25. Gebläse-Ofen
Die gefährlichen Wochen der Schneeschmelze und des Föhns,
der Lawinenstürze und Steinschläge waren endlich vorbei; der Boden
lag schneefrei, das Wasser verlief sich im blumigen Grund, im Moor balzten die
Birkhühner. Die Sonne schien länger und lockte zur Arbeit im Freien.
Peters Öfen waren vom Schneewasser ziemlich mitgenommen. Der
Töpferofen lag in sich zusammengesunken und sein Herdraum mit Kalkbrei
gefüllt, das Schmelzwasser hatte den gebrannten Kalk seines Mauerwerks
gelöscht. Nur der Schmelzofen stand fast unversehrt da, der Mörtel in
seinen Fugen war zu kalkartigem Sandstein erhärtet; dafür waren die
Schlacken und Erze stark verwittert; Luft, Wasser, Frost und Sonne hatten sie
zermürbt. Der Boden unter ihnen war auffallend dunkel gefärbt. Mit
großer Sorgfalt reinigte Peter den Herdraum des Schmelzofens, legte
über den im
Boden
eingelassenen Napf einen Rost aus schmalen, länglichen Steinen, schichtete
Schilf, Holz und Holzkohle darauf und schüttete von oben her abwechselnd
Schlacken, Erz und Holzkohle durch den Schacht. Leider versäumte er, den
Luftdurchlaß für sein Gebläse vor dem Füllen des Schachtes
herzustellen; er merkte es zu spät und mußte von außen die
Mauer an einer Stelle durchbrechen und den Luftweg einbauen.
Tags darauf war er schon vor Sonnenaufgang mit seinen
Blasebälgen unterwegs. Da er erwartete, der Schmelzofen werde sich in ein
glutatmendes Ungetüm verwandeln, führte er vom Luftdurchlaß der
Ofenmauerung erst einen drei Schritt langen, röhrenartigen Luftweg aus
Steinen und Lehm auf, den er möglichst dicht mit feinsandigem Mörtel
und mit flachen Steinen deckte. Erst in der Nähe des hohlen Baumes
schloß er die beiden zusammenlaufenden Luftausführungsröhren
seiner Blasebälge an, indem er ihre Enden fugendicht einmauerte und mit
nasser Tonerde deckte. Die Zugriemen band er einstweilen mit ihren oberen Enden
an einen überhängenden Ast der Buche.
So ungeduldig er die Wiederaufnahme der Schmelzversuche herbeigesehnt
hatte, jetzt, wo alles bereit war, vertrödelte er mehrere Tage, als scheue
er sich vor dem Unternehmen, das ihm vorher gefahrlos erschienen war. Er
schleppte Mundvorräte und einen Topf Trinkwasser herbei, verstaute alles
im Hohlraum der Buche und machte sich in ihrer Krone umständlich eine Art
Nest aus Stäben und Fellen, um dort zeitweise ruhen zu können, da er
sich während des Schmelzversuches nicht vom Ofen entfernen wollte. Nach
einer Nacht im Pfahlbau, während der das weitschallende
»Koak!-Krüak!« der Rohrdommeln ihn lange wachgehalten hatte,
weckte ihn greller Sonnenschein. Kaum hatte er seinen Brei ausgelöffelt,
eilte er zu seinem Werk. Bald
kräuselte fahlgelber Rauch aus dem Ofenschacht, und Peter setzte die
angefeuchteten Blasebälge in Bewegung. Klopfenden Herzens sah er, wie nach
jedem Fauchen der einströmenden Luft eine fast rauchlose, bläuliche
Flamme aus dem Schacht hervorstach. Den Balg links und rechts abwechselnd
aufziehend und niedertretend, wiegte er sich nach rechts, nach links, und
dieses Gleichmaß der Bewegung stimmte ihn so behaglich, daß er zu
summen und zu singen begann. Sein Singsang schallte über das Moor und
lockte Eva aus ihrem Pfahlbau. Sie ruderte eilig herbei und lief den Hang
hinauf, so schnell sie konnte. Als sie vor dem Schmelzofen stand, wurde ihr
klar, warum Peter sang: weil ihn seine Arbeit freute!
Aber seine Bewegungen wurden zusehends langsamer, sein
eintöniger Gesang leiser, er wurde müde. Als er verstummte und nur
noch mühsam trat und zog, nahm Eva ihm die Zugriemen aus den Händen
und drängte ihn beiseite. Taumelnd machte er Platz, schleppte aber schon
nach kurzer Rast eine Rehhaut voll Holzkohlen über die Leiter zum Schacht
und leerte sie hinein, daß die Funken stoben. Dann brachte er noch eine
Ladung Schlacken und Erze, streckte sich danach auf dem harten Boden aus und
ruhte schweratmend. Eva hielt die Anstrengung nicht lange durch, sie rief nach
Ablösung, und so bedienten sie abwechselnd den Ofen, bis der Abend
dämmerte. Eva zog sich mit ein paar geräucherten Fischen zu kurzer
Rast ins Baumnest zurück. Peter wollte das Gebläse die Nacht hindurch
in Gang halten, obwohl er zum Umfallen müde war.
Der Ofen aber machte plötzlich aller weiteren Arbeit ein Ende.
Mit einem Knall barst die Mauerung des Luftwegs, die Mauerränder
glühten, und der Lehmverputz des Luftrohrs dampfte.
Enttäuscht nahm Peter die verstört herbeigestürzte Eva
bei der
Hand und ging mit ihr heimwärts. Der Ofen mußte erst ausbrennen und
abkühlen, ehe er ausgeräumt werden konnte. Müde bis zur
Gedankenlosigkeit, schritten sie wieder einmal einträchtig wie schon lange
nicht mehr dahin.