Montag, 17.8.2009

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Medaille: S. Freud

Neu bei Gutenberg-DE

Zum 1. 1. 2010 ist mit Ende des 70. Todesjahres das Urheberrecht u. A. für diese Autoren erloschen, deren Werke wir jetzt veröffentlichen können:

Sigmund Freud (auch als CD-ROM erhältlich).
Maurice Renard (phantastische Romane)
Joseph Roth (15 Werke)

Unter »Neue Texte«, (dort werden die jeweils letzten 50 neu eingestellten Bücher angezeigt), sind noch weitere neu hinzugekommene Autoren zu entdecken. Außerdem sind Anfang Januar die Werke dieser Autoren frei geworden: William Butler Yeats (Literaturnobelpreisträger), Augusta de Wit, Ludwig Fulda und Ernst Toller.

Autorenkalender für heute:

» Theodor Birt (158. Geburtstag)
» Johann Wolfgang von Goethe (178. Todestag)
» Johann Kleinfercher (182. Geburtstag)
» Johann Richard zur Megede (104. Todestag)
» Ernst Schulze (221. Geburtstag)
» Fritz Stüber-Gunther (138. Geburtstag)
» Heinrich Zschokke (239. Geburtstag)
» Wilhelm Rabener (239. Todestag)

Der Fortsetzungsroman:

Die Höhlenkinder – Im Pfahlbau.

Von Arthur Theodor Sonnleitner

25. Gebläse-Ofen

Die gefährlichen Wochen der Schneeschmelze und des Föhns, der Lawinenstürze und Steinschläge waren endlich vorbei; der Boden lag schneefrei, das Wasser verlief sich im blumigen Grund, im Moor balzten die Birkhühner. Die Sonne schien länger und lockte zur Arbeit im Freien. Peters Öfen waren vom Schneewasser ziemlich mitgenommen. Der Töpferofen lag in sich zusammengesunken und sein Herdraum mit Kalkbrei gefüllt, das Schmelzwasser hatte den gebrannten Kalk seines Mauerwerks gelöscht. Nur der Schmelzofen stand fast unversehrt da, der Mörtel in seinen Fugen war zu kalkartigem Sandstein erhärtet; dafür waren die Schlacken und Erze stark verwittert; Luft, Wasser, Frost und Sonne hatten sie zermürbt. Der Boden unter ihnen war auffallend dunkel gefärbt. Mit großer Sorgfalt reinigte Peter den Herdraum des Schmelzofens, legte über den im Boden eingelassenen Napf einen Rost aus schmalen, länglichen Steinen, schichtete Schilf, Holz und Holzkohle darauf und schüttete von oben her abwechselnd Schlacken, Erz und Holzkohle durch den Schacht. Leider versäumte er, den Luftdurchlaß für sein Gebläse vor dem Füllen des Schachtes herzustellen; er merkte es zu spät und mußte von außen die Mauer an einer Stelle durchbrechen und den Luftweg einbauen.

Tags darauf war er schon vor Sonnenaufgang mit seinen Blasebälgen unterwegs. Da er erwartete, der Schmelzofen werde sich in ein glutatmendes Ungetüm verwandeln, führte er vom Luftdurchlaß der Ofenmauerung erst einen drei Schritt langen, röhrenartigen Luftweg aus Steinen und Lehm auf, den er möglichst dicht mit feinsandigem Mörtel und mit flachen Steinen deckte. Erst in der Nähe des hohlen Baumes schloß er die beiden zusammenlaufenden Luftausführungsröhren seiner Blasebälge an, indem er ihre Enden fugendicht einmauerte und mit nasser Tonerde deckte. Die Zugriemen band er einstweilen mit ihren oberen Enden an einen überhängenden Ast der Buche.

So ungeduldig er die Wiederaufnahme der Schmelzversuche herbeigesehnt hatte, jetzt, wo alles bereit war, vertrödelte er mehrere Tage, als scheue er sich vor dem Unternehmen, das ihm vorher gefahrlos erschienen war. Er schleppte Mundvorräte und einen Topf Trinkwasser herbei, verstaute alles im Hohlraum der Buche und machte sich in ihrer Krone umständlich eine Art Nest aus Stäben und Fellen, um dort zeitweise ruhen zu können, da er sich während des Schmelzversuches nicht vom Ofen entfernen wollte. Nach einer Nacht im Pfahlbau, während der das weitschallende »Koak!-Krüak!« der Rohrdommeln ihn lange wachgehalten hatte, weckte ihn greller Sonnenschein. Kaum hatte er seinen Brei ausgelöffelt, eilte er zu seinem Werk. Bald kräuselte fahlgelber Rauch aus dem Ofenschacht, und Peter setzte die angefeuchteten Blasebälge in Bewegung. Klopfenden Herzens sah er, wie nach jedem Fauchen der einströmenden Luft eine fast rauchlose, bläuliche Flamme aus dem Schacht hervorstach. Den Balg links und rechts abwechselnd aufziehend und niedertretend, wiegte er sich nach rechts, nach links, und dieses Gleichmaß der Bewegung stimmte ihn so behaglich, daß er zu summen und zu singen begann. Sein Singsang schallte über das Moor und lockte Eva aus ihrem Pfahlbau. Sie ruderte eilig herbei und lief den Hang hinauf, so schnell sie konnte. Als sie vor dem Schmelzofen stand, wurde ihr klar, warum Peter sang: weil ihn seine Arbeit freute!

Aber seine Bewegungen wurden zusehends langsamer, sein eintöniger Gesang leiser, er wurde müde. Als er verstummte und nur noch mühsam trat und zog, nahm Eva ihm die Zugriemen aus den Händen und drängte ihn beiseite. Taumelnd machte er Platz, schleppte aber schon nach kurzer Rast eine Rehhaut voll Holzkohlen über die Leiter zum Schacht und leerte sie hinein, daß die Funken stoben. Dann brachte er noch eine Ladung Schlacken und Erze, streckte sich danach auf dem harten Boden aus und ruhte schweratmend. Eva hielt die Anstrengung nicht lange durch, sie rief nach Ablösung, und so bedienten sie abwechselnd den Ofen, bis der Abend dämmerte. Eva zog sich mit ein paar geräucherten Fischen zu kurzer Rast ins Baumnest zurück. Peter wollte das Gebläse die Nacht hindurch in Gang halten, obwohl er zum Umfallen müde war.

Der Ofen aber machte plötzlich aller weiteren Arbeit ein Ende. Mit einem Knall barst die Mauerung des Luftwegs, die Mauerränder glühten, und der Lehmverputz des Luftrohrs dampfte.

Enttäuscht nahm Peter die verstört herbeigestürzte Eva bei der Hand und ging mit ihr heimwärts. Der Ofen mußte erst ausbrennen und abkühlen, ehe er ausgeräumt werden konnte. Müde bis zur Gedankenlosigkeit, schritten sie wieder einmal einträchtig wie schon lange nicht mehr dahin.


Aphorismus des Tages:

Es ist besser nichts zu tuen, als mit vieler Mühe nichts zu schaffen ...

... sagt der Weise. Deshalb lassen wir den Aphorismus des Tages ein wenig ruhen.
Das Gutenberg-Team.


» Laotse

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