Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Clemens Brentano >

Baron Hüpfenstich

Clemens Brentano: Baron Hüpfenstich - Kapitel 2
Quellenangabe
typefairy
booktitleWunderbare Geschichten
authorClemens Brentano
noteEtwa 1935 erschienen
publisherDeutsche Buch-Gemeinschaft
addressBerlin
titleBaron Hüpfenstich
pages404-412
created19990504
sendergerd.bouillon@t-online.de
Schließen

Navigation:

Rittmeister Zwickelwichs hatte wohl gesehen, wie der König den Hüpfenstich angefahren hatte, und suchte ihn nun auf, um ihn zu trösten. Er fand ihn in der Reitbahn, wo er aus Zorn und Ärger ganz verzweifelte Sätze machte. Als er ein wenig ruhig geworden, sagte der Zwickelwichs zu ihm: »Teurer Freund und Kamerad, du bist schrecklich gekränkt; das kannst du nicht auf dir sitzen lassen, ich will dir einen Vorschlag tun, der dich rächt und glücklich macht. Du weißt, es ist das benachbarte Königreich jetzt in der Gewalt des Königs Allmeinius, er respektiert den Frieden: »Tue mir nichts, ich tue dir auch nichts« gar nicht und zieht bereits seine Strickleiter zusammen, uns den Krieg anzukünden; er hat mir herübersagen lassen, wenn Ihr mit dem Husarenregiment zu ihm kommen wollet, wollte er Euch zum Statthalter des ehrlichen Landes machen, sobald er den König Haltewort gefangen habe. Wie wär's, wenn Ihr das Willwischen hinter Euch auf den Sattel nähmt und über die Grenze rittet, und wir ritten alle hinterdrein?« Dem übermütigen, zornigen Hüpfenstich gefiel diese Verräterei sehr gut, und er sagte zu dem Zwickelwichs: »Ich will die Prinzessin schon hinwegbringen, komme du mir nur mit den Husaren nach!«

Als alles dies verabredet war, ging Hüpfenstich zu der Prinzessin; sie war sehr verdrießlich und fragte warum er nicht ihr Leibstückchen habe blasen lassen bei der Parade. Hüpfenstich sagte: »Ach, Ihro Königliche Hoheit, es ist heute der Sterbetag meiner erhabenen Eltern; verzeihen Sie, daß mir die Trauer nicht erlaubte, die Trompete blasen zu lassen.« »Aber,« sagte die Prinzessin, »wer sind Eure Eltern? Ihr wollt mir sie nie nennen.« »Hier darf ich's nicht,« erwiderte Hüpfenstich, »ach, ich bin sehr unglücklich; wenn ich Euch hier sage, wer ich bin, so muß ich sterben.« »Das ist außerordentlich kurios,« sagte wieder, »aber ich muß und will es wissen teurer Freund! Gibt es denn gar kein Mittel, mir es zu sagen?« »Eines, teure Prinzessin, wenn Ihr heute abend im Mondschein wollt am Ende des Schloßgartens spazierengehn, da werde ich es wagen, ganz unbelauscht Euch das wunderbare Geheimnis zu vertrauen.« Die Prinzessin willigte ein, sie kam gegen Abend an das Ende des Schloßgartens, da war Hüpfenstich; aber er sagte der Prinzessin nichts, er schwang sie auf den Rücken und machte so ungeheure Sprünge mit ihr bis in das Land des Königs Allmein.

Als er über die Grenze war, setzte er die weinende Prinzessin in einem Walde in das Gras und sagte ihr: »Willwischen, weine dich nur aus, ich habe dich entführt; meine Husaren kommen auch nach, und wenn mich der König Allmein zum Statthalter des ehrlichen Landes macht, so wirst du meine Gemahlin, und dann sage ich dir, wer ich bin. Jetzt muß ich mich hier in dem Bache baden und mich dann recht putzen, damit ich hübsch sauber vor den König Allmeinius treten kann.« Nach diesen Worten machte er einen Sprung über einige Hecken hinweg, hinter welchen ein Bach lief, um sich dort zu baden.

Willwischen war so verwirrt und betrübt und ermüdet, daß sie einschlief. Aber auf einmal hörte sie die Trompeten blasen und sah, als sie erwachte, das Husarenregiment über die Wiese angesprengt kommen. Sie erhob sich und warf sich auf die Knie und bat um Hilfe; aber es war gar nicht nötig; denn der Zwickelwichs hatte alles gleich dem König Haltewort gesagt, und die Husaren kamen nach, um den Hüpfenstich gefangenzunehmen. Sie eilten gleich ans Wasser, und Hüpfenstich, der bemerkte, daß er verraten war, wollte fortspringen; aber er konnte nicht, weil er ganz naß war. Sie banden ihm also Hände und Füße und legten ihn quer über sein Pferd, setzten die Prinzessin in einen Wagen und kehrten nach der Hauptstadt zurück. Der König hatte dort schon einen hohen Galgen aufrichten lassen, und es ward nun überlegt, mit welchem Tod der Verbrecher gestraft werden sollte. Endlich fällte der König das Urteil: »Es soll ihm erst die Uniform und dann die Haut abgezogen werden.« Das geschah. Als man die Uniform abgezogen hatte, sagte die Prinzessin: »Hüpfenstich, wenn du mir sagst, wer du bist, so will ich meinen Vater um Pardon bitten.« Hüpfenstich schüttelte mit dem Kopf. Da ward ihm die Haut abgezogen, und die Prinzessin sagte wieder: »Hüpfenstich, sage, wer du bist, so will ich meinen Vater um Pardon bitten.« Aber Hüpfenstich schüttelte nicht mit dem Kopf, sondern – er war nicht mehr da, kein Mensch wußte, wo er hingekommen war.

Man verwunderte sich sehr darüber; aber was war zu tun? Man mußte sich mit der Haut begnügen; die ward an den Galgen aufgehängt, und der Platz war niemals leer von Menschen, welche die wunderliche Haut des Husarenobristen von Hüpfenstich ansahen. Sie hatte so viel Beine und Borsten und Schnurrbärte und einen so schrecklichen Zopf; kein Mensch konnte herausbringen, was er doch wohl immer für ein Tier mochte gewesen sein. Willwischen starb schier vor Neugierde, zu erfahren, wer er doch wohl möge gewesen sein, und quälte ihren Vater Tag und Nacht, aber der König hatte versprochen, es nie zu sagen.

Willwischen sollte sich nun bald vermählen; der König Haltewort war schon sehr alt und wollte gern einen Nachfolger haben; er bat also die Tochter, sie möge unter den vielen Prinzen, die um ihre Hand ansuchten, einen wählen. Sie sagte aber: »Ich will keinen nehmen, ehe ich weiß, von wem die Haut ist.« Da sagte der König endlich: »Wohlan, mein Kind, wenn das dein Wille ist, so will ich in aller Welt bekanntmachen lassen, daß der, welcher rät, von wem die Haut ist, dein Gemahl werden soll; bist du es zufrieden?« »Ja, ja«, sagte Willwischen, und der König ließ nun überall bekanntmachen: Wer errate, welche Haut in der Residenz am Galgen hänge, der solle seine Tochter zur Frau haben.

Nun entstand ein entsetzliches Gefahre und Gereite und Geschiffe und Gelaufe nach der Residenz. Da kamen Prinzen und Ritter und Lederhändler und Riemer und Sattler und Säckler und Gerber und Schuster und Buchbinder und Kürschner und Pelzhändler und Jäger und Seelenverkäufer und Juden und Professoren der Naturgeschichte, und wer nur mit Häuten und Leder zu tun hatte und mit dergleichen Bescheid wußte, kam, um seine großen Kenntnisse an den Tag zu legen und die schöne Prinzessin Willwischen zu gewinnen.

Als die Leute vom Hundertsten ins Tausendste hin und her rieten und den König immer fragten, ob sie recht geraten hätten, ward er ungeduldig und sagte: »Es kömmt hier nicht drauf an, zu erraten, sondern zu wissen, was für eine Haut es ist; drum sage jeder seine Meinung!« Da sagte einer: »Es ist ein Meerochse«; der andere: »Ein Landkraken«; der dritte: »Ein Muhdrache«; »Ein Prenzlauer Rhinozeros«; »Ein Kümmeltürke«; »Mir scheint es eine Gendarmenhaut«, sagte ein armer Dorfschuster, wurde aber gleich eingesteckt. Endlich trat ein Professor auf und behauptete, es sei die Haut eines afrikanischen Buschmanns; der Seelenverkäufer aber behauptete, sie sei von einem Amsterdamer Juden. Kurz, keiner konnte es erraten, und alle zogen ab. So ging dies mehrere Monate lang, und die Neugier Willwischens stieg immer höher. Schier war im ganzen Reiche kein Mensch, der nicht schon geraten hatte.

Nun kam eines Morgens, da die Stadt noch zu war, ein gewaltiger Grobian vors Tor und pochte mit seiner Faust an, daß die Angeln krachten. »Aufgemacht, aufgemacht,« schrie er, »ihr Schlafmützen!« Die Torschreiber sprangen aus den Betten und fragten durchs Schlüsselloch, wer so anpoche; da antwortete eine Stimme wie ein Büffelochse: »Macht auf, ich bin der Wellewatz!« Zitternd öffnete der Torwächter und sah einen abscheulichen Kerl hereinschreiten; er stieß beinahe oben am Tor an und war so breit und zottigt wie ein Pelznickel. »Ach, dürfte ich um Ihren Charakter bitten,« sagte der Torschreiber, »daß ich Sie aufschreiben kann?« Aber der Herr Wellewatz donnerte so auf ihn ein: »Ich heiße Wellewatz und bin ein privatisierender Menschenfresser«, daß der arme Torschreiber vor Schrecken hinter das Schildhaus fiel.

Wellewatz trabte mit seinen breiten Füßen durch die Straßen; alles schlief noch, und da er Hunger hatte und einige Bäckerknechte am Backofen beschäftigt sag, griff er zu und fraß sie wie Kramtsvögel ohne Brot hinunter. Als er auf den Markt kam, sag er den Galgen mit der Haut und las den Anschlagzettel, daß der die Prinzessin zum Weibe erhalte, wer rate, was es für eine Haut sei. Er schüttelte den Kopf und lachte und rief mit lauter Stimme: »Auf, auf, König Haltewort, dein Schwiegersohn ist da! Auf, auf, Prinzessin Willwischen, dein Mann ist da!«

Da flogen alle Fensterladen auf, und tausend erschrockne Gesichter guckten heraus, und die Sonne ging auf und schien dem Wellewatz in die Augen; da nieste er, daß die Fenster im Schlosse sprangen und die Scherben der Prinzessin ins Bett fielen. Weil ihm aber niemand »Zur Gesundheit!« gesagt hatte, wurde der Wellewatz so böse, daß er das Steinpflaster aufriß und nach den Leuten warf.

Endlich kam der König ans Fenster und wollte soeben wegen dem großen Lärm recht tüchtig zanken, aber als er den entsetzlichen Wellewatz vor Augen sah, wurde er vor Schrecken ganz sanft und sagte: »Was steht zu Seinen Diensten, mein Freund?« Da antwortete der Wellewatz: »König Haltewort, rufe deine Tochter Willwischen herbei, ich will die Haut erraten!« »Es ist zwar noch ein wenig früh,« sagte Haltewort, »aber meinethalben; Er hat doch einmal die ganze Stadt aus den Federn gejagt.« Schon wollte der König zu Willwischen gehn, da kam sie selbst; die Neugierde, was vor ein Lärm in der Stadt sei, ließ sie nicht ruhen. Als sie an das Fenster trat, patschte der Wellewatz in die Hände und lachte, daß die große Stadtmühle vor Schrecken darüber stillstand. »Ei potztausend, Büffelochsen!« schrie er. »Welch schöne Prinzessin für eine Flohhaut!« Bei den Worten Flohhaut lief dem König der Angstschweiß von der Stirne, und in der Stadt lief das Wort Flohhaut von Mund zu Mund, und alle Türmer bliesen Flohhaut, und alle Trommelschläger trommelten Flohhaut, alle Chorschüler sangen Flohhaut, Flohhaut ward die Parole der braunen Husaren, und alle Kanonen wurden losgebrannt; denn Haltewort hatte mit dem Schnupftuch geweht, und das war das bestimmte Zeichen, daß die Haut erraten sei.

Die Prinzessin lag in Ohnmacht, und Wellewatz stieg die Treppe hinauf; ach, da war kein Herr von Hüpfenstich, der ihr zur Ader gelassen hätte. Wellewatz stieß ihr einen Bund Zwiebeln unter die Nase, und sie kam zu sich. Sie stürzte sich in die Arme des Vaters. »Ist es wahr? Ist es wahr?« weinte sie. »Es ist wahr«, sagte er und erzählte die ganze Geschichte des Herrn von Hüpfenstich. »Mein Kind Willwischen, deine Neugier hat dich soweit gebracht, du mußt nun mit dem Wellewatz fortgehn, denn ich muß Wort halten.« Nun hätte man Willwischens Jammern hören sollen; sie warf sich an die Erde und umklammerte die Füße ihres Vaters und flehte so beweglich, daß es hätte einen Stein bewegen sollen. Aber der König sprach immer: »Mein Kind, du heißt Willwischen, und ich heiße Haltewort, und da kömmt es nun so heraus, du mußt nun fort mit dem Wellewatz.« Aber sie wimmerte immerfort, und Wellewatz ward schon ungeduldig und sprach: »Liebste Frau, ich rate dir, werde ruhig und schreie mir die Ohren nicht voll, sonst werde ich andre Saiten aufspannen.«

Der König machte nun dem Wellewatz allerlei Vorschläge, damit er von Willwischen ablassen sollte. Er wollte ihn zum Hoftürken, zum Generalissimus, zum Theaterdirektor, zum Oberjägermeister machen; Wellewatz wollte nicht. Der König hängte ihm alle verflossene, gegenwärtige und zukünftige Orden um den Hals; Wellewatz wollte nicht. Der König machte ihn zum Herzogen Watz von Wellenwurz; er wollte nicht. Endlich sagte er: »Ich sehe, daß Er gar keine Ehre im Leib hat.« Da antwortete der Wellewatz: »Nein, aber zwei Bäckerknechte«, und erwischte die Prinzessin Willwischen beim Rockzipfel und zerrte sie zur Stadt hinaus; weil sie sich aber gar so erbärmlich stellte, so ward der König auch auf sie zornig und schimpfte und zankte hintendrein. Die ganze Stadt war im Auflauf, und es ward auf allen Straßen folgendes Lied gesungen:

    Heil dir, o Wellewatz,
Der sich so schnelle Platz
Bei uns gemacht!
Du rietst dir halt den Schatz,
Hast nun die Braut beim Latz,
Gibst ihr so laut den Schmatz,
Daß es nur kracht.

    Heil dir, Willwischen Braut,
Die wissen will die Haut
Vom Hüpfenstich!
Wer auf die Neugier baut,
Durch Schlüssellöcher schaut
Und auf Husaren traut,
Den trifft's, wie dich.

    Ach, Herr von Hüpfenstich,
Wer ließ entschlüpfen dich
Aus deiner Haut?
Dein Balg am Galgen hing,
Mancher sich balgen ging;
Durch deinen Balg nun fing
Wellewatz die Braut.

Der König aber sperrte sich mit seinem Nachdenker ein und ließ stark über seinen Unfall nachdenken.

Wellewatz packte vor dem Tor das Willwischen auf seine Schulter und ging mit ihr querfeldein immer fort, fort, über Stock und Stein, Distel und Dorn, Berg und Tal, und kam am Abend in einen dicken, dunklen Wald, wo sich die Wölfe einander gute Nachte sagen. »Du magst wohl Hunger haben,« sagte er zu Willwischen, »warte, und will dir gleich etwas Süßes zu schmecken geben. Ich höre meinen Zuckerbäcker schon brummen.« Willwischen zitterte und bebte, denn sie kamen zu einem großen Bären, der mit einem großen Bienenkorb unter dem Arm nach seiner Höhle spazierte. Wellewatz holte ihn bald ein und gab ihm eine Ohrfeige, daß er um und um fiel, dann riß er eine Honigwabe aus dem Korb, wo alle Bienen und alles Wachs noch drin staken, und wollte, Willwischen sollte sie essen. Aber ihr schauderte. »Potz Leckermaul,« sagte der Wellewatz, »so hungere!« und fraß den ganzen Honigkorb allein aus. Willwischen aber aß einige wilde Brombeeren, die da herum wuchsen.

Der Wellewatz packte sie wieder auf und sagte: »In einigen Stunden werden wir in meinem Schlosse Knochenruh ankommen.« Das war ein schrecklicher Name. Der Mond schien, der Wind wehte, und in den hohen Fichten klapperte es. »Das ist mein Lustgarten Klapperbach,« sagte Wellewatz; »die Totengerippe, die da in den Bäumen rappeln, scheuch mir die Raben weg; ich habe die Kerls alle selbst aufgezehrt und brauche keine Schwarzröcke dazu.« Willwischen war vor Angst und Schrecken eine einzige Gänsehaut; sie zitterte so, daß der Wellewatz zu ihr sagte: »Klappere nicht so mit den Beinen, du kitzelst mich, und wenn du mich lachen machst, so fress' ich dich vor Liebe auf.« Ach, wie stille hielt sich da Willwischen! Endlich kamen sie an einen freien Platz im Walde vor ein wunderbares, hohes Gebäude. Der Mond schien. Das Haus war nicht ganz fertig gebaut. Auf der linken Seite fehlte ein Turm, auf der rechten Seite war es fertig. Es war nicht ohne Kunst gebaut. Lauter Totenbeine und Totenköpfe, die standen oben herum, und weil die Haare noch auf ihnen waren, spielten diese recht schön im Wind und sausten. Es war gar nicht so übel ausgedacht.

Wellewatz blieb, mit Willwischen auf dem Rücken, eine Zeitlang vor dem Schlosse in stiller Bewunderung stehn; endlich sagte er: »Wie gefällt dir das, mein Schatz? Sieh, alle diese Knochen haben meine Vorfahren und ich selbst abgenagt, und mit welchem Geschmack sind sie geordnet! Ist das nicht modisch? Ist das nicht gotisch? Aber jetzt, mein Schatz, auf unserm Hochzeitsschmaus, da soll es so hergehen, daß der ganze Turm auf dem linken Flügel mit den Knochen soll fertig gebaut werden. Wie gefällt dir das, mein Schatz?« »O Gott, entsetzlich schön«, seufzte Willwischen. Nun führte er sie hinein; alles Knochen und alles Knochen.

»Das ist dein Kabinett,« sagte Wellewatz; ach, es war mit lauter Kinderknöchelchen tapeziert! »Hier hast du was zu essen,« sagte Wellewatz; es waren lebendige Krebse. »Ich habe keinen Appetit«, sagte Willwischen. »Wird schon kommen,« sagte Wellewatz und aß die Krebse ruhig hinunter; »wenn sie einen so im Magen mit den Scheren kneipen,« sagte er, »das macht Appetit. Aber gute Nacht, laß dir was Gutes träumen; ich will auf die Jagd gehen und Vorrat anschleppen. Morgen lade ich meine Vettern ein, da soll Hochzeit werden.« Und damit ging er fort und schlug die Türe zu, daß der ganze Knochenpalast eine halbe Stunde lang klapperte.

 << Kapitel 1  Kapitel 3 >>