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Johann Fischart: Flöh Hatz, Weiber Tratz - Kapitel 2
Quellenangabe
typesatire
booktitleDer Flöhhaz
authorJohann Fischart
editorCamillus Wendeler
year1877
firstpub1573
publisherMax Niemeyer
addressHalle a. S.
titleFlöh Hatz, Weiber Tratz
pages72
created20100112
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Des Flohs klag, von der Wei-
ber Todschlag, in eim gespraech mit
der Mucken fürgebracht, zůsehen
wie vnschuldig man sie
schlacht.

 

    Die Muck.
WAs grosser klag, was grossen gschrey
    Hoer ich? Mich wundert wer da sey
Der sich so maechtig vbel gheb,
    Ob es sey todt, oder obs leb.
5.   Sich zů es ist mein Gsell der Floh,
    Wie springt er nur daher so hoch
Mit schreyen weinen vnd auch klagen.
    Můß zů jhm was er News thů sagen.
 
Der Floch.
O Jupitter du starcker Held,
10.       Welchen erzittert alle Welt,
Kumm mir mit deinem gwalt zůhülff,
    In noetten ich jetz zů dir gülff,
Brauch deinen straal vnd schieß herunder
    Erwuerge bald mit Plitz vnd Tunder
15.   Auff Erd das gantz Weibliche gschlecht
    Die mich verfolgen wider Recht,
Vnd mich nit sicher lassen bleiben
    Wo ich nur bin, besonder treiben 4
Mit mir ein sollichen hochmůt
20.       Das es ein Stein erbarmen thut.
 
Muck.
Was ficht dich an Floh Freunde mein
    Das so groß ist die klage dein.
 
Floch.
O Brůder du seliges Thier
    Mein vnfall kanst nit glauben mir,
25.   Darzů die groß schand vnd vnbill.
    Dann an mir Ritter werden will
Ein jedes Weib, eine jede Magt,
    Ein jede Jungfraw mir nach jagt,
Die alten Vetteln nit allein
30.       Sie lehren auch die Kinder klein
Mich zbringen vmb das leben all,
    Wie kaum entran ich jetzůmal.
Dann ein Jungfraw sehr wuniglich
    (Welche solt han erbarmet sich
35.   Nach gwonter miltigkeit der Weiben
    Solt kein solch Tyranney han triben)
Mir mein Vatter vnd Můtter hatt
    Vnd sonst viel freuend auff einer statt
Ohn all Erbaermbd, gantz jaemerlich
40.       Erwürget also fraeuenlich,
Hetten heut meine Fueß das best
    Nicht thon, mit mir wers auß geweßt.
 
Muck.
Juppiter das seind grewlich sachen
    Die eim vertreiben bald das lachen,
45.   Lieber sag an, wie ists doch gangen
    Welchen hat man erstlich gefangen.
 
Floch.
Trawt mein, ich kan dir nicht verhaelen
    Die warheit můß ich dir erzelen, 5
Vnd wann ich dann dir Recht soll sagen
50.       So bringt vns můtwill vmb den kragen
Dann disen gantzen Summer lang
    Haben wir ghabt ein sichern gang
Bey den Maegten im Huenerhauß,
    Vns thet auch kein grossen vertruß
55.   Die Koechin vnd die Kindes Meid,
    Weil sie faul waren alle beid.
Gaben wir schon einer ein zwick
    So war es nur z thůn vmb ein Rück
Das man uns s fleisch zog auß den zaenen
60.       Dasselbig thet uns gantz verwehnen,
Dann wir feist wurden, darzů frech,
    Kein was die hefftig nach vns stech
Vnder dem liederlichen Gsind.
    Darumb wir vmbher sprungen gschwind.
65.   Hercules, ist's nicht ein grosser jamer,
    Pluto der trůg mich in ein kammer
Sehr herrlich schon vnd wol zůgricht,
    Darinn kein zierde manglet nicht
Von Seidin, Sammat vnd von Goldt,
70.       All ding hergleißten, (ja ich wolt
Das ich ein schenckel an der Stett
    Abgfallen wer ohn als gespoett
Wie ich die Kammer erstmals sach!
 
Muck.
    Warumb mein Floch ist das gemach
75.   Dir also hefftig dann zůwider.
 
Floch.
    Sich zů es zittern mir die Glider,
Wenn ich an meine frecheit denck.
    Warumb hat nit im Bad ertrenckt
Mein Můtter mich, ehe dann ich hab
80.       Sie mit fraeuel bracht in das grab.
 
Muck.
Was ist es dann, nun sag mir her
    Das dir begegnet ist so schwer. 6
Dann ich allzeit viel lieber bin,
    Es steht auch all mein gmuet vnd sinn
85.   Zů koestlichen vnd schoenen dingen,
    Wo ich was schoens zu weg mag pringen
Da setz ich mich zům ersten hin
    Wiewol ich nit staetz willkomm bin.
 
Floch.
Ich will dirs sagen, laß vns sitzen
90.       Dann du sichst wie vor forcht ich schwitze
So bin ich auch so hefftig gsprungen
    Das mir schier zerrint an der Lungen.
Als ich kam in selbigen Saal,
    Ein schoene Jungfraw allzůmal
95.   Fand ich sitzen bey einem Bett,
    Ihr gwand sie abgezogen hett,
Vnd wolt sich legen da zů rhů.
    Ich schawet jhren fleissig zů,
Nam ab bey jhrem leib so weiß
100.       Sie wurd haben ein zartes Fleisch,
Die taeglich Speiß war mir erleidt,
    Spewt schier wann man mir etwann seit
Von den Maegten vnd alten Weiben,
    Ich wolt bei jrem gstanck nimm bleiben,
105.   Meint wolt kein rindfleisch nit meh essen
    Eins Wiltprets het ich mich vermessen.
Jedoch war mir das Bett zů hoch,
    Wie offt ich daran auff hin kroch.
Dann ich fůl allweg wider runder,
110.       Der Fürniß war mir zwider bsunder
So hett sie auch all jhr gewant
    Hoch hangen dort an einer Wand.
Dazů hett man auch jhre Schů
    Hin tragen, als sie kam zů rhů.
115.   Das ich kein glegenheit mocht finden,
    Das ich mit jhr hett essen künden.
Ich dacht, ich wolt mein Eltern sagen
    Die gschicht, sie doerfftens villeicht wagen
Mit mir, vnd einen Rath erfinden 7
120.       Das wir diß Wilds geniessen künden.
Ein sollich wüschen vnd auch keren,
    Was auch daselbst, daß ich mich nehren
Můßt gar in einem kleinen spalt
    Sonst hettens mich gefangen baldt,
125.   Dessen ich vor nit war gewon
    Da ich in Staellen vmb thet gon.
Darumb ich zů meim Vatter kam,
    Mein Můtter mich von stundan nam
An jhr liebliche schwartze arm,
130.       Sprach, Sun wie ward dir also warm.
Ich sprach, O Mutter trawtes hertz
    Es ist fůrwar mir gar kein schertz,
Dann ich gewesen bin an orten
    Da mich kein mensch nit sach noch horte –
135.   Pfey dich Kuchin vnd Huenerhauß
    Ich hab ein Bett, Strosack wol auß!
Erzehlt jhn also alle sach
    Was ich hett gsehen, darauff sprach
Mein Vatter der viel greise Man,
140.       Sun, Sun schaw was du fahest an,
Dann es sich nit will lassen schertzen
    Mit Edlem gmuet vnd hohen Hertzen,
Die Jugent facht offtmalen an
    Das ein Alter nicht hett gethan.
145.   So hand wir auch so starcke Feind
    An Weibern, das wir sicher seind
Auff gantzer Welt an keinem ort,
    Mein lieber Sun vernimm mein Wort,
Vnd bleib bey disem schlechten leben.
150.       Bei vns da magstu aller wegen
Viel sicherer dann dorten sein.
    Ich denck selb an die jugent mein.
Dann ich mich auch einmal befand
    Gar stoltz in einer Fürstin Gewand,
155.   Vnd meint ich wer schon selb ein Herr.
    Da was mir zwar mein End nit ferr.
Dann wol zehen Maegt eilendt kamen.
    Das Gwand zů jhren handen namen 8
Zerschlůgen, klopfften, flochten das,
160.       Kein Naetlein vor jhn sicher was.
Dann ja sie meinten mich zůfinden,
    Da thet ich jhn heimlich entrinnen,
Erschrocken vnd aller verzagt
    Saß ich bald einer Kammer Magt
165.   In das Braem, so sie hat am Rock,
    Vnd huelt mich stiller dann ein Stock.
Hab mich darnach von jhr gethan,
    Also ich von dem Lermen kam.
Vnd griff gleich darnach zů der Eh
170.       Damit mirs desto besser geh.
Bin sicher nie so keck gewesen
    Das ich mir solch Leut hett erlesen
Zů meinem Weidwerck, dann allein
    Als Kindtbet dich die Můtter dein,
175.   Wolt ich vmbsehen nach eim schleck,
    Vnd thete mich von hinnen wegck,
Vermeint noch ferners zůerfahren,
    Mit meim schaden thet ichs gewaren,
Wiewol dein Můtter mich vast warnt,
180.       Die dann sehr viel auch hat erarnt.
Als ich aber wolt bleiben nit,
    Sprach sie, mein Haußwirt, ich dich bit
Sey bhůtsam vnd schon selber dein,
    Die Weiber gmeinlich listig sein
185.   Vnd koenden spannen eim die Seil,
    Ist einer dann so frech vnd geil
Das einer eilends einhin plumpt,
    Er warlich in groß leiden kumpt.
Dann etlich seind der listen voll
190.       Das sie ein Fleck von langer Woll
In Busem stecken, setzst dich drein,
    Gar bald sie dann vorhanden sein,
Vnd lausen dich herausser gschwind.
    Etliche also trueglich sind
195.   Das sie den Busen lassen offen
    Damit sie grüst seyend zům bossen.
Es kan auch keiner setzen an 9
    So seinds vorhanden, ist gethan.
Etlich die Hosenbaendel luck
200.       Zůbinden, vnd werffen zů ruck
Als dann das Gwant, wann du wilt fliehen,
    Das Hosenband sie baß zůziehen,
Bist dann nit gschwind, so můstu dran.
    Etlich ein andre gwonheit han
205.   Das sie staetz haben eine Hand
    Vnder dem Furthůch vnd Gewand:
So bald ein Floehlin nur herschmeckt,
    Von stundan ist es niderglegt.
Etliche haben lange schlitz
210.       Dauornen gerad vor dem Ritz,
Die seind allein dazů gemacht
    Das vnser Gschlecht werd vmbgebracht,
Vnd sie geschwind den Kreps ertappen
    Eh er recht nach der Huel thůt schnappen.
215.   Noch bin ich den feind ob jhn allen
    Die da erdacht hand die Floehfallen,
Das ist doch vber alle pein.
    Darumb soltu fürsichtig sein.
Kreuch auch keiner gar in kein Ohr
220.       Du werst sonst ein zwifacher Thor.
Ich schweige still vnd reiset fort,
    Nam ein Gsellschafft der besten sort
Die alle gern zogen mit mir.
    Ich můß nur hie erzehlen dir
225.   (Vnd solt mir abermal geschwachen,
    Als mir geschach ob der Seichkachlen,
Da vns die Koechin abher sprengt
    Von jhrn Schencklen, daran gdenck)
Was vngluecks mir allda geschach,
230.       Nit ein Gsellen ich lebendt bracht
Wider zů Hauß auß aller Summen.
    Dann ich selb schwerlich bin entrunnen.
Schaw als wir kommen in ein Statt,
    Die von uns selb den Nammen hatt
235.   Vnd Pulicana wirt genent,
    Thetten wir vns zsam an ein End. 10
Rhatschlagten wo wir erstlich wolten
    Die sach angreiffen, als wir solten
Damit vns desto baß geling.
240.       In Rhat funden wir aller ding,
Das wir ein Hauptmann wehlen theten
    Was der hieß alle andre soetten
Fleißig volleisten. Man warffs loß
    Das glück auff meine seiten floß,
245.   Daß ich die Hauptmannschafft bekam,
    Fleissig nam ich die sachen an,
Bedacht mich hin vnd her sehr lang
    Wie ich maechte den anefang,
Vnd weil ich allweg hett gehort,
250.       Wann man kaem an ein frembdes ort
Solt man erstlich zů Kirchen gon,
    Da daucht es mich gantz wolgethon
Das wir zů Kirchen zogen auch,
    Ich gdacht, dieweil es wer der brauch
255.   Still gantz zů sein vnd nur zubetten,
    An solchem ort, villeicht so hetten
Wir desto bessern platz füran
    Das wir moechten die Narung han,
Die andacht wirt so groß auch sein
260.       Wann schon einer ins Fleisch hinein
Gar schluffe, das des niemandt acht,
    Vorab wann das Ampt wurd vollbracht
Also wir nach all vnserm lust
    Moechten buessen Hunger vnd Durst.
265.   Vnd damit ich dest sichrer wer
    Nam ich ein Helmlein vnd ein Speer,
Ein Seitenwehr deßgleichen auch,
    Wie dann ist eines Hauptmanns brauch.
Dieweil ich aber Roß nit hatt
270.       Nam ich bald einen an der statt
Vom gmeinen Volck, der sterckst fürwar
    Der vnderm gantzen Hauffen war,
Den brauchet ich für einen Gaul,
    Er sprang gwaltig vnd was nit faul.
275.   Beruefft danach die gantze Gmein 11
    Vnd zeigt jhn an den anschlag mein.
Die gfuel jhn all, ich zog füran
    Wie sich dann einem Hauptmann zam.
Als wir die andacht nun befunden
280.       Gar bald zuestürmen wir begunden
Den Weibern vnder d Beltz daher.
    Ich dacht dieweil ich Hauptmann wer
Gepürt es sich das ich mich thet
    An ein hoch Ort, vnd achtung het
285.   Wie es zůgieng, auff d Kantzel kam,
    Herrn Joseph vnder d Kutten sprang,
Vnd macht jhm Ellements gůt thůch,
    Er hett schier fallen lan das Bůch
Also thet ich jhm vbertrang.
290.       Doch daucht mich, mach ims nit zůlang
Das er dich nit in grimm erwüsch,
    Dann jhm die Red gestanden ist
Zweymal, als er heimlich nach mir
    Hat griffen mit grimmer begir.
295.   Darumb ich mich da dannen thet
    Wolt sehen wies mein Kriegern geht.
Ja wol andacht, ich schweig Gebett,
    Keine mehr acht auff d Predig hett,
Wann sie sich hett zweymal gekrümbt
300.       Vnd mocht sie helffen dennocht nünt,
So was die andacht nit so groß
    Das sie das Flohen vnderloß,
Sonder griffen hin allenthalben
    Vnd wünschten vns an liechten Galgen,
305.   Das also in der Kirchen zwar
    Meins Volcks bleib nit ein kleine schar.
Ein gůter boß allda geschach
    Ein Weiblein hett sich allgemach
Hiendan gesetzt nach bei der thür,
310.       Das sie den lufft hett für vnd für,
Auff eim dreybeinen Stůl sie saß,
    Ich weiß nit wie sie jhr vergaß
Das sie gantz sanfftiglich entschlieff.
    Einer auß vns bald zů jhr lieff 12
315.   Vnd kitzlet sie in einer seit
    Das Weib vberlaut Och schreit,
Vnd wie sie eilendt wolte zucken
    So falt sie hindersich an rucken
Das jr sGwand obern Kopff abhieng
320.       Meniglich lacht ob disem ding.
Sie erschrack aber nit so sehr
    Das sie nit griffen hett zůr Wehr
Erhascht den Floh, warff jn gehn boden
    Zerknischt ihn mit dem stul ohn gnaden,
325.   Darnach ich heimlich ließ anzeigen,
    Welcher wolte bey leben bleiben
Der solt sich machen auß dem Hatz,
    Mir wolten außhin auff den Platz,
Am Marckt moechte vns baß gelingen,
330.       Da dann die Weiber vnser dingen
Vor jhrem gschwetz nit wurden achten.
    Dann eh sie ein halb stund gelachten,
Vnd Scheren schliffen eine stund,
    Da jn nit gstehet Hand noch Mund,
335.   Eh sie jhrn Gfaetrin hetten gseit
    Wie viel jhr Hennen haben gleit,
Vnd wie viel Maeüß jhr Katze fieng,
    Vnd wie es jhr Nachpaeurin gieng
Naechten da jhr das Fleisch anbran,
340.       Vnd wie voll gwesen sey ihr Man,
Was holdseligen Kind sie het,
    Wie viel Wochen sie tragen thet,
Vnd wie jhr Magt die Haefen braech,
    Vnd wie holdselig sey der Knecht
345.   Wie viel sie Garn gespunnen hab,
    Vnd wie viel sie dem Weber gab,
Wie viel Schleyer sie hab im Trog,
    Wie menglich jhr Haußhaltung lob,
Auch wie sie spar vnd zamen kratz
350.       Vnd habe ein verborgnen Schatz,
Vnd wie sie jetzt in Hundstagen
    Die Floeh so leiden vbel plagen.
Vnd noch der dingen tausent meh 13
    Wie es sonst allenthalben geh,
355.   Werd sie nit achten vnsrer biß
    Ich meint die sach wer gar gewiß,
Man wurd im gschwetz so ernstlich sein
    Das man nit achtet groessrer pein.
Was lebet noch, das zug mir nach
360.       An Marckt, da was vns also gach
Da stůnd Weiber ein grosser hauff,
    Ich stůnd still vnd lůget auff
Wie der schimpff wolte gehen ab,
    Bald ein hurtiger schwartzer Knab
365.   An eine rant, noch fünff mit jhm,
    Das Weib das kunte schwetzen nimm.
Es můßt zůuor thůn einen griff,
    Da sie dann zwen samhafft erwüscht,
Toedt sie geschwind auff jhrem Korbe.
370.       Die drey hett sie auch bald erworben,
Zerknischt sie mit heissem grimm,
    Sprach, nun werd jr mich beissen nimm.
Ein andre saß vnd hette feil
    Zů deren kam auch ein gůt theil,
375.   Die lossung war jhr nicht dermassen
    Anglegen, das sie mochte lassen,
Sie můßte zwischen beide Bein
    Mit grossem ernst greiffen hinein,
Vnd jagen das schwartze Wildpret,
380.       Das sich im Forst gesamlet het,
Sie wußt kein ort die zůerschlagen,
    Zletst richt sy sie auff einem Taller.
Ein Magt zů einem Brunnen kam
    Derselben ich eilends war nam,
385.   Gedacht da hastu dein kurtzweil
    Dann weil sie schoepffet in der eil
Kanstu dein Magen speisen wol
    Kein leid dir widerfahren soll,
Der Eimer was nit halb heruff,
390.       Da gab ich jhr ein satten puff
Nach bey der Weich, da es was sieß,
    Den Eimer sie bald lauffen ließ 14
Vnd hůb sich schnell hinden auff, biß,
    Man jhr sach die Kerben gewiß,
395.   Ich marckt den bossen sprang hindan,
    Ein andern aber sie bekam
Der můßt das junge Leben sein
    Da lassen auff dem kalten Stein.
Schaw einer zů wie sGlück sich weltzt,
400.       Ein alt Weib hett ein laetzen Beltz
Am Gümpelmarckt, nach jrem prauch,
    Was inwendig vnd aussen rauch,
Darein thet sich ein grosse Schar,
    Ich mein sie kamen in ein gfar,
405.   Dann sie sie des nicht ließ geniessen
    Sie zanckt mit haend, mit arß, mit fuessen,
Mit beiden faeusten griff sie zů
    Vnd ließ vns nirgent gar kein rhů.
Ein alten Hafen für die kaelt
410.       Mit glůt sie vnder sich hett gstelt,
Darein warff sie welchen sie fand,
    Es war fürwar ein grosse schand.
Dann wann einer pfeußt in dem Fewr
    So lacht das alt Weib vngehewr
415.   Das man ihr biß an dgurgel sach,
    Kein Zan damit sie nicht außbrach,
Doch mocht ich ein ding sehen gern,
    Ohngferd gieng jhr an die Cauern
Von dem Fewr, das sie bald auffůr,
420.       Vnd tausent Theuffel darzů schwůr.
Also bald machten sich dauon
    Was springen kund vnd mochte gon.
Ein Beurin wol bekleid mit Zwilch
    Die hett ein grossen haffen Milch
425.   Vor jhr stan, den sie hette feil,
    Zů der da schlich in schneller eil,
Als sie ein wenig was entmuckt
    Ein gůt gesell, gab jhr ein truck,
Am ort da sies nit hette gern
430.       Es was nit weit vom finstern stern.
Sy entpfand es, gar bald erwacht 15
    Vnd war so maechtig vngeschlacht,
Das sie den fůß flucks streckt von jhr,
    Was ich hie sag, solt glauben mir,
435.   Kein feiner kurtzweil ich auff Erd
    Nie sach, dann sie ohn als geferd
Den hafen mit der Milch vmbstieß
    Ein grossen furtz darzů sie ließ
Vnd schwůr bey jhres Bauren ding,
440.       (Vor lachen mir schier dseel außgieng),
Luf inn ein winckel schnell vnd bhend
    Vnd hůbe auff das vnderhembd
Sůcht hinden vnd dauornen hart
    Die Milch sie hefftig tauren wart.
445.   Ergriff zletst einen bey eim fůß,
    Kumm her die Milch mir zalen můst
Sprach sie, vnd nam jhn zwischen dzaen,
    Zermalt jhn klein. Ich hab dirs gaen.
Als nun der ding viel giengen fort,
450.       Vnd der Marckt nun schier was am ort
Vnd mich. Als billich solt eim haupt
    Der grosse vnfall hoch betaubt
Das so viel bliben auff dem platz,
    Dacht ich, Wolan, gerads so grads,
455.   Du wilt dein Voelcklein nemmen klein
    Vnd wilt zů einem Hauß hinein.
Ob jhr moecht haben besser gmach,
    Es ist viel sicherer zů tach
Dann auff der weite! Bließ ein horn
460.       Vnd ließ rueffen, man wolte morn
Ein andern weg nemmen für dhand,
    Frue sollen kommen allesampt
So noch in leben seyen haer,
    Der aber wund vnd beinschroet waer
465.   Moecht bleiben in dem Spital, biß
    Er wider grad wurd vnd genieß,
Bey den Laeusen haben für gůt
    Da wurdens sein in sicher hůt.
Die nacht wir also auff der Erd
470.       Verzogen, da der morgen werd 16
Herfürer trat. Aurora schon
    Mit Rosenfarb schoen angethon,
Stůnd ich auff weil die lange nacht
    Ich wenig schlieff, all ding betracht,
475.   Wie wir weißlich angriffen dsach,
    Weil wir nun mehr warn also schwach.
Ich rüstet mich verzog nit lang
    Gedacht du wilt thůn einen gang
Vnd bsehen die gelegenheit,
480.       Dann gůten rath man allweg seit
Den soll man nemmen vor der gschjcht,
    Das es ein darnach rewe nicht.
Nam zů mir eilend zwen Trabanten,
    Beißhart sie da den einen nanten.
485.   Zwicksi der ander hieß mit Nam.
    Zů einem hohen Hauß ich kam
Da gieng mir von stund zů ein grauß
    Oben zů einem laden rauß,
Ein Weib hinden vnd vornen bloß
490.       Manch vnschuldiges blůt vergoß.
Dann sie eilend kam dar gereut
    Vnd jeucht die Floeh auß jrem hembt,
Spraenget sie von dem laden ab,
    Viel krummer schenckel es da gab.
495.   Wann sie dann einen sonst ergriff
    Sie ihm den Bentzenawer pfiff,
Vnd knilt jhn mit so grosser gir,
    Kuechlein hets nit gessen darfür.
Darnach so gieng sie auff vnd ab
500.       In der Kammer so nackend gar
Laß auff all Floeh, die sie mocht finden,
    Vnd jhr an dschenckel theten springen,
Die streifft sie darnach alle sampt
    In ein Wasser mit jhrer hand
505.   So sie in einem zuber het,
    Vnd auff diß kurtzweil warten thet.
Da dasselbig auch was vollend
    Kombt sie eilend zům bett gerent
Vnd würfft die deckin hin vnd wider, 17
510.       Im Bett fischet sie auff vnd nider,
Die küssen, leilach vnd die deck
    Sie als fleißig ersůchen thet,
So bald nur einer fürher schnapt
    Mit beid haenden sie nach jhm tapt.
515.   Legt darnach an ein frisches hembd,
    Ich dacht du wilt nit an das end.
Dann all ding sind auff dFloeh gerüst
    Als ob es wer im Lerchenstrich,
Dann sie die Kammer fleißig sprengt,
520.       Igels schmaltz sie darein auch henckt,
Deßgleich viel junger Ehrlin zweig,
    Damit der Floh behangen bleib
Wann er vngferd springe daran,
    dHosen ersůchts auch jhrem Man
525.   Darzů den leibrock vnd das hembd,
    Ich macht mich dauon dannen bhend
Dacht, allda habt jhr keinen platz.
    Als ich nun wenig fürbaß satzt
Da kam ich an ein ander ort
530.       Viel Kinder ich da weinen hort,
Bald fůl mir ein das wer ein sach
    Für vns, dann ja die Kinder schwach
Sich wurden koenden nit fast wehren
    Darumb thet sich mein hoffnung mehren
535.   Ließ eilend lauffen die trabanten
    Das sie das Voelcklein zamen manten
Dieselben dann auch gar bald kamen
    Mit hoeres krafft das hauß einnamen
Der naechsten einer einem Knaben
540.       Thet vnden vnders gwaendtlein traben,
Deßgleichen der ander vnd der dritt
    Das Bueblein mochts erleiden nit
Sonder krümbt sich gleich einem wurm
    Vnd schrey als ob man leuttet sturm,
545.   Ruefft die Großmůtter hertzlich an,
    Dieselbig eilendt krachen kam,
Sprach, liebes Kind wo ist dir weh.
    Es sprach mich beissen sehr die Floeh. 18
Bald hub sie ihm das aerßlein auff
550.       Mit seim kopff zwischen dbein jr schluff,
Da sůcht jhm ab die alte schell
    Die Floech allsammen wunder schnell,
Vnd toedt sie das keiner entran,
    Es was fürwar der rechte han,
555.   Dann sie der Fuchß mehr hett geschunden
    Ir tag manch harten biß entpfunden.
Ein wiegen stund in einem gmach
    Darinn ein Kindlein schlieff vnd lag,
Zů dem sprungen auch ettlich hin,
560.       Es erhůb sehr die stimme sein
Vnd schrey so laut es jmmer kund,
    Ein Meidlein kam zůr selben stund
Wiegt lang, es wolt kurtzumb nit schweigen
    Vnd wolt nit in der wiegen bleiben
565.   Darumb das Meidlein es hůb auff
    Es was fleissig vnd legt zů hauff
Die thuechlach vnd die windlein klein
    Lugt was doch moecht die vrsach sein
Das das Kind also vbel thet.
570.       Bald es die Floeh ersehen hett
Schry es vnd sagt, nun sich ich wol
    Warumb das Kind schrey jetz zůmol,
Nams Kind in dschoß, es war jhm gach
    Wie es die Floeh nur alle sach,
575.   Lestert sie sehr, hieß Dieb vnd Schelmen,
    Vnd wunscht der Hencker solt sie helmen.
Da ich nun sach den grossen Mort
    Mocht ich nimm bleiben an meim ort
Sonder nam einen grossen schwanck.
580.       Dem Meidlein in den bůsen sprang
Stachs wie ein nadel in ein seit
    Das es auffhupfft vnd Awe schreit,
Laßt das Kind fallen auff die Erd.
    Als solches nun die Můtter hoert,
585.   Lieff sie herzů zornig vnd gaeh
    Wolt das Kind nit auffheben eh
Dann sie das Meidlein bey dem kragen 19
    Hett gnommen, vnd es gnůg geschlagen.
Viel Weiber waren in eim gmach
590.       Vil jamers, leids, vns auch da gschach.
Dann wir ja nirgent sicher waren.
    Eine thet bey dem tisch hinfahren
Mit der hand tieff vnder das kleid,
    Die brüst ein andre fürher leit
595.   Vnd sůcht darzwischen ausser d Floeh.
    Vndern armen herfürer zoch
Sih viel andre. Da was kein faeler,
    Zerknitschten sie gleich auff dem teller.
Oder ruckten das tischthůch hin
600.       Metzgens auff dem plat, wie dschwein.
Die drit griff auff hin biß an Nabel,
    Am halß die vierdt hat ein gezabel.
Die Gretel mocht auch nimmer spinnen,
    Wans am rucken der Floeh ward jnnen,
605.   Mit der hand sie gschwind zůher fůl,
    Was sie erwüscht, würgts auff dem stůl,
Mit eim Würtel sy sie zerknitscht,
    Oder stachs mit der Spindelspitz.
Die sechst ihr naehwerck warff beyseit
610.       Sůcht die Floeh vnder jhrm kleid
Zerschnit sie als dann mit der schaer,
    Damit sie nur gnůg zornig waer.
Die sibend jagt sie in der stuben
    Herumber, wann sie jhr entfluhen.
615.   Zertrat sie darnach mit den fuessen,
    So hart můst man die jrd in buessen,
Eine auß der Kannen tranck
    Kratzt im gsaeß mit der andern hand.
In der Kuchin die Koechin auch
620.       Gar offt griff vornen an den bauch
Zochs fein herfür, auff dhafen deck
    Sie jhn als dann sehr zornig legt,
Opffert jhn gleich Busiride.
    Also das alle meine Floeh
625.   Vnd gsellen, wurden biß an ein
    Ohn mich, erwürget all in gmein. 20
Dann dWeiber nit allein nachtapten,
    Die Hund auch grewlich nach vns schnapten
Da ich also gantz einig stůnd
630.       Vnd was auch an eim fůß sehr wund,
Dann ich ghabt hett auch boese glüst,
    Was einer gsessen auff die bruest
Die dann eilends nach mir greiff
    Fürwar, sie braucht kurtzen vmbschweiff,
635.   Wer ich so hurtig nit gewaesen
    Hett ich vor ihr nit moegen gnaesen.
Doch an eim fůß sie mich verletzt
    Ich was erschrocken vnd verhetzt
Das ich schier hungers gstorben waer,
640.       Weil ichs dorfft wagen nimmermehr.
Zog also hin wider zů hauß,
    Dein Můtter trůg ab mir ein grauß
Das ich so ellend wider kam.
    Darumb mein Son ich dich verman
645.   Laß dich deins glücks benuegen gar
    Das dir nichts vbels widerfahr
Wann du dich gebest heir zů bloß,
    Du bist nit hoher Leut genoß.
Bleib hie bey Kundel vnser Magt
650.       Da kanstu weiden vnuerzagt.
Dann sie ist also mechtig faul.
    Ich glaub wann auff sie trett ein gaul
Sie wendet sich nit vmb ein har.
    So ist sie auch fein fett fürwar,
655.   Kanst wol ein bissen bey jhr finden
    Du woelst dauornen oder hinden.
Dann sie znechst bey dem fewr entschlieff,
    Die supp all in die aeschen lieff
So bran jhr auch die Jupp am loch,
660.       Dan wolt sie nit erwachen doch,
Biß dKatz den Praten nam vom spiß,
    Ich mein ich sie damalen biß,
Macht jhr ein grossen roten fleck.
    Mein Son laß dir das sein ein schleck
665.   Beger nit ander speiß der Zeit
    Das vns nit bringest all in leidt. 21
 
Muck.
FVrwar dein Vatter dir recht riet,
    Was hastu für ein toll gemüt,
Das du nicht folgst der lehre sein
670.       Vnd beibest bey der Kundel dein.
 
Floch.
DAs will ich dir erzehlen auch,
    Ich was ein junger frecher gauch
Ließ die sach ein weil ruewig bleiben
    Behulff mich mit den faulen Weiben.
675.   Dann das soltu gewißlich wissen
    Der Kundel schenckel waren bschissen
Allweg, mit einer hallenparten
    Het man darein gemacht kein scharten.
So was so schmutzig auch jhr leib
680.       Das ich allweg behangen bleib
Wann ich bey jhr wolt narung han,
    Yedoch můst ich mich bnuegen lan.
Weil ich nit bessers wust der zeit
    Dann nur ein Neuntzig jaerig Weib
685.   Der was die haut so hart eingschmort
    Die runtzeln vbereinander dort,
Wann sie den leib zůsammen zoh
    Das sie zerknitschen kund ein Floh,
Mit einer achst hett keiner nit
690.       Ihr geben koennen einen schnit.
Drumb als einmal ein Hochzeit war
    Von koestlichem Volck gantz vnd gar,
Dazů die Jungfraw auch was gladen
    Deren ich gern hett thon den schaden,
695.   Zů hand ich zů meim Vatter sprang
    Sprach, Vatter ach nun eilend gang
Vnd sich die edle Creatur
    Deßgleich erschůff nie die Natur,
Das ist die dauon ich dir sagt,
700.       Bald kroch herfür der wolbetagt
Sprach, Son du bist fürwar kein geck, 22
    Dein augen seind dir nit mit speck
Eingsetzt, du kenst wol zarte leib,
    Das ist gantz ein schoen junges Weib
705.   So alt bin ich nit diser stunden
    Mich frewet, solt ich sie verwunden,
Aber die gfahr die ist so groß
    Das weger ist man vnderloß.
Ach mein Vatter, sprach ich zůstund,
710.       Mein hertz ist gegen jhr vast wund,
Dann wann ich sie nur aneplick
    So geb ich jhr gern einen zwick,
Dann sie ist zarter dann ein schmaltz,
    Ich wag vmb sie fürwar mein halß,
715.   Wiltu mir nit behülflüch sein
    Will ich selb wagen mich hinein.
Als mein Vatter hort solche wort
    Gieng er mit mir hin auff ein ort,
Sprach, Son, ach du mein einigs Kind,
720.       Dieweil du je dahin bist gsint,
Vnd wilt dein heil daran jetz wagen,
    So mag ich keines wegs vertragen
Ich will samhafft der Můtter dein
    Allzeit neben vnd bey dir sein
725.   Damit du nit seyest zůfrech.
    Dann wo dir einig leid geschech,
So künd ich in mein alten tagen,
    Dich nimmermehr gnuegsam verklagen.
Dann ich auß zwentzig Kindern zwar
730.       Dich nur alleinig jetzund gar
Noch hab. Doch bitt ich noch einmol
    Laß dein gmuet fallen, das nit soll.
In summa Vatter, ich da sprach,
    Dem leib dem will ich setzen nach,
735.   Vnd kostet es gleich kopf vnd bart,
    Kein gfahr soll mir da sein zůhart.
Wolan, der alt herwider sagt,
    Můß es dann je sein so gewagt
So volg doch hie der lehre mein
740.       Damit du moegest bhutsam sein. 23
Ich sagt Vatter all deinen willen
    Will ich mit ghorsam gern erfüllen,
Allein das du mir helffst dahin
    Dar mich treibt all mein gemuet vnd sinn.
745.   Dann ich bin nit alleinig daer,
    Der solcher zarter leib begaer.
Dann alle Floeh auff gantzer Erden
    Die aller schoensten leib begeren.
Da gab der Vatter disen rath,
750.       Dieweil man jetz gehn Kirchen gath
So würt man von stundan zům essen
    Darnach. Das laß vns nit vergessen
So woellen wir dann alle beid
    Sampt der Můtter, merck den bescheid,
755.   Vnd etlich andern vnsern Freünden,
    Sehen das wir nit bleiben dhinden.
Dann die Jungfraw die wirt sehr prangen,
    Wann sie dann also ist im gange,
So woellen wir jhr in das gwand
760.       Zů vnderst sitzen alle sampt,
Wann sie dann kommet zů dem tisch
    So wirt sie nicht sein also frisch,
Das sie ein fingerlein thue rhueren.
    Fraessen wir jhr die halben Nieren.
765.   Dann sie gantz züchtig still mueß sein,
    Also magstu den willen dein
Vollbringen, wir auch werden satt.
    So bald man aber dann auffstat
Lůg zů das wir vns dann bald packen,
770.       Sie doerfft sonst heimlich nach vns zwacken,
Das vns dann kommen moecht zů leid
    Bald hupfft ich auff vor grosser freüd.
Thet al so mich mein Vatter hieß
    Setzt mich hin in das kleid so süß,
775.   Biß nach viel prangs zů tisch sie saß,
    Kein bissen sie mit ruwen aß,
Dann ja kein ort an jhrem leib
    Vor mir gentzlich nit sicher bleib,
So waren die andern vmb die fueß, 24
780.       Vnd theten jhr auch viel vertrieß.
Yedoch war so groß zucht vnd scham
    Das sie sich vmb kein har annam
Als ob jhr etwas leids geschech.
    Wann es ettwann gab ein gesprech,
785.   Oder das man jhr leget für
    Griff sie darnach mit schoener zier,
Vnd rucket dann ein wenig mit
    Doch das man kundte spüren nit
Damit sie mir die speiß abbrech,
790.       Ich aber fůr für wider frech.
Wann sie wider still saß mit rhů
    Als man hette gessen nů
Vnd jederman vom tisch auffstůnd
    Mein Vatter mich zů warnen gund
795.   (Ach warumb volgt ich nit der frist.
    Sich wie es gehet wa da ist
Kein volg der Kinden jhrer alten)
    Er sprach ich solt ein gnuegen halten
Mit dem lust den ich hat gehapt.
800.       Mit fraeuel ich herwider schnapt
Sprach, er wüste nit was er sagt
    Zům tantz wurd jetzund gan getradt
Die Jungfraw, da hett ich noch weil
    Mich ferner zuerlusten, eil
805.   Wer da woel, wer will der gang
    Allhie ist mir die zeit nit lang.
Der alt erseuffzt vnd blib auch kleben
    Vnd andre meine Freünd darneben.
Nun leider hoer was da geschach,
810.       Als man stůnd prangen im gemach
Gab ich jhr manigmal noch dick
    Ein scharpffen tieffen gůten zwick,
Also das sie zletst gar erzürnt
    Vnd thet als ob sie wer erkürnt.
815.   Stüß ein finger heimlich in dnasen,
    Dasselb die rechten bossen wasen,
Vnd macht jhr selb zůschweissen die,
    Sprach eilend, ach was geschicht mir hie 25
Erlaubet mir ich můß hin gon
820.       Ein wenig biß mirs blůt thůt ston,
Als dann will ich bald widerkeren.
    Man ließ sie gehn mit grossen Ehren.
So bald sie nur kam für die Thür
    Luff sie mit wunder schneller gir,
825.   Ihr Kammer zů als ob es brandt,
    Ich saß noch oben im gewandt
Meint nit das es were zůthůn
    Vmb vns, so bald sie kame nůn,
Zům Bett, sie sich gar schnell aufloeßt
830.       Ihren gantzen leib allda entbloeßt
Gar schnell in einem augenblick.
    O du betrogens boeses glück
Mit beiden haenden fůr sie her,
    Erwüscht erstlichen mein Vatter
835.   Ohngwarnt, die Můtter sie auch fand
    Noh daselbst sitzen an dem rand,
Die metzget sie mit hertzen lust.
    Als ich das sach, ich bald entwuscht
Auß dem kragen, darinn ich saß,
840.       Kein sprung mein lebtag kam mir baß.
Zwen meiner Freund wolten mir nach,
    Aber sie was auff sie so gach
Das sie sy mit jhr zarten haenden
    Allbeid ergriffe an den waenden,
845.   Vnd laß dir das ein marter sein,
    Sie thet jhn nicht an gwonlich pein.
Sondern sie an ein Nadel steckt,
    Darnach zu einem liecht sie legt,
Da musten sie braten ellend.
850.       Sie was so grausam wunder bhend
Als ich mein lebtag keine gsach,
    Ich wer nit kommen auß dem gmach
Hett sie nicht ein klein Hündlein ghapt
    Zů dem ich mich gantz eilendt pact,
855.   Vnd saß jhm hüpschlich vnder dwoll
    Das trůg mich außhin dazůmol.
Demnach als ich kam für die thür 26
    Da sprang ich eilendt für vnd für,
Biß ich her kam auff dises ort.
860.       Mir liegt noch stets im sinn der Mort,
Vnd ist mir anderst nit fürwar
    Dann als sie gleich gegen mir fahr,
Vnd fahe mich zů einer rach,
    Oder wie sie mir lauffe nach.
865.   Also mein Brůder ists ergangen.
    Es solt dich warlich schier verlangen
Wann ich wolt hoeren auff zůsagen.
    Wer bleidigt ist, derselb thůt klagen.
Wo soll ich auß, wo soll ich ein
870.       In der Welt ich nit sicher bin,
Noch dennoch můß ich gessen han
    Weil ich kein ander handtwerck kan,
Mir steht darauff gleich leibs gefahr
    Wann ich nur saug an einem har,
875.   Also groß wacht vnd hüt die Weib
    Frue vnd spat hand auff vnser leib,
Sie geben auch ein groß summ gelts
    Das wir jhn nicht kaemen in dBeltz!
Wo soll ich auß, wo soll ich an
880.       Ich ellender verjagter Man?
 
Muck.
WOlan dein schmertzen ist mir leid,
    Wir werden warlich alle beid
Fast angefochten allenthalben,
    Man wůnscht vns dTheuffel vnd den galgen,
885.   Vnd seind also auß der zal deren
    Die vndern Feinden sich ernehren.
Das můß man leiden mit gedult,
    Zůn zeiten man es wol verschuldt.
Drumb kumm mit mir her in mein hauß
890.       Biß dir das leid maechßt etwas auß.
Was ich gůts hab ich mit dir theil.
    Wer weißt, wo noch steckt vnser heil! 27

 


 

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