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Westslawischer Märchenschatz

Josef Wenzig: Westslawischer Märchenschatz - Kapitel 1
Quellenangabe
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authorJoseph Wenzig
titleWestslawischer Märchenschatz
publisherVerlagsbuchhandlung von Carl B. Lorck
year1857
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Vorwort.

Je mehr selbst die entferntesten Völker und Staaten Europa's durch die neugeschaffenen Verkehrsmittel räumlich zusammen rücken, und je mehr sie sich zu einem Leibe organisiren, in welchem ein Glied dem andern nicht gleichgültig sein kann: um desto nöthiger ist es, daß sie sich auch geistig näher kommen und sich wechselseitig kennen lernen, um sich zur Förderung ihres gemeinschaftlichen Besten freundlich die Hand zu reichen.

Die Böhmen, Mährer und Slowaken, aus deren Volksdichtungen und Gesangsweisen ich hier dem deutschen Publicum eine mit Sorgfalt getroffene Auswahl biete, und die im österreichischen Staate eine Bevölkerung von etwa sieben Millionen bilden, gehören zu Einem, dem ĉechoslawischen Sprachstamm; denn obwohl nur die Geschichte der Böhmen und Mährer verwebt ist, die der Slowaken sich an die ungrische anschließt, so bedienen sie sich doch einer gemeinsamen Schriftsprache. Die Böhmen, die westlichsten Slawen in Europa, mit einer großartigen, von dem k. böhm. ständ. Historiographen F. Palacky meisterhaft dargestellten Geschichte, von ihren deutschen Landsleuten, den Deutschböhmen, zu unterscheiden, sind im Ganzen an Cultur unter den Slawen am weitesten vorgeschritten. Sie treiben mit Vorliebe Oekonomie, obwohl sie auch in Fabriken anstellige, gewandte Arbeiter abgeben; für Musik und Mathematik zeigen sie besonderes Talent, lernen fremde Sprachen leicht, und liefern tapfere, intelligente Krieger (die österreichische Artillerie besteht zum größeren Theil aus Böhmen), so wie geschickte Beamte, die in allen Kronländern der Monarchie verwendet werden. – Unter den slawischen Mährern herrscht eine größere Verschiedenheit, als unter den slawischen Böhmen. Man unterscheidet die sogenannten Podhoraken im böhmisch-mährischen Gebirgslande, die den Böhmen am ähnlichsten sind; die Hannaken, ein wohlhabendes Völklein in der fruchtbaren Hanna; die Slowaken an der ungrischen Seite, die den ungrischen Slowaken gleichen; ferner die Walachen, ein wahrscheinlich aus der Walachei eingewandertes jetzt slawisiertes Hirtenvolk auf den benachbarten Beskiden. In der südöstlichsten Ecke Mährens zwischen der March und Thaja leben mehrere tausend Kroaten, die im 16. Jahrhundert angesiedelt wurden. – Die Slowaken in dem von den Karpathen bedeckten Nordwesten Ungarns sind betriebsam, und viele erwerben sich ihr Brot durch Hausiren mit verschiedenen Waaren, wobei sie, gleich den Tirolern, ferne Länder durchziehen. Die allgemein bekannten, ehrlichen, aber verkümmerten und schmuzigen Drahtbinder darf man nicht für Repräsentanten des ganzen Volkes nehmen. Welch stattlicheres Bild liefert dagegen der stämmige Leinwandhändler in seinem weißen, reinlichen Anzuge!

Indem ich die vorliegende Sammlung als ein Charakterbild bezeichne, will ich damit gesagt haben, daß ich sie für ganz besonders geeignet halte, dem Leser einen Blick in das innere und äußere Leben der Cechoslawen zu erschließen. Nur muß ich, um Mißverständnissen vorzubeugen, vorhin ein Zweierlei bemerken. Fürs Erste beabsichtigte ich nicht eine gelehrte Arbeit zu liefern, obwohl die Sammlung auch dem wissenschaftlichen Denker und Forscher in mannichfacher Beziehung tauglichen Stoff bieten dürfte. Hätte ich jene Absicht gehegt, dann würde die Sammlung nebst Vorwort und Anmerkungen ganz anders haben ausfallen müssen. Meine Absicht ging dahin, dem gebildeten Publicum einen ästhetischen, dabei aber zugleich lehrreichen Genuß zu verschaffen; darnach möge man Anlage und Ausführung beurtheilen. Fürs Zweite suche man hier keine verfeinerten Erzeugnisse der Kunst. Alles ist Volksdichtung, schlichte, einfache Natur, zwar ohne die Reize der Kunst, dafür um desto gesunder und kräftiger.

Die vorliegende Sammlung zerfällt in zwei Abtheilungen, wovon die erste Märchen, Sagen und Geschichten, die zweite Lieder, Balladen, Romanzen, Legenden und Sprüchwörter umfaßt. Als gemeinsames Kennzeichen aller darin enthaltenen Dichtungen läßt sich aufstellen, daß in ihnen bei durchaus geregelter Phantasie ein regsamer, behender, klarer und scharfer Geist waltet, der, wie die Geschichte nachweist, nur dann getrübt werden kann, wenn die leichtaufwallende und dabei tiefhaftende Empfindung die Oberhand gewinnt. Dadurch unterscheiden sich die Poesien der Böhmen, Mährer und Slowaken überhaupt von denen der Südslawen mit ihrer orientalischen Phantasiefülle und von denen der Ostslawen mit ihrer heroischen, ins Ungeheure schweifenden Hyperbolik. Die überschwängliche Romantik und Minne ist ihnen fremd geblieben. Den böhmischen Producten eignet wieder zum Unterschiede von den slowakischen vorzugsweise Witz, Satyre, Humor, wogegen sich in den slowakischen und walachisch-mährischen naive Treuherzigkeit ausprägt.

Die erste Abtheilung mit Märchen, Sagen und Geschichten ist aus den theils gedruckten, theils noch ungedruckten Sammlungen von K. I. Erben, Frau B. Némec, I. B. Maly, dem Geistlichen I. Kulda, M. Miksièek, St. M. Daxner und I. Rimawski entlehnt. Erben hat sich nebstdem durch eine reiche Sammlung böhmischer Volkslieder sammt Melodien, durch eine Bearbeitung böhmischer Märchen und Volksgeschichten in Versen, und durch die für die Geschichte äußerst wichtigen Regesta diplomatica nec non epistolaria Bohemiae et Moraviae als Dichter und Gelehrter hervorgethan. Ein interessantes Werk über die Märchen aller slawischen Völker, worin er, vom indoeuropäischen Standpunkte aus sowohl deren Verwandtschaft untereinander, als auch mit den deutschen und westeuropäischen überhaupt nachzuweisen gedenkt, steht von ihm zu erwarten. – Die aufrichtige, innige Religiosität, die einen Grundzug des slawischen Charakters bildet, spiegelt sich deutlich in den Märchen, Sagen und Geschichten. Die Basis des positiven Christenthums ist noch nicht erschüttert, der Glaube an Himmel und Hölle noch wahr und lebendig. Unter solchen Bedingungen feiert das Gute Triumphe, findet das Böse Strafe und Untergang. Besonders sind es wechselseitige Liebe unter den Familiengliedern, Wohlthätigkeit, Dienstfertigkeit und Menschenfreundlichkeit gegen Jedermann, Ehrfurcht gegen das Alter und die Vorgesetzten, Gottesfurcht und Frömmigkeit, die empfohlen werden. Arbeitsamkeit, Reinheit des Leibes und der Seele, Mäßigkeit und Genügsamkeit sind hochgeschätzte Eigenschaften. Gerad und offen steht der naturwüchsige Mensch da. Geburt wird geachtet, allein das Verdienst stellt sich ihr ohne Scheu, frank und frei an die Seite, im Gefühle der ursprünglichen Gleichheit aller Ebenbilder Gottes. Merkwürdig ist die Schilderung des Teufels. Das Volk ist zu gut, ehrlich, gesellig und häuslich, als daß es nicht selbst dem Teufel eine gewisse Güte, Ehrlichkeit, Geselligkeit und Häuslichkeit zutrauen sollte. Wer nicht flucht und überhaupt brav ist, dem hilft der Teufel. Daß der Teufel den Armen aus Gefräßigkeit ihr Almosen wegstiehlt, erscheint selbst seinen Kameraden als etwas so Schlechtes, daß sie ihn nicht in die Hölle lassen und er zur Buße drei Jahre auf der Erde dienen muß. In der Einsamkeit wird dem Teufel bange. Wer sich nichts vorzuwerfen hat, der braucht sich vor dem Teufel trotz aller Macht desselben nicht zu fürchten, und wird mit ihm fertig, wie der alte Husar in der Mühle, der ihm ein Stück von seinem Gesäß abmahlt, Jura, der ihn in die Flinte ladet und hinaus schießt. Und bei aller List und Pfiffigkeit ist der Teufel, wie es durchtriebene Menschen zu sein pflegen, dennoch blitzdumm, so daß er sich prellen läßt, wie in den Wetten, mit der lästigen Käthe, beim Abholen des Schusters, beim Bau der Brücke.

Wir sehen das Volk, wie es leibt und lebt, mit seinen Sitten und Gebräuchen, seinem Aberglauben, nie jedoch Unglauben, bei seinen Beschäftigungen zwischen den vier Wänden des Hauses, auf goldenen Aeckern und grünen Wiesen, in blühenden Gärten, auf triftenreichen bewaldeten Bergen, in den verschiedenen Verhältnissen des Lebens. Und es nimmt das Leben nicht dumpf und bewußtlos hin, wie es ihm eben geboten wird, sondern es denkt und reflectirt darüber mit forschendem, prüfendem Geiste, und begreift, urtheilt und schließt mit kerngesundem Verstande. Und nicht ist es die dunkle Wolke des Trübsinnes, die über ihm lagert; bei allen Sorgen, die es beschweren, singt, lacht und schäkert es frisch und munter. Wohin wäre es sonst, ohne diese ihm in reichem Maße zu Theil gewordene Gabe des ewigjungen Komus, schon lange mit ihm gekommen! – Nicht alle hier gebotenen Märchen, Sagen und Geschichten sind so neu, daß sie nicht mit anderen in bereits bekannten Sammlungen eine gewisse Aehnlichkeit hätten. Ich stand nicht an, auch solche aufzunehmen, wenn sie ihr eigenes Leben, ihre eigene Schönheit besäßen. So ist das walachisch-mährische Märchen: »Wie der Wagner König ward dem in der classischen Sammlung der Gebrüder Grimm: » Die goldene Gans« – das: » Die zwei Gevattern« dem daselbst: » Simeliberg« – das: » Der gläserne Berg« denen: » Die zwölf Brüder,« » Aschenputtel« und » Allerleirauh« –das: » Jura« dem: » Der junge Riese« – das böhmische Märchen: » Der Lange, der Breite und der Scharfäugige« denen: » Die sechs Diener« und » Sechse kommen durch die ganze Welt« – das walachisch-mährische: » Die vier Brüder« dem: » Die drei Brüder« ähnlich. Allein man vergleiche sie nur gehörig, und man wird zugestehen müssen, daß keines eine bloße Copie des andern ist. Auf diese Vergleichung, kommt es eben an. Man muß den Gedanken aufgeben, daß, weil zwei Völler ein Märchen, eine Sage oder sonst eine Geschichte gemein haben, schon darum und deshalb eins von dem andern borgte. Die Gemeinschaftlichkeit kann sogar zwischen zwei Nachbarvölkern stattfinden, und doch braucht, blos aus diesem Grunde, keins von dem andern entlehnt zu haben. Das Entlehnen, Borgen und Copiren wird um so unwahrscheinlicher, je mehr zwei Völker räumlich von einander entfernt sind, und je weniger sie in Berührung kommen. Glaubt man nicht mehr, daß die Deutschen der Lautähnlichkeit zufolge ihr Wort »Nase« von dem lateinischen » nasus,« die Slawen ihr » nos« von den Deutschen oder Römern entlehnten, – dasselbe gilt von Hunderten anderer Wörter, – so muß man auch bei den Märchen, Sagen und Geschichten der Völker nicht kurzsichtig und einseitig auf der Oberfläche schweben bleiben, sondern in die Tiefe steigen. In der Anmerkung 15 wird z. B. nachgewiesen, daß das böhmische Märchen: » Der Lange, der Breite und der Scharfäugige« nicht nur in mehreren Variationen in Böhmen einheimisch, sondern auch, wie das deutsche: » Die sechs Diener« mit einer Sage auf den Faröern verwandt sei, worauf die allegorische Hülle aller Geschichten desselben Kreises gelüftet wird. Erinnert nicht das slowakische Märchen: » Der Metallherrscher« an die Sage von König Midas, – das: » Von der Mutter und ihrem Sohne« an die Sage von Hercules, – das: » Sonnenroß« an die Mythe von Apolls Gespann? In diesem Gebiete giebt es noch viele Räthsel zu lösen, sie werden aber nicht eher gelöst werden, als bis man der Halbheit entsagt, den Osten Europa's mit dem Westen zusammenfaßt, beide als Theile eines unzertrennlichen Ganzen gewissenhaft vergleicht und so weiter dringt. Das schon früher erwähnte Werk Erbens wird in der bezeichneten Richtung bedeutende Aufschlüsse bringen. Möge es nicht zu lange auf sich warten lassen!

Die zweite Abtheilung mit Liedern, Balladen, Romanzen, Legenden und Sprüchwörtern ist aus den gedruckten Sammlungen des genannten Erben, des gefeierten Sprachforschers und Archäologen P. Šafařik, der Gelehrten und Dichter I. Kollar und F. L. Čelakowsky, der poetisch begabten Geistlichen F. Sušil und I. Kamaryt, ferner aus der alten Sprüchwörtersammlung des Herrn Smil von Pardubic, ausgezeichneten Dichters des XIV Jahrhunderts, und aus der eines Pseudonymen entnommen. Das über die erste Abtheilung Vorgebrachte gilt im Allgemeinen auch von der zweiten, und so wie jenezum besseren Verständnisse dieser, so dient diese zum besseren Verständnisse jener; beide interpretiren und ergänzen sich. Ich schickte der zweiten Abtheilung eine Reihe kürzerer Gedichte unter dem Titel » Kleinigkeiten« voraus, weil in dieser Kürze etwas Charakteristisches liegt, und sie sich dadurch von den übrigen unterscheiden. Sie enthalten allerlei Ein- und Ausfälle, mitunter höchst barocker Art, oft auch momentane Aushauche der Empfindung, und ähneln den polnischen Krakowiaken und den steinschen Schnattahüpfeln. Dann folgen größere heitere und scherzhafte Stücke, weiter größere ernstere, weh- und schwermüthige, endlich geistliche Lieder, Legenden und Sprüchwörter. Alle sich wiederholenden Feierlichkeiten, Feste und Geschäfte sind von Gesängen begleitet, besondere Vorfälle liefern natürlich besonderen Stoff. Wie idealzart sind manche Stücke gehalten z.B. das Täubchen und die Boten der Liebe! In anderen prägt sich philosophischer Tiefsinn, sentimentale Reflexion aus, z.B. in der verlorenen Jugend und in der getroffenen Ente. Wie ergreifend ist die ihrem Ursprunge nach wahrscheinlich sehr alte Romanze: »Die Waise!« Die Klage quillt aus tiefem, vollem Herzen, aber es läßt sich ebenso häufig der Frohsinn mit seinen munteren, lachenden Tönen vernehmen. Welch herzinnige Frömmigkeit offenbart sich in den geistlichen Liedern und Legenden! Die Sprüchwörter, bald mit Ernst, bald scherzend mit Witz und Humor ausgesprochen, fassen eine Fülle von Religiosität, Moral und Lebensklugheit in sich. Von den zwei Romanzen » Der verlorene Schäfer« und » Die Verwünschte« mahnt die erste an das Märchen » Die Waldfrau,« die andere an eine Scene in dem Märchen » Von der Mutter und ihrem Sohne.« Wenn ich übrigens die Stücke der zweiten Abtheilung bald als böhmisches, bald als mährisches, bald als slowakisches Product bezeichne, so ist dies nicht so streng zu verstehen, als ob ein solches Stück dem einen oder dem anderen Zweige des èechoslawischen Stammes ausschließlich angehörte; es giebt vielmehr nicht wenige Stücke, die mit Variationen das gemeinsame Gut aller drei Zweige sind. Manche haben auch mit den Poesien der Süd- und Ostslawen die oder jene Aehnlichkeit, wie die Dichtung » Eifersucht noch im Tode« durch ihren Anfang mit der morlakischen, von Herder und Goethe übersetzten Dichtung » Klagegesang von der edlen Frau des Asan-Aga.« Das Lied » Nichts« erinnert sogar an Goethe's » Vanitas vanitatum vanitas« und die Ballade » Die drei Töchter« an Shakspeare's Lear.

Ueber die Melodien, die ich mehreren Gesangsstücken beigab, muß ich ein Wort insbesondere vorbringen. Böhmischer Volksmelodien giebt es zu Hunderten. Wenn das Talent des Böhmen für Musik allgemein anerkannt ist, so manifestirt es sich hier auf das glänzendste. Die böhmischen Melodien können sich an Schönheit, Reichthum und Mannichfaltigkeit mit denen jedes anderen Volkes messen. Wer sich davon überzeugen will, wer überhaupt erfahren will, was alles und wie viel in dem böhmischen Volke liegt, der nehme die von Erben veranstaltete, von J. Martinowsky mit Fortepianobegleitung versehene Sammlung böhmischer Volksmelodien zur Hand. Das ist ein Garten voll der reizendsten Blumen, wo die Töne, in welchen die Blumen blühen und duften, mehr sagen, als die Worte auszudrücken vermögen. Der Text besitzt manchmal wenig oder keinen Werth, die Melodie stets einen, der beachtet zu werden verdient. Die Melodien erfreuen sich auch in Oesterreich einer allgemeinen Beliebtheit, und gelingt es mir, diese über die Grenzen Oesterreichs hinaus zu tragen, so rechne ich es mir zu besonderem Verdienste an.

Es sind lauter böhmische Melodien, dieselben, in welchen die bezüglichen Texte vom Volke selbst gesungen werden. Nur bei einigen erlaubte ich mir, sie auf andere Texte, auch auf mährische und slowakische, zu übertragen. Das Volk macht es eben so, und verwendet bald bei verschiedenen Texten eine Melodie, bald bei verschiedenen Melodien einen Text, wenn es nur die Natur der Sache gestattet. Zwei der von mir gebrachten Melodien befinden sich nicht in Erbens oben erwähnter Sammlung, die zu dem Liede« EwigBier« und die zu dem Liede » Leichtsinn« ; ich schöpfte sie selbst aus dem Munde des Volkes. Alle jedoch sind ohne Fortepianobegleitung von dem Chorregenten Herrn J. Krejči eigens gesetzt.

Als Zugabe zu dem Ganzen erscheint ferner ein Lied, das im strengen Sinne des Wortes weder dem Texte, noch der Melodie nach aus dem Volk hervorgegangen, wohl aber in das Volk übergegangen ist. Es ist dies das Lied » Mein Vaterhaus?« Es wurde von dem böhmischen Dramaturgen I. K. Tyl gedichtet, von dem verdienstvollen Theatercapellmeister F. Škraup in Musik gesetzt und im Jahr 1830 bei der Darstellung eines Volksstückes zuerst vorgetragen. Seitdem erlangte es eine solche Beliebtheit, daß es sowohl in den höheren, als niederen Kreisen der Gesellschaft, wie auch bei anderen slawischen Volksstämmen heimisch geworden ist. Da es Land und Leute trefflich charakterisirt, habe ich es hier, unter Zustimmung des Componisten und seines Verlegers, mit aufgenommen.

Prag, am 15. Juli 1857.
Joseph Wenzig.

Erste Abtheilung. Märchen, Sagen und Geschichten.

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