibe dir das Prahlen!

Wursthändler:                                             Ich verrenne dir die Schliche!

Paphlagonier: Sieh ins Aug' mir ohne Blinzeln!

Wursthändler: Meine Amm' auch ist die Gasse!

Paphlagonier: Ich zerreiß' dich, wenn du mucksest!

Wursthändler:                                                       Ich beschmeiß' dich, wenn du raffelst!

Paphlagonier: Ich gesteh's, ich stehle! Wie nun?

Wursthändler:                                                   Mir, beim Gott der Gauner, kannst du
Zusehn, und ich schwör' dir's ab!

Paphlagonier: Andern pfuschest du ins Handwerk;
Aber den Prytanen sag' ich's:
Daß den Göttern unverzehntet
Du Gedärme vorenthältst!

Chor: O du verworfener,
Scheußlicher Schreier, sind
Voll deines Übermuts
Länder und Meere nicht,
Nicht der Gemeindeplatz,
Zollhaus, Gerichtskanzlei?
Rührer in jedem Dreck,
Hast du die ganze Stadt
Säuisch nicht umgewühlt?
Übertäubst du nicht mit deinem Brüllen die Athener, spähst
Du nach Zöllen nicht vom Felsen, lauernd Thunfischfängern gleich?

Paphlagonier: Gut, ich weiß nun, wer den Handel mir zusammengeschustert hat!

Wursthändler: Ja, wenn du nichts weißt vom Schustern, weiß auch ich vom Wursten nichts!
Hast du Leder nicht von krankem Vieh den Bauern oft verkauft,
Zugeschnitten aufs Bescheißen, daß es aussah derb und dick?
Eh' sie's einen Tag getragen, war der Schuh zwei Hände breit!

Sklave: Ja, bei Zeus, mir selber hat er also mitgespielt und mich
Zum Gespött bei meinen Freunden und der Nachbarschaft gemacht:
Eh' ich Pergasai erreichte, plampte mir der Schuh am Fuß!

Chor: Hast du nicht immer durch
Unverschämtheit geglänzt,
Jene Haupteigenschaft,
Die beim Redner alles gilt,
Und mit der du fremde Bäume abgeleert mit Stumpf und Stiel,
Du zuerst? – Und Hippodamos' Sohn, der sieht's und weint dazu!
Aber gefunden, gottlob, ist ein andrer Mann,
Tausendmal schlechter als du und verruchter,
Ja, der stürzt dich, überlegen, wie er eben sich bewährt,
Dir an Frechheit, Buberei
Und an Koboldhaftigkeit!
Zum Wursthändler
Du gleichst an Stand und Bildung ganz den Herrn, die jetzt regieren:
So zeige jetzt, daß Bildung und Charakter – taugt den Teufel!

Wursthändler: So hört denn, welches Geistes Kind hier dieser edle Bürger!

Paphlagonier: Wirst du das Wort mir lassen?

Wursthändler:                                             Nein! Bin ich nicht schlecht wie einer?
Mein ist das Wort zuerst, und dies will ich sogleich verfechten!

Chor: Und weicht er nicht, so sag ihm, schlecht sei'st du und deine Väter!

Paphlagonier: Willst du das Wort mir lassen?

Wursthändler:                                             Nie!

Paphlagonier:                                                     Du mußt!

Wursthändler:                                                                   Das will ich sehen!

Paphlagonier: Ich berste noch vor Wut!

Wursthändler:                                     Beileib', das lass' ich nicht geschehen!

Chor: Um Gottes willen, laß es doch geschehen, laß ihn bersten!

Paphlagonier: Mit welchem Recht erfrechst du dich, mir hier zu widersprechen?

Wursthändler: Warum? Weil ich ein Redner bin und tüchtig weiß zu pfeffern!

Paphlagonier: Seht doch, ein Redner! Fiele dir ein Handel unters Messer,
Du packtest ihn und hacktest schön zu Quark ihn durcheinander!
Weißt du, wie dir's gegangen ist? Wie Tausenden! Weil einmal
Dir ein Prozeßchen nicht mißlang mit einem fremden Lumpen,
Mit Rezitieren nachts, im Gehn so Vor-dich-hin-plädieren,
Prob' halten, Wasser trinken, Schrei'n, der Nachbarschaft zum Ärger –
Jetzt glaubst du gleich, du bist ein Held im Reden: o du Dummkopf!

Wursthändler: Was trinkst denn du, daß dir's gelang, dir einzig und alleine,
In Grund und Boden, stumm und dumm die ganze Stadt zu schwatzen?

Paphlagonier: Wen stellst du mir in aller Welt entgegen? Ich verschlinge
'Nen Thunfisch frisch vom Feuer weg und trink' 'ne Kanne Lautern,
Dann tob' und bring' ich unter mich die Feldherrnschaft in Pylos!

Wursthändler: Ich fresse Rindskaldaunen nur und Schwartenwurst mit Saublut,
Dann schluck' ich meine Supp' hinab, und ungewaschen schnür' ich
Die Gurgel zu den Rednern, und dem Nikias bohr' ich Esel!

Chor: Vortrefflich alles, was du sagst! Eins will mir an dem Handel
Nur nicht gefallen, daß allein du willst die Suppe essen.

Paphlagonier: Und frißt du einen Meerwolf auch, du machst Milet nicht mürbe!

Wursthändler: Hab' ich ein Rippenstück im Bauch, kauf ich mir Silbergruben!

Paphlagonier: Ich spring' ins Stadthaus, und zum Mus will ich den Rat euch rühren!

Wursthändler: Und ich hantier' im Mastdarm dir, als wie in einer Knackwurst!

Paphlagonier: Ich reiß' am Hinterbacken dich zum Loch heraus, kopfunter!

Chor: Bei Gott, wenn du's mit dem versuchst, mußt du mich mit herausziehn!

Paphlagonier: Komm nur, ich schlag' dich in den Stock!

Wursthändler: Als feigen Hund verklag' ich dich!

Paphlagonier: Ich gerbe dir dein Luderfell!

Wursthändler: Ich zieh' dir deine Diebshaut ab!

Paphlagonier: Ich spann' und nagle dich aufs Brett!

Wursthändler: Ich mache Wurstgehäck aus dir!

Paphlagonier: Ich reiße dir die Augen 'raus!

Wursthändler: Ich schneide dir den Rachen auf!

Sklave: Ganz recht! Dann stecken einen Pflock,
Wie Köche, wir ihm in den Schlund
Und reißen ihm die Zung' heraus,
Und durch das aufgesperrte Maul
Bis auf den Grund hinunter sehn
Wir mutig und
Exakt: ob er nicht finnig?

Chor: Heißer als Feuer ist
Etwas noch auf der Welt,
Frechere Reden gibt's
Doch noch, als die die Stadt
Bisher gehört: das Ding
Geht ja so übel nicht!
Zum Wursthändler
Pack ihn und drill ihn jetzt
Derb, nur nichts halb getan!
Hast ihn ja gut gepackt!
Wenn du gleich im ersten Anlauf mürb' ihn machst, dann wirst du sehn,
Wie er feig ist: oh, ich kenne diesen Burschen durch und durch!

Wursthändler: Ja, obwohl er all sein Leben eine feige Memme war,
Galt er doch als Held, indem er erntet', wo er nicht gesät!
Und so läßt er eben Garben, frisch von Pylos mitgebracht,
Jämmerlich im Stockhaus modern, ja verschachern will er sie!

Paphlagonier: Pah! Ich fürcht' euch nicht, solange noch die Ratsversammlung lebt
Und mein Alter noch, der Demos, dort sitzt wie ein Haubenstock!

Chor: Nun, das nenn' ich konsequent doch
In der Frechheit! Was auch kommt, er
Ändert die Farbe nicht!
Wenn ich dich nicht hasse, geb' ich mich zum einz'gen Polster her
Für Kratinos, und zum Chor in einem Stück von Morsimos!
Du, der aus allem und jeglichem Wucher
Saugt, wie die Hummel aus Blumen, o müßtest
Du, was du gestohlen, wieder von dir geben, Summendieb!
Dann wollt' ich singen immerdar:
»Trinke, trink, und freue dich!«
Selbst des Iulios Sohn, der alte Weizenschnapper, würde dann
Jauchzend seinen Paian singen und das Bakchoslied dazu!

Paphlagonier: Was wollt ihr doch? Ihr werdet nie an Frechheit mich erreichen,
Sonst will ich auf das beste Teil am Opfermahl verzichten!

Wursthändler: Nein, bei den Backenstreichen, die ich tausendmal bekommen
Von Kindesbeinen an, und bei den Küchenmesserhieben,
Ich weiß, ich bin ein andrer Mann in diesem Fach, ich bin wohl
Von Abwischbrocken nicht umsonst so groß und stark geworden!

Paphlagonier: Mit Abwischbrocken, wie ein Hund? Und du, mit Hundefutter
Traktierter Lump, du wagst dich frech an mich, den Hundsfellgerber?

Wursthändler: Ich kann aus meiner Bubenzeit dir andre Streich' erzählen!
Die Köche hab' ich angeführt: ›Hui‹, rief ich ihnen, ›Bursche,
Da, seht euch um, der Frühling kommt, die Schwalbe, seht, die Schwalbe!‹
Sie guckten 'rum, und unterdes stibitzt' ich weg die Würste!

Chor: O du geschickte Wurst! Wie hast du klug die Zeit berechnet
Und dir geholt dein Teil, wie »vor der Schwalbe junge Nesseln!«

Wursthändler: Und niemals hat man mich ertappt! Wenn's einmal einer merkte,
Flugs steckt' ich's zwischen die Bein' und schwur es ab bei allen Göttern.
Drum hat mir auch ein Redner, der mir zugesehn, verheißen:
›Dem Jungen kann's nicht fehlen, der wird einst ein Staatsmann werden.‹

Chor: Der hat's getroffen! Freilich war's auch leicht zu prophezeien:
Du stahlst, du schwurest falsch, dabei stak dir das Fleisch im Hintern.

Paphlagonier: Jetzt will ich gleich dein freches Maul, euch allen will ich's stopfen,
Ich fahre wie der Blitz heraus und stürze mich gewaltig
Im Wirbelsturm auf Land und Meer und rühr' es durcheinander!

Wursthändler seinen Kram zusammenraffend:
Da zieh' ich ein – die Därm' und fahr' hinaus auf hohen Wellen
Mit vollem Wind, und hintendrein kannst du, Verworfner, heulen.

Sklave: Ich werde, kriegt das Schiff ein Leck, fest an der Pumpe stehen!

Paphlagonier: Du? Bei Demeter, büßen sollst du, daß du den Athenern
Viel Tausende gestohlen hast!

Chor:                                           Paß auf, zieh ein die Rahen,
Der Süd – der Sykophantenwind, der böse, läßt sich spüren!

Wursthändler: Von Potidaia, leugne mir's, bekamst du zehn Talente!

Paphlagonier: Und wenn? So nimmst du, hoff' ich, eins und wirst zu schweigen wissen!

Chor: Das nimmt er schon, der Ehrenmann! – Nur aufgehißt die Segel!

Wursthändler: Ei seht mir doch, der Sturm läßt nach!

Paphlagonier wieder auffahrend:
Ich werfe vier Prozesse dir
Von hundert Talenten an den Hals!

Wursthändler: Ich zwanzig dir, als Deserteur,
Und tausend noch, als Kassendieb!

Paphlagonier: Du bist, behaupt' ich, vom Geschlecht
Der Frevler an der Göttin Haus!

Wursthändler: Dein Ältervater, sag' ich, war
Ein Leibtrabant –

Paphlagonier:             Von wem, du Schuft?

Wursthändler: Von Hippias' Frau, der Byrsine!

Paphlagonier:                                                 Du bist ein Schelm!

Wursthändler mit Wurstdärmen nach ihm hauend:                               Du, Gauner, du!

Chor: Hau wacker zu!

Paphlagonier:             Verschwörung! Mord!
Sie prügeln mich, au weh, au weh!

Chor: Hau tapfer zu, aus aller Kraft,
Hau mit den Därmen ihm den Bauch,
Mit Schwarten mürb,
Daß ihm die Schwarten krachen!
Du herzhaft tücht'ges Rippenstück, du tapferster der Helden,
Du bist der Heiland unsrer Stadt und unser aller Retter!
Wie schlau hast du ihn heimgeschickt und abgetrumpft mit Reden!
Oh, könnten wir dich nach Verdienst, so wie wir wünschen, rühmen!

Paphlagonier: Glaubt nicht, ich merkt' es nicht, wie ihr den Handel
Gezimmert; oh, ich sah es wohl, wie alles
Von euch genietet und genagelt ward!

Chor zum Wursthändler:
Kannst du wohl auch so wagnermäßig reden?

Wursthändler: Eins weiß ich doch: was er in Argos treibt;
Er tut, als wollt' er Argos uns befreunden,
Und spielt mit den Spartanern unterm Tische;
Was dort geschmiedet und gelötet wird,
Weiß ich: um die Gefangnen geht der Blasbalg!

Chor: Schön, schön! Für Wagnerarbeit Grobschmiedsware!

Wursthändler: Die hämmern dort dann wieder ihrerseits.
So ist's! Versprich mir Gold und Silber, hetze
Mir deine Spießgesellen auf den Hals,
Es nützt dir nichts: ich sag's der ganzen Stadt!

Paphlagonier: Gleich auf der Stelle geh' ich in den Rat
Und zeig' euch all' als Staatsverräter an,
Wie ihr euch heimlich nachts zusammenrottet,
Wie ihr mit den Barbaren konspiriert,
Was mit Boiotien ihr zusammenkäset!

Wursthändler gleichgültig:
Was mag der Käs wohl in Boiotien gelten?

Paphlagonier: Wart nur, ich streck' dich aus wie eine Kuhhaut! Schnell ab

Chor: Wohlan denn, hast du Herz, hast du Verstand?
Jetzt zeig, ob du das Fleisch, wie du dich rühmest,
Einst wirklich hinterm Hodensack versteckt!
Auf! Spornstreichs mußt du jetzt aufs Rathaus rennen;
Der wird schon dort sein und drauf los verleumden
Und Zetermordio schreien über uns!

Wursthändler: Ich gehe, wie ich bin, ich lege nur
Hierher die Kutteln und mein Metzgermesser.

Chor: Da, schmiere dir die Kehle mit dem Schmer,
Damit du seinen Schlingen glatt entschlüpfst!

Wursthändler: Du sprichst vom Ringen ja als wie ein Meister!

Chor gibt ihm Knoblauch:
Da schnapp auch das hinunter!

Wursthändler:                               Und wozu!

Chor: Damit du knoblauchhitzig kämpfst, mein Lieber!
Jetzt spute dich!

Wursthändler:         Das tu' ich.

Chor:                                         Halt dich wacker,
Und beiß und zaus' ihn, friß ihm ab den Kamm,
Die roten Läppchen mit; dann zeig dich wieder!
Wursthändler und Sklave nach verschiedenen Seiten ab
Zieh hin zum Sieg, ich wünsche dir Glück,
Es führe dich Zeus, der Beschützer des Markts,
Und bald triumphierend kehre zurück
Zu uns, überhangen mit Kränzen!
An die Zuschauer
Ihr aber verleiht unserm festlichen
Anapästischen Lied ein günstiges Ohr,
Feinschmecker ihr
In jeglicher Gabe der Muse!
War' in früherer Zeit mit Bitten in uns ein Komödiendichter gedrungen,
Auf den Schauplatz hin uns zu stellen vor euch und des Stücks Parabase zu sprechen,
Wir hätten wohl kaum ihm die Bitte gewährt: doch dieser verdient es, der Dichter,
Der dieselbigen haßt, wie wir, und es wagt, die Wahrheit vor allen zu reden,
Der entgegen sich stellt dem brausenden Sturm und der Windsbraut bietet die Stirne.
Und dieweil er uns sagt, daß mancher von euch ihm seine Verwunderung aussprach
Und ihn fragte, warum er nicht früher schon für sich selber den Chor sich erbeten,
So sollen wir dies, wie er selbst es wünscht, euch erklären; vernehmt seine Meinung:
Nicht Blödigkeit sei es gewesen von ihm; doch Komödien aufzuführen,
Diese Kunst – er habe die Schöne stets für die sprödste von allen gehalten;
So mancher auch schon gebuhlet um sie, sie habe nur wen'ge begünstigt.
Auch kenn' er euch längst schon als launisch und wie jedes Jahr euch ein anderer Kopf wächst,
Wie ihr treulos Dichter im Alter, die einst eure Lieblinge waren, verachtet.
Wohl wiss' er ja, wie es dem Magnes erging, als das Alter ihm bleichte die Haare,
Er, welcher so oft im dramatischen Kampf die Palme des Sieges errungen,
Der in jeglichem Ton sich versuchte für euch, mit Lautenklang, Vogelgezwitscher,
Mit lydischem Lied, mit Wespengesumm und Gequak aus der Maske der Frösche:
Er behagte nicht mehr euch, der Alte, zuletzt – denn anders war's, da er jung war –
Ihr stießt ihn von euch, den ergrauten Mann, weil der beißende Witz ihn verlassen!
Dann gedacht' er wohl auch des Kratinos, der einst, von dem Donner des Beifalls begleitet,
Wie ein Waldstrom sich auf das Blachfeld ergoß, Steineichen, Platanen und Feinde
Aus dem Boden riß mit der Wurzel und hin sie trug auf den rauschenden Wogen.
Da gefiel kein Lied bei den Schmausen als dies: »O feigenholzsohlige Doro!«
Und: »O Meister im künstlichen Liederbau!« – So stand er, wie keiner, im Flore!
Jetzt hört ihr sein kindisches Lallen, es rührt euch nicht; und ihr seht, wie der Leier
Die Wirbel entfallen, die Saiten verstummt, das Instrument aus den Fugen
Gewichen: – so seht ihr ihn wanken umher, den würdigen Alten, wie Konnas,
Mit dem welken Kranz auf der Glatze, vor Durst verschmachtend; wenn einer, hätt' er es
Verdient, für die Siege, die einst er erfocht, im Prytaneion zu zechen,
Nicht so zu verkümmern, zu schimmern vielmehr im Theater dem Bakchos zur Seite!
Und Krates sodann, was mußt' er von euch nicht ertragen für Launen und Püffe,
Der oft mit geringem Aufwand euch bewirtet und trockenen Mundes
Die witzigsten Sachen euch vorgekaut, und ihr ginget zufrieden nach Hause!
Der hielt sich allein, doch freilich auch wie? Heut ausgezischt, morgen – geduldet!
Das machte nun unsern Poeten so scheu, drum zögert' er immer und meinte:
Man müsse zuerst an dem Ruder stehn, bevor man ans Steuer sich setze,
Dann müsse man noch auf dem Vorderdeck erst dienen und achten des Windes,
Bis zu lenken das Schiff auf eigene Hand man vermöge. Das schreibt ihm zugute!
Nicht unüberlegt, nicht im Leichtsinn sticht er in See, nicht mit albernen Späßen;
Drum klatscht, daß die Woge des Beifalls rauscht, und begrüßt ihn mit schallenden Rudern,
Mit dem jauchzenden Sturm der lenaiischen Lust
Empfangt, wie er wünscht, den Poeten und laßt
Heimkehren ihn heut
Mit freudig strahlendem Antlitz!

Erster Halbchor: König der Ritter, Poseidon, dem
Stampfender Hufe eherner Klang
Und das Gewieher der Rosse gefällt
Und die blaugeschnäbelten, rasch
Segelnden Kriegsfregatten
Und der Jünglinge Wettfahrt, stolz
Prangend jetzt auf dem Wagen, jetzt
Hart an den Boden geschmettert:
Sei uns nah, der du schwingst den goldnen Dreizack,
Herr der Delphine, hochverehrt in Sunion
Und in Geraistos, Kronos' Sohn,
Phormions Gönner, und für jetzt
Unter den sämtlichen Göttern zumeist
Hold dem Volk der Athener!

Chor: Ruhm und Preis sei unsern Vätern: denn sie waren allezeit
Männer, würdig unsres Landes, und des heil'gen Peplos wert,
Die zu Land in heißer Feldschlacht und im kühnen Flottenkrieg,
Überall und immer Sieger, unsre Stadt mit Ruhm geschmückt!
Keiner hat, wenn er den Feinden stand im Angesichte, je
Sie gezählt, und ›Herz im Leibe‹ hieß ihr treuster Kriegskumpan.
Wenn auch einmal im Gefechte einer auf die Schulter fiel,
Schüttelt' er sich's ab – wer wollt' ihn zeihn, daß er am Boden lag?
Weiter focht er! Auch der Feldherrn keiner hätt' ein gutes Wort
Dem Kleainetos gegeben um Verköstigung vom Staat.
Jetzo heißt es: ›Freie Atzung und den Ehrensitz; wo nicht,
Bleib' ich hübsch daheim!‹ – Wir aber sind bereit, auch ohne Sold,
Wacker für die Stadt zu streiten und die Götter unsres Volks.
Nichts verlangen wir zum Lohne, als dies einzige, nur dies:
Wenn es endlich kommt zum Frieden und die Drangsal hat ein End',
Daß sich niemand ärgert, wenn er mit gekämmtem Haar uns sieht!

Zweiter Halbchor: Pallas, Städtebeschützerin,
Hort des gefeiertsten Landes der Welt,
Dem an Kriegs- und Dichterruhm,
Reichtum, Glanz und drohender Macht
Keines sich mag vergleichen,
Nahe dich uns und bringe sie mit,
Unsre Gefährtin in Kampf und Streit,
Stets zu begleiten uns willig,
Nike, die hold auch den Chören ist
Und den Feinden mit uns gerne die Stirne beut,
Jetzo komm, o erscheine: denn
Deiner Hilfe bedürfen wir,
Daß, wenn je, du mit Macht
Sieg verleihest den Kämpfern!

Chor: Unsrer treuen Kampfgenossen sei zuletzt mit Lob gedacht,
Unsrer Rosse, sie verdienen's: manchen Angriff, manchen Strauß
Haben sie mit uns bestanden manchen Einfall, manche Schlacht,
Und wie sie zu Land sich hielten, so bewunderswert ist's nicht,
Als ihr stolzer Mut, mit dem sie auf die Reiterschiffe rasch
Sprangen – wohlversehn mit Humpen, Zwiebeln, Knoblauch, wie's der Brauch;
Wie sie dann beim Ruder standen, grade wie wir Sterblichen,
Rüstig schaffend, laut aufwiehernd: ›Hirra hi, frisch auf, ans Werk,
Angegriffen, rasch gerudert, Schimmel, Rappe, wollt ihr dran?‹
Also sprangen sie ans Ufer vor Korinth; der Jüngsten Huf
Scharrt' und wühlte Lagerstätten auf und schaffte Streu herbei,
Und mit Appetit verzehrten Krabben sie, statt med'schen Klees,
Wenn sie an ihr Lager krochen, ja sie fischten sie im Meer;
Und Theoros sagt, es hab' ihm ein korinth'scher Krebs vertraut:
›Ist's nicht schrecklich, beim Poseidon, daß ich selbst im Meeresgrund,
Nicht zu Land und nicht zu Wasser diesen Rittern kann entfliehn?‹

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