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Oskar Panizza

Panizza, Oskar

(Leopold Hermann) Oskar Panizza

(auch: Sven Heidenstamm, Jules Saint-Froid, Sarcasticus)

Geboren am 12.11.1853 in Kissingen; gestorben am 28.9.1921 in Bayreuth.

Panizzas Vater war ein berzeugter Katholik, der es vom Kellner zum Besitzer mehrerer Hotels gebracht hatte; seine Mutter, einer Hugenottenfamilie entstammend, verfate protestantische Erbauungs- und Eifererschriften und setzte nach dem frhen Tod des Vaters (1855) ihren bigotten Pietismus zielstrebig durch.

Panizza besuchte die Gymnasien in Schweinfurt und Mnchen mit geringem Erfolg; erst nach Kaufmannslehre und Militrdienst machte er im Alter von 24 Jahren das Abitur. Anschlieend studierte er Medizin, promovierte 1880 summa cum laude und wurde 1881 Assistenzarzt. Whrend eines beruflichen Aufenthaltes in Paris erweiterte er seine Kenntnisse der franzsischen Literatur und des Theaters. 1882 trat er die Stelle eines vierten Assistenzarztes an der Oberbayrischen Kreis-Irrenanstalt in Mnchen an, kndigte aber schon 1884 wieder, um seinen literarischen Neigungen zu leben. Die Schriftstellerei benutzte er als Therapie gegen seine psychische Labilitt. Innerhalb der Mnchner Boheme pflegte er vor allem Kontakte zu Michael Georg Conrad. Seit etwa 1890 widmete er sich verstrkt der Prosa und der polemisch zugespitzten kleinen Form. Seine Provokationen von Kirche und Staat erreichten mit der Himmels-Tragdie Das Liebeskonzil ihren Hhepunkt, das Stck wurde verboten, Panizza erhielt 1895 eine Gefngnisstrafe von einem Jahr. Nach Verbung der Strafe zog er 1896 nach Zrich und grndete dort einen eigenen Verlag zur Verffentlichung seiner Zrcher Diskuionen, bissigen und hmischen Abrechnungen mit Staat, Kirche und Monarchie. 1898 wurde er als unerwnschter Auslnder aus der Schweiz ausgewiesen, er zog wieder nach Paris und verffentlichte Parisjana. Deutsche Verse aus Paris. Die Schrift enthielt eine fundamentale Abrechnung mit dem deutschen Obrigkeitsstaat und persnliche Schmhungen Kaiser WilhelmII., sie wurde konfisziert und sein Vermgen beschlagnahmt, so da er 1901 nach Deutschland zurckkehren und sich der Justiz stellen mute. Nach einem kurzen Gefngnisaufenthalt wurde er zur Beobachtung in die Psychiatrie eingeliefert, es wurde eine chronische Paranoia diagnostiziert, wodurch er wegen Unzurechnungsfhigkeit zwar keine Strafe erhielt, aber 1905 entmndigt wurde, nachdem er ber Paris und Lausanne wieder in Mnchen gelandet war. Seit 1905 war er in psychiatrischen Anstalten in Bayreuth untergebracht.


Werke u.a.

  • 1886 Dstre Lieder (Gedichte)
  • 1887 Londoner Lieder (Gedichte)
  • 1889 Legendres und Fabelhaftes (Lyrik)
  • 1890 Dmmerungsstcke (Grotesken)
  • 1892 Aus dem Tagebuch eines Hundes (Erzhlungen)
  • 1893 Visionen (Grotesken)
  • 1893 Die unbefleckte Empfngni der Ppste
  • 1894 Der heilige Staatsanwalt
  • 1894 Das Liebeskonzil
  • 1898 Nero (Tragdie)
  • 1898 Psichopatia criminalis
  • 1899 Parisjana. Deutsche Verse aus Paris









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